Detailinformationen
Adresse
Schrankenberggasse 22, 1100 Wien
Schrankenberggasse 22, 1100 Wien
Wissenswertes
Bauzeit
1929 - 1929
Anzahl an Wohnungen
12
Architekt*in
Josef Berger
Wohnungen |
12 |
|---|---|
Waschküchen |
0 |
Stiegen |
1 |
Lokale |
1 |
Fahrradbox |
Nein |
|---|---|
Rollatorbox |
Nein |
Werkstatt |
Nein |
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Geschichte
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.
Die Schrankenberggasse ist seit etwa 1874/75 nach einem ehemaligen Flurnamen benannt.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Favoriten noch weitgehend unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung setzte hier erst mit der Errichtung des Arsenals (1849-1856), des Südbahnhofes (1867-1870) und der Bautätigkeit an der Ringstraße ein, wodurch die in Favoriten ansässigen Ziegelfabriken großen Aufschwung erhielten. Die günstige Verkehrsanbindung durch den neuen Südbahnhof hatte zudem die Ansiedlung zahlreicher Betriebe zur Folge. Um Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter zu schaffen, wurde das Gebiet bis zur Quellenstraße nach einem Rasterplan mit vorwiegend viergeschoßigen Zinshausblöcken verbaut. Nach dem Börsenkrach 1873 stagnierte allerdings die Bautätigkeit. Ab 1890 kam es durch die Ansiedlung von mittelgroßen Fabriken auf den noch unverbauten Flächen entlang der Quellenstraße, wie etwa der nahe liegenden Ankerbrot-Fabrik (1892), zu einem neuerlichen Wachstum.
Eine Gedenktafel an der Fassade des Wohnhauses erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus August Schratzberger (1894-1944) und Alfred Lochay (1907-1942).
Architektur und Kunst
Die auffallend schlichte Gestaltung des fünf Geschoße umfassenden Wohnhauses zeugt von der um 1930 einsetzenden Annäherung des kommunalen Wohnbaus an den Internationalen Stil. Auf Dekor wird dabei weitgehend verzichtet. Die Strukturierung der Baumasse erfolgt allein durch funktionelle Elemente wie Fenster und Balkone. Die Fenster sind gleichmäßig verteilt und ohne Rahmungen in die von der niedrigen Sockelzone bis zum abschließenden Dachgesims glatt hochgezogene Putzfassade eingeschnitten. Dominiert wird die Gliederung von den beiden zu den Fensterreihen versetzt angeordneten Balkonachsen. Sie sorgen für eine gewisse Dynamisierung im Aufriss und werfen zudem durch ihre weit vorkragenden Bodenplatten dramatische Schatten an die glatte Fassadenfläche. Die auffallend hoch eingeschnittene Eingangstür unterstreicht die hohe, schmale Silhouette des Wohnhauses. Akzentuiert wird der Eingang durch kurze Gesimsstücke, die dezent dekorative Akzente setzen. Die schlichte, geschlossene Hofseite wird von dem einseitig ausgebauten Dachgeschoß und den breiten Fenstern der mittig vorspringenden Stiegenhausachse geprägt.
Josef Berger - Josef Berger (1898-1989) studierte an der Technischen Hochschule Wien und war vorübergehend auch Schüler von Adolf Loos und Oskar Strnad. 1921 gründete Berger mit seinem Studienkollegen Martin Ziegler eine Bürogemeinschaft. Zunächst vor allem mit Inneneinrichtungen beschäftigt, errichteten sie von 1926 bis 1934 mehrere Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien und private Wohnhäuser. 1934 emigrierte Berger nach Haifa und weiter nach London, wo er bis zu seinem Tod als Architekt tätig war.