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August-Fürst-Hof

Fakten

August-Fürst-Hof

Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1120 Wien

Baujahr: 1955-1957

Wohnungen: 159

Architekt: Otto Frank, Otto Gruen, Eva Poduschka, Franz Sturm

Weitere Adressen

Hufelandgasse 1a, 1120 Wien

Hufelandgasse 1b, 1120 Wien

Theresienbadgasse 5-9, 1120 Wien

Theresienbadgasse 6, 1120 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem Grundstück entlang der Meidlinger Hauptstraße, auf dem der August-Fürst-Hof unweit des Theresienbades errichtet wurde, bestand schon zur Römerzeit eine Siedlung. Bereits damals wurde eine schwefelhaltige Quelle des Geländes für gesundheitliche Zwecke genutzt. Dies beweist der Fund eines römischen Altarsteins, den ein Centurio der XIII. Legion den Nymphen, also den Schutzgeistern der Quellen, gewidmet hatte. Eine eingravierte Kanne und Schale weisen auf die Heilkraft des Wassers hin. Die Quelle oder die Kenntnis von ihr ging zwischenzeitlich durch die Wirren der Völkerwanderungszeit verloren. Erst 1705 ließ Kaiser Joseph I. auf dem wildreichen Gelände ein kleines Jagdschloss errichten. Nach einigen Besitzerwechseln entdeckte ein neuer Eigentümer, der Abbé Pohl, 1755 in seinem Gartenbrunnen schwefelhaltiges Wasser. Nach ihm ist die Pohlgasse, eine Quergasse zur Meidlinger Hauptstraße, benannt. 1757 wurde das Schlösschen versteigert. Vom neuen Besitzer, dem Hofmaler Martin van Meytens, kaufte es die Kaiserin Maria Theresia. Sie ließ ein Bad für die kaiserliche Familie einrichten, die ja nicht weit entfernt in Schönbrunn wohnte. 1782 wurde eine zweite Quelle entdeckt, die eisenhaltiges Wasser enthielt. Kurz darauf wechselte das ausgebaute Bad erneut den Besitzer und wurde auch für die Allgemeinheit zugänglich. Das Kurbad war äußerst beliebt und blieb es auch für fast 100 Jahre. Mit der zunehmenden Industrialisierung des Bezirks sanken die Besucherzahlen aber und der Betrieb wurde unprofitabel. 1881 kaufte die Gemeinde Untermeidling das gesamte Areal von 70.000 Quadratmetern um 300.000 Gulden. Die Badeeinrichtungen wurden abgebrochen und auf dem Areal entstanden das Amtshaus, zwei Schulen, mehrere Wohnhäuser und ein neues Theresienbad. Dieses war allerdings kein Kurbad mehr, sondern wurde von Hochquellwasser gespeist. Eine Bezirkskarte von 1892 zeigt bereits die neue Verbauung nördlich der quer durch das Areal laufenden Niederhofstraße, die damals noch Matzleinsdorfer Straße hieß. Die eingezeichnete Häuserinsel war vom Standort her fast identisch mit dem heutigen August-Fürst-Hof. Im Zweiten Weltkrieg wurden das Theresienbad und auch die Gebäude in seiner Umgebung zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaues hat die Gemeinde anstatt der Niederhofstraße die Theresienbadgasse bis zur Meidlinger Hauptstraße schräg eingezogen. So wurde das Areal des August-Fürst-Hofes vom Theresienbadareal abgetrennt. An der Einmündungsstelle der neuen Gasse in die Hauptstraße wurde 1997 das Meidlinger Platzl geschaffen, als die Hauptstraße ab dort in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde. Vom Platzl aus hat man gute Sicht auf das riesige Feldermosaik an der Südseite des Hochhauses des August-Fürst-Hofes, das als eine Art Wahrzeichen für den Bezirk die Entstehung des Meidlinger Wappens zeigt. Das Bezirkswappen von Meidling setzt sich aus fünf Teilen zusammen, die für Untermeidling, Gaudenzdorf, Hetzendorf, Obermeidling und Altmannsdorf stehen.

Die Architektur

Die Anlage setzt sich aus fünf Gebäuden zusammen, von denen zwei zusammenhängend entlang der Meidlinger Hauptstraße aufgestellt sind. Dahinter sind ein kürzerer und ein längerer Block parallel zur Hufelandgasse gegeneinander versetzt angeordnet. Gegenüber steht ein leicht abgewinkelter Block an der Ecke Meidlinger Hauptstraße/Theresienbadgasse. Das auffälligste Gebäude der Gruppe ist ein neungeschoßiger rechteckiger Hochhausturm am Meidlinger Platzl, dessen Schauseite in der Sichtachse der nach Süden ansteigenden Meidlinger Hauptstraße liegt. Im Erdgeschoß sind Geschäfte eingebaut. Darüber ist die Fassade der Schauseite in zwei Balkonachsen und ein bis zum Dach reichendes Mosaikfeld vertikal geteilt. Die vierachsige Hochhausfassade an der Meidlinger Hauptstraße ist im obersten Geschoß durch sechs etwas größere Fenster akzentuiert. Nach Norden schließt ein sechsgeschoßiger, neunachsiger Flügel an. Seine ersten zwei Achsen sind als Durchgangsrisalit ausgebildet. Eine niedrige, rechteckig eingeschnittene Passage führt zu drei Stiegen im zur Theresienbadgasse hin offenen Grünbereich. Auf diesen sind auch die Balkonachsen der zwei dort frei stehenden Blöcke ausgerichtet. An den Blockschmalseiten an der Theresienbadgasse sind in der linken Hälfte fünfgeschoßige Risalite kubisch vorgezogen, die unter dem Giebelfeld enden. Der sechsgeschoßige lange Flügel gegenüber folgt mit seinem Knick der Einmündung der Theresienbadgasse in die Meidlinger Hauptstraße. Links und rechts der Einmündungsstelle ist ein langer Geschäftsbereich angeordnet, akzentuiert durch ein Türfeldmosaik.

... und die Kunst

Von Leopold Schmid stammt das Mosaik "Entwicklung des Meidlinger Wappens" am Hochhausturm des Meidlinger Platzls.

Rohtraud Brauneis hat das Mosaik "Abstrakte Felderteilung" im Eingangsbereich des langen abgewinkelten Flügels an der Ecke Theresienbadgasse/Meidlinger Hauptstraße geschaffen.

Die Bronzeplastik "Sitzendes Mädchen" im Hof des Hochhauses ist von Rudolf Schwaiger.

Der Name

August Fürst (1892-1974) war ein Bezirksvorsteher von Meidling (1945-1959), der nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Beseitigung der Kriegsschäden in Meidling beteiligt war. So lautet auch der Text der Gedenktafel an der Hofseite des Hochhausturms.

Architekten

Otto Frank - Otto Frank (geb. 1920) studierte von 1947-1951 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Schuster. Für die Gemeinde Wien arbeitete er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an mehreren Wohnbauten mit. So war Frank unter anderem an den Entwürfen zum August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1955-1957) und zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1963-1968) beteiligt.

Otto Gruen - Otto Gruen (1921-1994) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister und war seit 1951 Mitglied der Wiener Secession. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien zusammen mit Franz Sturm, Otto Frank und Eva Poduschka den August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1955-1957).

Eva Poduschka - Eva Poduschka (geb. 1923, Nottes; auch Emmer-Reissig) studierte 1941 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf sie zusammen mit Otto Grün, Franz Sturm und Otto Frank den 1955 bis 1957 errichteten August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14).

Franz Sturm - Franz Sturm (1897-1966) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1922 sein Diplom erhielt und 1950 promovierte. Während seiner Studienzeit war er im Büro von Friedrich Ohmann und später bei Karl Holey beschäftigt. 1927 wurde er beamteter Architekt und Baurat bei der NÖ Landesregierung in Wien, wobei er Bauarbeiten an verschiedensten öffentlichen Bauten leitete. Unter dem NS-Regime wurde Sturm zum Gauamtsleiter für "Niederdonau" ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg aus allen öffentlichen Ämtern entlassen, begann er als freier Architekt zu arbeiten. Er führte unter anderem Stadtplanungen zur Erweiterung von Hallein und Abtenau aus und mehrere Schulbauten in Niederösterreich und Salzburg. In Wien wurden das Gemeindewohnhaus Meidlinger Hauptstraße 5-9 in Wien 12 (1956) und das Sport- und Freiluftbad im Schönbrunner Park (1959/60) von ihm entworfen.