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Der Schauspiel-Hackler

Wer weiß, was „Fenstergeigen“ ist? Christian Dolezal spielte in seiner Kindheit die 1. Fenstergeige. Der Schauspieler und Musiker Christian Dolezal hat sein ganzes Leben ausschließlich in Gemeindebauten gewohnt – bis zu seinem zehnten Lebensjahr im Karl-Marx-Hof. Grund genug, um uns mit ihm auf eine Spurensuche in seine Kindheit zu begeben.

Das Publikum kennt ihn aus Rollen in den Fernsehserien „Schlawiner“, „Schnell ermittelt“ oder „CopStories“. Gerade hat er im Sandleitenhof die von David Schalko inszenierte TV-Serie „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, die auf dem Fritz-Lang-Klassiker beruht, abgedreht. Er ist Intendant des Sommertheaters in Haag und spielt immer wieder in Produktionen im Gemeindebautheater im Rabenhof.

Es ist ein sonniger Vormittag, als Christian Dolezal das erste Mal seit Jahren den Hof vor der 4er-Stiege des Karl-Marx-Hofes in Döbling betritt. „Der Zaun war früher schwarz, jetzt ist er braun sonst hat sich nichts verändert! - Wir sind hier auf und ab gerannt!“, so der Schauspieler, als er den Kinderspielplatz betrachtet.

Fast wie in alten Zeiten

Dann geht er zur 4er-Stiege. Eine Frau kommt aus dem Haus, Christian Dolezal nimmt die Türschnalle in die Hand, bevor die Tür wieder ins Schloss fällt, und geht die Stiegen hinauf. Gewohnt hat seine Familie im zweiten Stock. „Lift hat es damals keinen gegeben. Aber ich bin überrascht, wie wenig sich hier verändert hat. Hier bin ich mit meinem Bruder schreiend rauf und runter gerannt.“ Vor der Wohnungstüre wirkt der sonst so extrovertierte Schauspieler schüchtern – und wieder gelöst, als nach mehrmaligem Klopfen die derzeitigen MieterInnen die Türe zu seinem ehemaligen Zuhause nicht öffnen.

Ein Lausbub und Fenstergeiger

Wieder im Innenhof, spaziert der Schauspieler zwei Höfe weiter zum Kindergarten. Auf dem Weg erzählt er: „Wir haben viele Glöckerlpartien gemacht, also bei irgendwem angeläutet und dann sind wir davongerannt! Oder Fenstergeigen, wenn du eine Schnur mit einem Reißnagel an einem Fester befestigst und mit einem Steckerl daran reibst, dann macht es in der Wohnung whhhaaahhh whaaaahh (grinst)!“

Vor dem Kindergarten angelangt, erinnert er sich speziell an die Altersunterschiede: „Ich war in der Untergruppe und wir haben nie Roller aus der Obergruppe nehmen dürfen. Und ich habe mir immer die Obergruppen-Roller genommen, denn die haben größere Reifen gehabt und da war ich viel schneller!“

Auf der Bühne

Nach seinem Schulabschluss spielte Christian Dolezal in verschiedenen Bands. Er ist Gründungsmitglied der Wiener Band „Sofa Surfers“ und wollte als Kind ein Rockstar wie Mick Jagger werden. Erst nach dem Abbruch des Biologie-Studiums wurde die Schauspielerei wichtiger.

„Meine erste Rolle war ein depperter Knecht bei den Nestroy- Festspielen von Elfriede Ott auf der Burg Lichtenstein.“ Es folgten Engagements in Innsbruck und in Deutschland. „Ich sehe mich als Schauspieler-Hackler. Ich habe schon Glück gehabt, aber ich habe für jeden Erfolg sehr viel gehackelt!“

Und arbeiten muss er auch heute noch viel, und zwar in Niederösterreich. Er geht zu seinem Auto, wirft noch einmal einen Blick auf den Karl-Marx-Hof, steigt ein, startet den Wagen und fährt Richtung Autobahn von der er in ca. einer Stunde in Haag abfahren wird.

Menschen im Gemeindebau:

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