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Kölblgasse 36

Fakten

Kölblgasse 36

Kölblgasse 36, 1030 Wien

Baujahr: 1951-1952

Wohnungen: 39

Architekt: Rudolf Scherer

Weitere Adressen

Kärchergasse 2, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus befindet sich im so genannten Fasanviertel, dessen Gelände bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend unverbaut war. 1828 standen dort nur 23 Häuser. Erst im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Straßen angelegt und das Gelände verbaut. Benannt wurde das Viertel nach dem Bierhaus "Zum Fasanl", das schon vor 1795 an der Stelle Fasangasse 2/Rennweg 24 bestand. Bereits 1941 gab es vom Architekten Robert Gerlach Pläne zur Errichtung eines Wohnhauses an der Ecke Kölblgasse/Kärchergasse, wo sich nur Werkstatt- und Lagerräumlichkeiten befanden. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges, während dem mehr als 40 Prozent des Fasanviertler Hausbestandes durch Bombenangriffe zerstört wurden, kam es aber erst zehn Jahre später zur Verbauung des Grundstückes.

Die Architektur

Die L-förmige Wohnhausanlage umfasst sechs Geschoße und wird über zwei Stiegenhäuser erschlossen. Die Eingänge liegen jeweils an der rechten Seite der beiden Straßenfronten. Sie sind mit einer schlichten Rahmung und einem markant auskragenden Vordach versehen. Der spitze Winkel des Grundstücks wird durch einen Gebäuderücksprung an der Hauskante überbrückt. Hier ist im Erdgeschoß ein Geschäftslokal unterbracht. Darüber sind den Wohnungen leicht geknickte Balkone vorgelagert, die einen geschmeidigeren Übergang zur Kölblgasse ermöglichen. In Verlängerung der Balkonbodenplatten werden die Deckenplatten vor die Fassadenflucht gezogen und zu Gesimsbändern umfungiert. Dies führt zu einer bemerkenswerten Situation an der Fassade der Kölblgasse, wo das Stiegenhaus straßenseitig liegt. Die höhenversetzten Stiegenhausfenster durchbrechen die Gesimse. Dafür werden jedoch die Podestplatten der Stiege als Gesimsfragmente vor die Fassade gezogen. Diese der Konstruktion streng folgende Fassadenstruktur ist ebenso schlicht wie äußerst belebend.

Der Name

Benannt ist die Gasse nach Ignaz Kölbl (1789 - 1850). Er war Fleischhauer und Grundbesitzer, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Gasse das erste Haus erbauen ließ.

Architekten

Rudolf Scherer - Rudolf Scherer (1891-1973) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Max Ferstel und Max Fabiani. Für die Gemeinde Wien entwarf er bis in die späten 1950er-Jahre Wohnhausanlagen. Diese sind - ebenso wie die nach seinen Plänen erbauten Sommerhäuser in Wien und Niederösterreich - betont funktional durchgestaltet.