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Barthgasse 5-7

Fakten

Barthgasse 5-7

Barthgasse 5-7, 1030 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 36

Architekt: Wilhelm Schütte, Margarete Schütte-Lihotzky

Weitere Adressen

Barthgasse 7A, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus liegt auf dem Gelände des ehemaligen Erdberger Maiß. Dabei handelte es sich um ein Waldstück (Mas = Jungholz), das einst von einem Donauarm im großen Bogen entlang Schlachthausgasse-Baumgasse-Franzosengraben umschlossen wurde und nur über eine schmale Holzbrücke an der Kreuzung Schlachthausgasse/Erdbergstraße zugänglich war. Bereits im 18. Jahrhundert hatten sich auf diesem fruchtbaren Boden Gärtner angesiedelt. Um 1800 wurde der Donauarm trockengelegt, in der Folge der gesamte Erdberger Maiß gerodet und Gemüsegärten angelegt, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg hier bestanden.

Die Architektur

Die breite Straßenfront der sich über drei Stiegenhäuser erstreckenden Wohnhausanlage wird durch vier großzügig verglaste Erkerachsen gegliedert, von denen die zwei mittleren doppelt so breit sind und weiter vorkragen als die beiden äußeren, wodurch der Fassadenaufbau auf die Mittelachse zentriert wird. Die Wandfelder zwischen den Erkern werden durch je zwei breite und eine schmale Fensterachse gegliedert. Der Erdgeschoßbereich zwischen den Erkern ist farblich abgehoben und leicht hinter die Fassadenflucht zurückversetzt. Die drei von Fenstern flankierten Eingänge zu den Stiegenhäusern sind trichterförmig in diese versenkten Wandfelder eingeschnitten. Die Sockelzone verbindet diese drei Eingangsbereiche miteinander und versetzt die Gebäudefront dadurch optisch in wellenartige Bewegung, wodurch der rhythmische Fassadenaufbau unterstrichen wird.

... und die Kunst

Über jedem der drei Eingänge befindet sich ein von Michael Powolny geschaffenes Majolikarelief (1950). Gezeigt wird jeweils ein Putto in einem Medaillon, und zwar mit Wildente (die Jäger), mit Weintrauben und Getreideähren (die Gärtner) und mit Fisch (die Fischer). Die Darstellungen verweisen auf die Jagdgründe und Gärtnereien, die sich einst auf dem Boden des Erdberger Maiß befanden.

Der Name

Die Barthgasse wurde 1900 nach dem aus Malta stammenden Anatom und Augenarzt Joseph Barth (1745-1818) benannt. Der private Augenarzt Josephs II. war Inhaber der Lehrkanzel für Anatomie an der Medizinischen Fakultät in Wien und gilt als Begründer der Wiener Schule für Augenheilkunde.

Architekten

Wilhelm Schütte - Wilhelm Schütte (1900-1968) studierte Bauingenieurwesen in Darmstadt und bis 1923 Architektur an der Technischen Hochschule München. Mitte der 1920er-Jahre wurde er an das Stadtbauamt in Frankfurt/Main berufen, wo mehrere wegweisende Schulen nach seinen Plänen errichtet wurden. Mit seiner Frau Margarete Schütte-Lihotzky war er im Rahmen von Stalins Fünfjahresplan in den 1930er-Jahren in Russland tätig und während des Zweiten Weltkrieges in der Türkei. Ab 1947 war Schütte mit seiner Frau in Wien ansässig. Hier konnte er neben einigen Geschäfts- und Parteilokalen für die KPÖ auch eine Schule nach dem Prinzip der Freiluftklasse in Wien 21 (Franklinstraße 27, 1961) realisieren.

Margarete Schütte-Lihotzky - Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) war die erste Frau in Österreich, die ein Architekturstudium abschließen konnte. Sie studierte von 1915 bis 1919 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow. Anfang der 1920er-Jahre arbeitete sie mit Adolf Loos an der Realisierung mehrerer Wohnhaussiedlungen in Wien, wie etwa der Heuberg-Siedlung (Röntgengasse, Wien 17) oder der Hirschstetten-Siedlung (Hermesstraße, Wien 13). 1926 wurde Schütte-Lihotzky ans Stadtbauamt in Frankfurt/Main berufen, wo sie ihre Frankfurter-Küche entwickelte, den Prototyp der modernen Einbauküche. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den sie in Gefangenschaft verbrachte, war sie als Architektin und Publizistin in Wien ansässig, konnte allerdings nur noch wenige Projekte realisieren.