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Mitterhofergasse 1-15

Fakten

Mitterhofergasse 1-15

Mitterhofergasse 1-15, 1210 Wien

Baujahr: 1922-1922

Wohnungen: 62

Architekt: Hans Reiser, Gustav Schläfrig

Weitere Adressen

Ödenburger Straße 54, 1210 Wien

Preßburger Gasse 27, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In der Umgebung der heutigen Wohnanlage gab es noch um die Jahrhundertwende vor allem landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Bebauung von Groß-Jedlersdorf beschränkte sich auf das Gebiet östlich des Wohnbaus, entlang der Amtsstraße. In der Zwischenkriegszeit wurde der betreffende Wohnbau als erster Wohnhof für Kriegerwitwen und Kriegsinvalide errichtet. Nachdem die Anlage im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerstört worden war, wurde 1950 der Wiederaufbau in Angriff genommen.

Die Architektur

Der langgestreckte Wohnbau aus den frühen 1920er-Jahren verläuft entlang der Mitterhofergasse. Im Westen schließt die Flur Jochbergen direkt an das Wohnhaus an. Die geschlossene Randverbauung wird mehrmals von Abstufungen und nach hinten versetzten Bauteilen unterbrochen. Der Wohnbau verfügt über drei Geschoße, wobei die mittlere Straßenfront mit zwei Geschoßen niedriger gehalten ist. Die glatte Fassade gliedert sich in Fensterachsen mit stark profilierten Fenstern. An den Ecken sorgen versetzte Bauteile für ein Aufbrechen des in sich geschlossenen Gebäudes. Die Stiegenhäuser sind in polygonalen Erkern untergebracht und werden dadurch deutlich betont. An manchen Stellen der Fassade kommen Gesimse zur Anwendung, die einzelne Geschoße voneinander trennen. Walmdächer und geschmückte Hauseingänge ergänzen den lebendigen Gesamteindruck der Wohnanlage.

Der Name

Die Gasse, in der der Wohnbau steht, ist seit 1923 nach dem Südtiroler Peter Mitterhofer (1822-1893) benannt. Nachdem der gelernte Zimmermann viele Jahre auf Wanderschaft gewesen war, ließ er sich als Zimmermann und Erfinder in seiner Heimat nieder. Er ist unter anderem für die Erfindung der ersten Schreibmaschine verantwortlich.

Architekten

Hans Reiser - Hans Reiser (1877-?) studierte von 1898 bis 1903 an der Technischen Hochschule Wien. Er war zunächst bei der NÖ Landesregierung beschäftigt, bevor er 1909 Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins wurde und als selbständiger Architekt tätig war. Zu Beginn der 1920er-Jahre wurde Reiser Mitarbeiter im Büro von Gustav Schläfrig, der Chefarchitekt der Ein- und Mehrfamilienbaugenossenschaft war. Zusammen errichteten sie zahlreiche Wohnbauten. Selbständige Arbeiten sind von Reiser nicht überliefert. Ende der 1930er-Jahre wurde ihm aufgrund der schlechten Auftragslage gekündigt, womit sich seine Spuren verlieren.

Gustav Schläfrig - Gustav Schläfrig (1881-1950) studierte von 1900 bis 1906 an der Technischen Hochschule Wien. Bereits 1908 entwarf er (mit seinem Bruder Friedrich Schläfrig) das repräsentative Miethaus am Dannebergplatz 9 in Wien 3. Nach geleistetem Kriegsdienst und einigen Jahren als freiberuflicher Architekt wurde er 1923 Chefarchitekt der Ein- und Mehrfamilienbaugenossenschaft der Eisenbahner. Er nahm vorübergehend Hans Reiser in sein Büro auf, mit dem er zahlreiche Wohnhäuser in Wien und Niederösterreich realisierte. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde ihm 1938 die Berufsbefugnis entzogen.

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