Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Färbermühlgasse 9

Fakten

Färbermühlgasse 9

Färbermühlgasse 9, 1230 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 14

Architekt: Johann (Hans) Stöhr, Ludwig Schmid

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus in der Färbermühlgasse 9 wurde in den Jahren 1954-55 nahe dem Liesinger Platz in Oberliesing errichtet. Dieser Teil des Bezirkes war schon im 9. Jahrhundert durch die Steg- oder Brückl-Mühle (auch Färbermühle genannt) und im 19. Jahrhundert durch die hier ansässigen industriellen Unternehmungen, allen voran die Liesinger Brauerei, ökonomisch abgesichert und verfügte bereits 1871 über die seinerzeit neueste technische Errungenschaft der Gasbeleuchtung. Heute zeichnet sich der Bezirk vornehmlich durch teils noch erhaltene secessionistische zweigeschoßige Zinshäuser, moderne mehrgeschoßige Wohnhausanlagen, sowie eine hohe Dichte an Schulen aus.

Die Architektur

Das (inklusive ausgebautem Dachgeschoß) vierstöckige Wohnhaus besteht aus einem regelmäßigen, rechteckigen Baublock und umfasst zwei Stiegen mit insgesamt 14 Wohnungen. Das Haus ist wie der Nachbarbau auf Hausnummer 5 den stilistischen Tendenzen des kommunalen Wohnbaus der 1950er-Jahre entsprechend schlicht gestaltet. Über einem schmalen, genuteten Sockel erheben sich die Wohngeschoße mit den vertikal und horizontal klar gegliederten Fensterachsen. Die glatt verputzte Fassade umfasst insgesamt 8 horizontale Achsen mit gleich großen, mehrteiligen, gefaschten Fenstern.
Einen Akzent setzen straßenseitig wie hofseitig die zentral über vier Fensterachsen geführten Schleppgaupen. Die aufwändiger gestaltete Hofseite mit ihren über die drei Hauptwohngeschoße reichenden flachen Stiegenhauserkern war ursprünglich als Straßenseite geplant und wurde später umgewidmet.

Neben einer kleinen Gartenanlage verfügt der Bau durch seine Nähe zum Liesinger Platz über eine hervorragende Anbindung an das öffentliche Netz sowie über eine gut ausgebaute Geschäfts-Infrastruktur.

Der Name

Die ehemalige Gärtnergasse wurde im Jahr 1954 nach der unweit gelegenen Färbermühle, einem Wahrzeichen von Liesing (heute steht dort das Liesinger Bezirksamt), in Färbermühlgasse benannt.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Liesing gehört auch der Bildhauer Rudolf Schmidt (1894-1980), der das Kriegerdenkmal in Liesing schuf (1926, heute Liesinger Friedhof). Von seiner Hand stammt auch der bekannte Hannaken-Brunnen am Fuß der Stiegenanlage bei Maria am Gestade (1937) im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Architekten

Johann (Hans) Stöhr - Johann (Hans) Stöhr (1897-1981) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt (MA 19) ein, dessen Leiter er bis 1963 war. In dieser Funktion war er vor allem in der Zeit des Wiederaufbaus an der Errichtung zahlreicher kommunaler Bauten beteiligt. So wurden ein Teil der Stadtrandsiedlung Leopoldau in Wien 21 und der Bauteil Ost der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien 10 nach seinen Entwürfen errichtet. 1950 wurde seine berufliche Tätigkeit in dokumentierter Form als Dissertation an der TU Wien anerkannt.

Ludwig Schmid - Wiener Stadtbauamt - MA19