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Phillipsgasse 8

Fakten

Phillipsgasse 8

Phillipsgasse 8, 1140 Wien

Baujahr: 1924-1925

Wohnungen: 165

Architekt: Hans Jaksch, Siegfried Theiß

Weitere Adressen

Penzinger Straße 33-37, 1140 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Mitten im Herzen des alten Straßendorfs "Penzing" wurde die Wohnanlage auf brach liegenden Baugründen errichtet. Wie bei vielen Gemeindebauten aus jener Zeit waren von Beginn an auch Geschäfte, Waschküchen, ein Kindergarten und eine Badeanlage für die Bewohner eingeplant. An der Phillipsgasse wurden Werkstätten, Lagerräume und im Dachgeschoß ein Atelier eingerichtet. Heute noch existiert der Kindergarten und wird ein Lagerraum von der Straßenreinigung genutzt. Zur Eröffnung der Anlage wurde eigens eine Informationsbroschüre herausgegeben, die den Bau der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Architektur

Die auf einem Eckgrundstück in Randbebauung errichtete Wohnanlage besteht aus einem Straßentrakt an der Penzinger Straße, einem lang gestreckten Trakt in der Phillipsgasse sowie einem parallel dazu verlaufenden Hoftrakt. Die monumentale viergeschoßige Anlage wird an der Penzinger Straße durch einen um ein Geschoß erhöhten Mitteltrakt mit dem zentralen Hoftor dominiert. Im obersten Stock wird der kubische Bauteil durch Atelierfenster aufgelockert. Flach ausgebildete Spitzerker gliedern die anschließenden Seitentrakte.
Die beiden Straßentrakte werden an der Ecke durch einen eingeschoßigen abgerundeten Vorbau verklammert. In der Phillipsgasse ragen im vierten Stock erkerartige Fenster vor.
Der gesamte Komplex wird durch ein umlaufendes Kranzgesims zusammengefasst und durch nischenartige Rücksprünge in der Vertikale rhythmisiert. Diese Gliederung wird durch die weiße, zackenförmige Eckquaderung betont, die mit den ebenfalls weißen Fensterrahmungen im Kontrast zur hellgelben Wandfarbgebung steht.
Die Wohnanlage gehört zu den bedeutendsten Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit.

... und die Kunst

Über dem Hofeingang befindet sich eine überlebensgroße Steinfigur "Der Schmied" von Oskar Thiede. Die dahinter liegende Wandfläche wird durch einander überschneidende Kreislinienornamente in Stuck graphisch belebt. In der Phillipsgasse gliedern hohe Steinplastiken von den Bildhauern Anton Endstorfer und Ferdinand Opitz die Front und an dem flachen Eckvorbau sind drei aufgesetzte Büsten angebracht. In den Details kunstvoll gearbeitet sind die schmiedeeisernen Balkongeländer, Hof- und Fenstergitter sowie die Holzverkleidung mit Vitrinen im Hofdurchgang und die Stiegenhaustüren.

Der Name

Die Phillipsgasse, an der die Wohnanlage liegt, ist seit 1894 nach dem Juristen und Universitätsprofessor Dr. Georg Phillips (1804-1882) benannt.

Sanierung

von 1994 bis 1996

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1994 bis 1996 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 4.250.125 Euro, davon konnten 3.692.296 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Jaksch - Hans Jaksch (1879-1970) studierte von 1903 bis 1908 an der Technischen Hochschule Wien und besuchte 1907/08 die Meisterklasse von Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach dem Studium gründete Jaksch eine bis 1960 bestehende Arbeitsgemeinschaft mit Siegfried Theiß. Das Büro realisierte u. a. die 1976 eingestürzte Reichsbrücke, aber auch zahlreiche Fabriken, Krankenhäuser, Hotels und Wohnbauten.

Siegfried Theiß - Siegfried Theiß (1882-1963) studierte an der Technischen Hochschule Wien und an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterschule von Friedrich Ohmann besuchte. 1907 gründete er eine Bürogemeinschaft mit seinem Kollegen Johann Jaksch, die bis 1960 bestand. Das Büro Theiß & Jaksch errichtete zahlreiche Bauten in der gesamten Monarchie. Ihr prominentestes Bauwerk ist das "Hochhaus" in der Herrengasse 6-8 (Wien 1, 1930/31). Theiß selbst war maßgeblich an der Schaffung der Österreichischen Baunormung und der neuen Wiener Bauordnung beteiligt.

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