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Aignerstraße 8-14

Fakten

Aignerstraße 8-14

Aignerstraße 8-14, 1200 Wien

Baujahr: 1930-1932

Wohnungen: 55

Architekt: Rudolf Perco

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Friedrich-Engels-Platz 1, deren nördliche Hälfte als Bauteil V die Anlage Aignerstraße 8-14 umfasst, steht in den früheren Donau-Auen und ist nach dem Sandleitenhof in Ottakring der zweitgrößte Wohnbau des Roten Wien. Ursprünglich plante Rudolf Perco die Wohnhausanlage noch umfangreicher. Statt rund 1.400 Wohnungen sollten 2.300 errichtet werden. Die Stadtgemeinde musste den Umfang der Wohnhausanlage jedoch aus Kostengründen reduzieren. Die Eröffnungsfeier 1933 wurde zu einem Fest für die Sozialdemokratie in Wien. Nur wenige Monate später war die Anlage Schauplatz der blutigen Februarkämpfe - nicht zuletzt wegen ihrer strategisch günstigen Lage an der Floridsdorfer Brücke. Die Monumentalität der Wohnhausanlagen aus der Zwischenkriegszeit ist in vielen Fällen auf die Schule Otto Wagners (1841-1918, Architekt, Kunsttheoretiker) zurückzuführen, der Lehrer vieler der beauftragten Architekten gewesen ist. Rudolf Perco knüpft am Friedrich-Engels-Platz mit seinem strengen Grundrissschema, das dem Plan einer "Idealstadt" nahe kommt, nahtlos an Otto Wagner an. Diese Idee entspricht auch den expressionistischen Vorstellungen der damaligen Stadtregierung für eine Wohnhausanlage.

Die Wohnhöfe zeigen sachliche Gestaltung mit wenigen, aber handwerklich hochwertigen Details, wie etwa die schmiedeeisernen Balkongitter. In den 1950er-Jahren wurde die Anlage nördlich des Kapaunplatzes um mehrere Wohnanlagen erweitert.

Die Architektur

Der Wohnblock liegt an der Aignerstraße, die den Kapaunplatz in Ost-West-Richtung teilt, und gehört zur östlichen Hälfte der monumentalen Gesamtanlage, die aus einer symmetrisch gruppierten Abfolge von umbauten Höfen in zeittypisch sachlicher Gestaltung besteht. Ihre markantesten expressiven Formen, ein Ehrenhof mit zwei hoch aufragenden Fahnentürmen am Friedrich-Engels-Platz und der Uhrturm der Zentralwäscherei sind auch heute noch weithin sichtbar. An diesen Ehrenhof schließt ein rechteckiger Platz, der Kapaunplatz, in dessen Zentrum ein weitläufiger Park und ein Kindertagesheim angelegt wurden. Die Wohnblöcke hier wurden in Randverbauung in mehreren Bauabschnitten ausgeführt. Als Bauteil V entstand 1932 an der östlichen Seite des Kapaunplatzes ein dreiseitiger Wohnblock in Blockrandverbauung über rechteckförmiger Grundfläche an Aignerstraße, Kapaunplatz und Wehlistraße. Um einen weitläufigen, parkartig gestalteten Innenhof angeordnet sind die vier- bis fünfgeschoßigen Wohngebäude gruppiert, wobei die Gebäudeecken zu den offenen Plätzen hin turmartig ausgebildet sind. Sämtliche Bauten werden von einem streng geometrischen Stil geprägt. Akzente setzen dabei die horizontal umlaufenden Putzstreifen und die kubisch vortretenden Balkonkästen. Schmückende Elemente sind die Balkon- und die großen Torgitter der Durchfahrtstore.

Der Zugang zu den einzelnen Steigenhäusern erfolgt über Rechteckportale mit breiten Putzrahmen. Zum Kapaunplatz hin überziehen die Balkone ohne Trennelemente ähnlich den Alt-Wiener Pawlatschengängen die gesamte Gebäudefront.

Der Name

Die Aignerstraße ist seit 1921 benannt nach Josef Matthäus Aigner (1818-1886). Der Porträtmaler, seit 1864 Mitglied des Künstlerhauses, war zwischen 1883 und 1886 auch Wiener Gemeinderat.

Architekten

Rudolf Perco - Rudolf Perco (1884-1942) war bereits in verschiedenen Architekturbüros tätig, bevor er von 1906 bis 1910 an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte und die Meisterschule von Otto Wagner besuchte. Schon früh konnte er einige repräsentative Wohn- und Geschäftshäuser, wie etwa den Fürstenhof (Praterstraße 25, Wien 2; 1913) realisieren. Aufgrund der schlechten Auftragslage nach dem Ersten Weltkrieg, begann er ein Jurastudium, das er 1924 abschloss. Erst im Zuge des Wohnbauprogramms der Gemeinde Wien konnte er wieder große Projekte wie die Wohnhausanlage Am Engelsplatz (Wien 2, 1929-1933) realisieren.