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Hella-Hanzlik-Hof

Fakten

Hella-Hanzlik-Hof

Brüßlgasse 45-47, 1160 Wien

Baujahr: 1927-1928

Wohnungen: 49

Architekt: Leopold Schulz

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage wurde 1927/28 nach den Plänen des Architekten Leopold Schulz mit 53 Wohnungen erbaut. Der große Innenhof ist begrünt, zusätzlich wurde ein kleiner "Klopfhof" zum Reinigen von Teppichen eingeplant. Heute umfasst die vierstöckige, unter Denkmalschutz stehende Anlage 45 Wohneinheiten. Die vier Stiegen sind seit 1979 (Stiege 1 und 2) bzw. 1980 (Stiege 3 und 4) durch Zubauten auch mit Aufzügen ausgestattet.

Die Architektur

Die Fassade der Wohnhausanlage in der leicht abschüssigen Brüßlgasse wird von einer wuchtigen, vom ersten bis zum dritten Stock verlaufenden Erkeranlage beherrscht. Der Erkerblock wird durch Loggien in vier Türme aufgebrochen, die im obersten Geschoß als Balkone ausgebildet sind. Durchlaufende Solbankgesimse setzen im Ausgleich zu den Erkertürmen horizontale Akzente. Die Erkerfenster im ersten Stock werden von Blendbögen umrahmt, in die florale Keramikornamente eingesetzt sind. Die übrigen Fenster sind - versehen mit schlichten Rahmungen - in die Fassade eingelassen. Die Einfahrt zum Innenhof, von wo aus die vier Stiegenhäuser erschlossen werden, befindet sich an der rechten Seite der Fassade.

Der Name

Die Brüßlgasse wurde nach Franziska Brüßl (1793-1855) benannt. Sie war eine der Mitgründerinnen des Ottakringer Kirchenbaufonds.

Hella (auch Schella) Hanzlik wurde am 14. Jänner 1912 in Czernowitz in der Bukowina (heute Tscherniwzi, Ukraine) geboren und war – nach dem Abschluss einer Frauenoberschule – als Angestellte in einer Verlagsbuchhandlung tätig. Von 1929 bis zum Bürgerkrieg 1934 arbeitete sie beim Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend in Wien. 1938 flüchtete sie vor den Nationalsozialisten über die Schweiz nach Großbritannien, wo sie zunächst als Köchin und Haushaltshilfe, später – von 1942 bis 1945 – als Sekretärin des Austrian Labour Clubs Arbeit fand. Nach ihrer Rückkehr nach Wien 1945 war sie in der Arbeiterkammer tätig und wechselte kurz darauf in den sozialistischen Parlamentsklub als Angestellte. 1948 gründete sich das Frauensekretariat der SPÖ Wien, dessen Vorsitzende Hella Hanzlik vom Beginn bis 1971 war. Ab 1946 übte sie verschiedene politische Funktionen aus: Bezirksrätin in Ottakring, stellvertretende Bezirksparteivorsitzende, Bundesrätin (von 1956 bis 1959 und nochmals von 1966 bis 1973) sowie Nationalratsabgeordnete (von 1962 bis 1966). Die Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen in der Sozial- und Frauenpolitik: Sie engagierte sich unter anderem für die Aktion „Essen auf Rädern“, die Heimhilfe und den Bau von Wohnhäusern für PensionistInnen. Sie starb am 17. September 2005 in Wien.

Sanierung

von 2008 bis 2010

Architekten

Leopold Schulz - Leopold Schulz (1883-1945) besuchte die Staatsgewerbeschule in Wien. Nach einigen Praxisjahren war er ab 1913 als Architekt und Baumeister in Wien aktiv. In der Zeit von 1925 bis 1938 plante er als Wiener Stadtbaumeister selbst nur zwei Wohnhäuser. Leopold Schulz kam 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben.

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