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Darnautgasse 10

Fakten

Darnautgasse 10

Darnautgasse 10, 1120 Wien

Baujahr: 1953-1953

Wohnungen: 88

Architekt: Franz Wosatka, Anton Wiltschnig

Weitere Adressen

Wienerbergstraße 38-40, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Um 1900 war das Gelände rund um die heutige Darnautgasse und das Grundstück neben der Pottendorfer Linie, wo sich heute die Wohnhausanlage befindet, noch frei und ungenützt. Einige Jahre später wurde hier die Draschegasse - zunächst als Verlängerung der Wienerbergstraße - angelegt. 1955 wurde die Draschegasse verlängert und in Darnautgasse umbenannt.

Die Architektur

Der Grundriss zeigt eine gewinkelte Anordnung von drei unterschiedlich langen Trakten. Ein kürzerer Gebäudeteil liegt mit seiner fünfachsigen und fünfgeschoßigen Straßenfassade direkt an der der Darnautgasse. Im Norden erhebt sich unter der ersten Fensterachse ein breites, eckiges Durchgangstor. Das südlich anschließende, höhere Gebäude mit einem zusätzlichen Dachgeschoß ist nach hinten versetzt. Dadurch entsteht ein längsrechteckiger Vorgarten. An der Wienerbergstraße knickt der Bau noch einmal um und folgt ein kurzes Stück ihrem westlichen Verlauf. An der Fassade zum vorgelagerten Grünstreifen in der Darnautgasse wechseln einander Fenster- und Balkonachsen ab. Durch einen Toreingang im einfach gehaltenen, kurzen Abschnitt an der Wienerbergstraße gelangt man in einen schmalen Innenhof. Die schmucklosen Fassaden sind hier durch weit vorspringende Treppenhäuser, die turmartig vor der Wand bis zur Firsthöhe emporstreben und den Lift beherbergen, geprägt.

... und die Kunst

Steinskulptur "Seelöwe" von Othmar Jarmer, eigentlich ein leicht kubistisch abstrahiertes Walross, aus 1953/1954.

Der Name

Die Darnautgasse wurde 1955 nach dem Landschaftsmaler Hugo Darnaut benannt, davor hieß sie Draschegasse. Drasche war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein Ziegelfabrikant, der bis zu 8.000 Arbeiter in den Ziegeleien am Wienerberg beschäftigte.
Der Maler Hugo Darnaut (1851-1937) wurde in Dessau geboren und lebte in seiner Jugend in Graz. Sein Studium absolvierte er von 1871 bis 1872 an der Wiener Akademie bei Eduard Peithner von Lichtenfels, zuvor lernte er beim Hoftheatermaler Hermann Burghart. 1873 bis 1876 wurde er in Düsseldort bei Andreas Achenbach, R. Meyerheim und J. Wortmann ausgebildet. Ab 1876 war Darnaut in Wien als Maler tätig und stand in künstlerischem Kontakt mit Tina Blau, Robert Russ und Emil Jakob Schindler. 1877 wurde er Mitglied des Wiener Künstlerhauses, von 1913 bis 1918 hatte er das Amt des Präsidenten inne. Ab 1876 lebte der Maler ständig in Wien, wo ihm 1930 das Bürgerrecht verliehen wurde. Nach dem Tod seines Freundes Emil Jakob Schindler mietete er 1893 Schloss Plankenberg bei Sieghartskirchen, wo er bis 1912 Schülerinnen und Schüler unterrichtete. Typisch für Darnaut sind stimmungsvolle Landschaftsbilder, wobei die Motive seiner Werke meist Landschaften von Ober- und Niederösterreich, Tirol und den Karpaten zum Vorbild haben.

Architekten

Franz Wosatka - Franz Wosatka (1900-1973) studierte ab 1920 bei Franz Krauss an der Akademie der bildenden Künste Wien. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien zusammen mit Bruno Tinhofer das Wohnhaus Laurenzgasse 14-18 in Wien 5 (1950/51).

Anton Wiltschnig - Anton Wiltschnig (1913-1977) plante unter anderem für die Gemeinde Wien zusammen mit Franz Wosatka die Wohnhausanlage Darnautgasse 10 in Wien 12 (1953), in einer großen Arbeitsgemeinschaft war er auch an der Realisierung der Anlage Krottenbachstraße 106 in Wien 19 (1965/66) beteiligt. In Wien 14 wurde die Neuapostolische Kirche, Hochsatzengasse 11 (1969), nach seinen Plänen errichtet.

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