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Die Leichtigkeit der Musik

Er war in Woodstock, gewann 1970 die ORF-Show „Showchance“, stand mit Santana auf der Bühne und diente mit Wolfgang Ambros beim Bundesheer. Wir waren mit dem Vollblutmusiker, Tontechniker, Filmemacher und Lehrenden Eric Spitzer-Marlyn auf Spurensuche in einem Gemeindebau in der Wattmanngasse in Hietzing.

Wenn Eric Spitzer-Marlyn über sein Leben erzählt, dann klingt alles so leicht und easy. Er hat sich das Gitarrespielen selbst beigebracht, er hat sich selbst eine E-Gitarre gebaut. Er hat mit 16 Jahren als Newcomer in Wiener Szene-Clubs Gitarre gespielt. Er hat mit Peter Gabriel und Werner Herzog zusammengearbeitet und er sitzt jedes Jahr in der „Grammy“-Jury.

Auch wenn er in seinem Leben scheinbar immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, gibt es Dinge, an die er sich nicht so gerne erinnert. Die ersten sechs Jahre verbrachte der Sohn eines Amerikaners und einer Wienerin in der Heimat seines Vaters in San Diego, bevor er mit seiner Mutter zu den Großeltern in den Gemeindebau in die Wattmanngasse in Hietzing zog. Die behielt er bis ins Jahr 2000.

Eine neue Zeitrechnung

Erinnern kann er sich aber nicht an alles, was hier, am Ende der Wattmanngasse, in seiner Kindheit passiert ist. Denn seine eigene Zeitrechnung beginnt erst mit dem elften Lebensjahr. Da erlitt er bei einem schweren Autounfall einen Schädelbasisbruch. Alle Jahre davor fielen der Amnesie zum Opfer.

Mit zwölf Jahren fand Eric Spitzer- Marlyn am Dachboden seiner Tante in Sulz im Wienerwald eine Gitarre, die er heute noch besitzt. In seiner Jugend spielte er Songs der Folk-Band Peter, Paul and Mary und der Beach Boys nach. Aus der Mittelschule wurde er von seinem Lateinprofessor, einem Nationalsozialisten, hinausgemobbt, weil sein Großvater Jude war.

Obwohl er als Kind ein begnadeter Zeichner war, trat die Musik immer mehr in den Vordergrund. Nicht immer zur Freude seiner Familie. So spielte er ohne Wissen seiner Großmutter heimlich im ersten Folk-Lokal Wiens im „Golden Gate“ im 1. Bezirk.

Mit dem Bob Dylan von Österreich beim Bundesheer

Beim Bundesheer wohnte er in einem Zimmer mit Wolfgang Ambros und dem Schriftsteller Alfred Komarek: „Für mich ist der Wolfgang Ambros der Dylan von Österreich!“ Nach dem Bundesheer ging er ins Ausland, zuerst nach Amsterdam, wo er den Hit „Beautiful Garden“ aufnahm, bevor er weiter nach London zog. Dort lebte er ein halbes Jahr mit Musikern in einer WG, ehe er in New York als Tontechniker im renommierten Tonstudio „The Hit Factory“ anheuerte.

Nebenbei produzierte er dort Fernsehbeiträge für den ORF und war als einer der Ersten vor Ort, als John Lennon erschossen wurde. Als Tontechniker arbeitete er unter anderem mit Peter Gabriel, als Videoproduzent mit Elton John und er sorgte für den Set-Ton sowie das Sounddesign für Werner-Herzog- Filme. Heute hat er ein Tonstudio bei Horn, wo auch internationale Gitarristen wie The Edge von U2 ein und aus gehen.

Bis Oktober 2017 unterrichtete er „Soundrecording und Sound- design für Film und Fernsehen“ in der Wiener Filmakademie. Eine Sache, die ihm sehr viel Spaß machte. Neben seiner Arbeit als Tontechniker und Sounddesigner steht auch heute noch die eigene Musik im Vordergrund: So spielt er mit seiner Band „Marlyn & Stern“ bei Auftritten in ganz Österreich. Die großen Stadien und Bühnen sind heute nicht mehr dabei, das stört Eric aber nicht im Geringsten. „Wenn jemand meine Musik nicht mag, ist das sein Problem, ich werde sie trotzdem weiter machen!“

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