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Thuryhof

Fakten

Thuryhof

Marktgasse 3-7, 1090 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 95

Architekt: Karl Hauschka, Victor Mittag

Weitere Adressen

Thurygasse 11, 1090 Wien

Salzergasse 2-4, 1090 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Im Zuge der Sanierung eines der ältesten Teile des Bezirks Alsergrund, dem "Li[e]chtental" aus dem aufgelösten Besitz des Fürsten Liechtenstein, wurde auf dem Grund der ehemaligen Ziegelei des Hofbediensteten Johann Thury der Altbestand abgerissen, wodurch eine lange, trapezförmige Baulücke entstand, auf der der Thuryhof errichtet wurde. In diesem befinden sich seit der Errichtung auch ein Kindergarten und ein Parteilokal. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Die Architekten mussten hier einerseits die Stilmittel und Formenwahl der "bodenständigen" Architektur des Viertels anpassen, andererseits einen uneinheitlichen Bauplatz mit Niveauunterschieden bei den benachbarten Objekten bewältigen. Dadurch kam es zu sehr unterschiedlich hohen Trakten: ebenerdig, drei- und sechsgeschoßig. Es entstand eine reich gegliederte Anlage mit acht Stiegen, je einem unregelmäßigen Innen- und Straßenhof, die auf einem terassenartigen Vorbau liegt. Sie entspricht mit ihren Höfen, Arkaden, Treppen, Lauben, Zinnen, Rundbögen, Spitzgiebeln und dem Banddekor dem "romantischen" Typus der frühen Gemeindebauten in Form eines wehrhaften Heimatstils. Die Fassade in der Thurygasse mit Rundbogenloggien und den übereck gezogenen Balkonen wirkt recht modern. Um eine isoliert liegende Parzelle in die Anlage einbeziehen zu können, wurde die Fechtergasse an dieser Stelle überbaut und ein öffentlicher Durchgang geschaffen. Bemerkenswert sind die noch im Original erhaltenen schmiedeeisernen Gittertore, Geländer und Beleuchtungskörper.

... und die Kunst

Im geschlossenen Hof findet sich ein massiver steinerner Brunnen von Oskar Thiede mit einem Wasserspeier in Form eines Fischkopfes. An der Außenfassade des Thuryhofes wurde vermutlich 1939 eine Plastik des Bildhauers Alfred Crepaz angebracht, deren Inschrift die NS-Tugenden Pflicht, Treue und Heroismus beschwört. 2008 hat KÖR, Kunst im öffentlichen Raum Wien, in Kooperation mit Wiener Wohnen einen einstufig geladenen künstlerischen Wettbewerb ausgelobt. Gegenstand des Wettbewerbes war eine kritische künstlerische Auseinandersetzung mit der Skulptur und der Inschrift. Die Künstlerin Maria Theresia Litschauer gewann mit der Installation [ transkription ]. Der Entwurf umfasst drei Komponenten einer Intervention und Installation - Zeichen, Band, Schrifttafel -, in der sich das Element der eckigen Klammer wiederholt und die in ihrer reduzierten Formen- und Materialsprache wie Farbgebung klar gegen die Ästhetiken von Skulptur und Architektur gesetzt ist.

Der Name

Dieser Hof ist nach der früheren Vorstadt Thury benannt, deren Namen sich von ihrem Begründer Johann Thury (17. Jahrhundert) ableitet.

Prominente Bewohner

Im Thuryhof lebte der von den Nationalsozialisten hingerichtete Matthias Gall (1893-1944), nach dem der nahe gelegene Gall-Hof benannt ist.

Architekten

Karl Hauschka - Karl Hauschka (1896-1981) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Küste Wien bei Peter Behrens. Bei diversen Architekturwettbewerben gewann er mehrere Preise, jedoch sind kaum realisierte Werke bekannt. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwarf er in Arbeitsgemeinschaft mit Viktor Mittag eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien, darunter auch den Wildganshof in Wien 3, sowie in den 1960er-Jahren den Harry-S.-Truman-Hof in Wien 23 in Zusammenarbeit mit den Architekten Wenko Bossew, Otmar Brunner, Maria Albrecht, August Kastner, Karl Molnar und Rudolf Sorgo.

Victor Mittag - Viktor Mittag (1896-1962) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Heinrich Tessenow und Josef Hoffmann und später an der Akademie der bildenden Künste. Gemeinsam mit Karl Hauschka errichtete er eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neben mehreren Wohnbauten in Wien auch Wohnhäuser in Eisenstadt nach seinen Plänen.