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Dr. Franz-Koch-Hof

Fakten

Dr. Franz-Koch-Hof

Mitterhofergasse 2, 1210 Wien

Baujahr: 1975-1978

Wohnungen: 1426

Architekt: Wilhelm Sedlak GesmbH, Bauring Wien-Interconstruct

Weitere Adressen

Jedlersdorfer Straße 99, 1210 Wien

Jedlersdorfer Straße 96, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Der Dr.-Franz-Koch-Hof liegt im Bezirksteil Groß-Jedlersdorf. Die ehemals selbständige Gemeinde entstand auf einer Insel im damals noch von zahlreichen Wasserarmen der Donau durchzogenen Augebiet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Jedlersdorf 1108 als "Urliugestorf". 1714 lebten in der Gemeinde infolge der Pestepidemie nur noch 37 Menschen, heute sind es rund 6.700. Seine topografische Gestalt wurde erst mit der 1875 abgeschlossenen Donauregulierung festgelegt, mit der auch die städtebauliche Anbindung an Wien einsetzte. 1904 wurde Groß-Jedlersdorf schließlich als Teil des neu geschaffenen 21. Bezirks Floridsdorf nach Wien eingemeindet. 1974 wurde im Rahmen des Wohnbauprogramms der Stadt Wien beschlossen, eine Wohnhausanlage südlich der Mitterhofergasse zu errichten. Anders als bei früheren Wohnhausanlagen waren nicht bestimmte Architekten für den Entwurf verantwortlich, sondern die Baufirmen selbst.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage wurde in Betonfertigteilen errichtet und erstreckt sich in drei voneinander getrennten Wohnhausgruppen auf dem weitläufigen Gelände zwischen Mitterhofergasse - Ödenburger Straße - Znaimer Gasse - Trillergasse - Jedlersdorfer Straße. Die Gebäude der Stg. 1 bis 8 sind in einer Schlangenlinie angeordnet, jene der Stg. 9 bis 22 und 23 bis 36 umschließen jeweils zwei hufeisenförmige, miteinander verkoppelte Höfe. Die einzelnen Bauteile sind verschieden hoch und umfassen bis zu 17 Geschoße. Der jeweils zentral liegende Wohnblock und die äußersten einer Häusergruppe sind die höchsten, die dazwischen liegenden sind unterschiedlich hoch gestaffelt, wodurch sich imposante Silhouetten ergeben. Diese trugen der Wohnhausanlage die Bezeichnungen "Klein-Manhattan" oder "Lego-Stadt" ein, letztere verweist auch auf die Konstruktion aus vorgefertigten Bauteilen. Aber nicht nur in der Höhe, sondern auch an den Fronten weisen die Wohnbauten durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge eine dynamische Staffelung auf, wodurch sie alles andere als monoton erscheinen. Zudem werden die Baumassen von zahlreichen Loggienachsen aufgebrochen bzw. mit Balkonen verhängt. Besonders bemerkenswert sind hierbei die unterschiedlichen Formen der Brüstungen, die in die vorgezogenen Seitenwände eingehängt sind. Sie sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern setzen zum Teil auch dekorative Akzente. Hier wie auch im zum Teil zurückversetzten und mittels Durchgängen aufgebrochenen Erdgeschoß kommt die Konstruktion des Plattenbaus zum Vorschein.
Im Zuge der 2002 abgeschlossenen Sanierung erstellten die Architekten Reinhard Haslwanter und Hans Weigand ein neues Farbkonzept für die Wohnhausanlage. Rechteckige Farbfelder in Blau- und Orangetönen ziehen sich über den weißen Untergrund der Fassade und unterstreichen die kantige, gestaffelte Anordnung der Baumassen. Dezent abgehoben erscheinen die in einem hellen Grau gefassten Erschließungstürme.

... und die Kunst

In der weitläufigen Anlage befinden sich die Plastiken "Contra" von Josef Schagerl und "Stürzender Astronaut" von Erwin Reiter. Die Chrom-Nickel-Stahl-Skulptur "Contra ST 126" von Josef Schagerl aus dem Jahr 1978 wird ab dem 2. Juli 2013 bis zum 4. Jänner 2014 in der Ausstellung "Die 70er Jahre" im MUSA - Museum auf Abruf zu sehen sein. Die Skulptur wird im Bereich vor dem Museum in der Felderstraße neben dem Rathaus ausgestellt und nach ca. zwei Jahren auf den alten Standort zurückversetzt.

Der Name

Der Arzt Dr. Franz Koch (1902-1973) wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von der russischen Kommandantur zum Bezirksvorsteher von Floridsdorf ernannt. Seine Amtszeit war von den Bemühungen geprägt, Wohnunterkünfte für die obdachlos gewordene Bevölkerung zu schaffen und die Infrastruktur des Bezirks wieder instand zu setzen. Aufgrund seines oft allzu großen Einsatzes für die Bewohner von Floridsdorf stand er immer wieder in Konflikt mit der russischen Kommandantur. Bereits 1946 legte er das Amt des Bezirksvorstehers zurück. Sein Nachfolger wurde der spätere Bundespräsident Franz Jonas.

Architekten

Wilhelm Sedlak GesmbH - Der Baumeister Ing. Wilhelm Sedlak gründete 1945 ein Bauunternehmen mit dem er zunächst vor allem im Wiederaufbau Wiens tätig war. In den 1970er-Jahren übernahm der Betrieb als Generalunternehmer erste Großprojekte im Wohnbau (u.a. Dr. Franz-Koch-Hof in Wien 21 und Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost in Wien 10). Mittlerweile beschäftigt sich die Dipl.-Ing. Wilhelm Sedlak Gesellschaft m.b.H. auch mit Ankauf, Finanzierung, Entwicklung und Vertrieb von Bauträgerprojekten und ist an verschiedenen Baufirmen beteiligt.

Bauring Wien-Interconstruct - Der "Bauring" entstand durch die Fusion von fünf Unternehmen. Die Wohnbaugesellschaft war im Besitz der Gemeinde Wien und beteiligte sich an der Errichtung mehrerer großer Bauprojekte (z.B. Dr. Franz-Koch-Hof in Wien 21).