Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Elisabeth-Barbara-Parma-Hof

Fakten

Elisabeth-Barbara-Parma-Hof

Waldvogelstraße 10-14, 1130 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 42

Architekt: Alois Tischer

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Ersten Republik. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die baulicher Erneuerung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnanlage schloss einen der letzten freien Bauplätze an der Waldvogelstraße, die vor ihrer Benennung 1919 "Neue Straße V." genannt wurde. Wie die alte Straßenbezeichnung deutlich macht, war dieser Bereich bis zum Bau der Gemeindesiedlung Lockerwiese Ende der 1920er-Jahre nur wenig städtebaulich erschlossen. Die Anlage grenzt einerseits an das Grundstück der im 19. Jahrhundert errichteten städtischen Schule für Gesundheits- und Krankenpflege (Jagdschloßgasse 21 - 25) und andererseits an die Siedlung Lockerwiese. In der Anlage befindet sich eine Kinderbetreuungseinrichtung der "Kinderfreunde".

Die Architektur

Die kleine Wohnhausanlage besteht aus drei zweigeschoßigen Häuserblöcken. Ein Wohnblock liegt parallel zur Waldvogelstraße, die beiden anderen sind locker auf dem dahinter liegenden Grundstück angeordnet. Die Flächen um die Wohnhäuser sind als Grünanlagen gestaltet, so dass sich die Anlage zu den Nachbargrundstücken und zur Straße hin öffnet. Mit dem niedrigen Haussockel, den flächigen Putzfassaden, der regelmäßigen Fassadenordnung sowie den Walmdächern weist die Architektur typische Elemente des Wohnhausbaus der 1950er-Jahre auf. Dazu gehört auch die Detailgestaltung wie die einfach profilierten Rahmungen der Hauseingänge und die in Putz vertieften Fensterrahmungen.

Der Name

Elisabeth Barbara Parma wurde am 14. Dezember 1906 geboren und war eine engagierte Kinderbetreuerin und Kindergartenleiterin in Hietzing.
Nach dem zweiten Weltkrieg betreute sie in zwei Wehrmachtsbaracken an diesem Standort in der Waldvogelstraße viele Hietzinger Kinder. 1954 wurde in der neu erbauten Wohnhausanlage auch ein Kindergarten eingerichtet, dessen Leitung Elisabeth Barbara Parma übernahm. Sie gründete mit den Kindern des Kindergartens und des angeschlossenen Horts eine Musik- und eine Tanzgruppe, die bei öffentlichen Auftritten viel Applaus ernteten.
Elisabeth Barbara Parmas Engagement ging in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit weit über ihre Aufgaben als Kindergartenbetreuerin hinaus. Sie war sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern äußerst beliebt und wurde bald von allen nur "Tante Parma" gerufen. Noch heute ist dieser Name ein Begriff bei den Hietzinger Kinderfreunden.
Elisabeth Barbara Parma starb am 4. Jänner 2009 im 103. Lebensjahr.

Seit 1919 ist die Waldvogelstraße nach Anton Waldvogel (1846 - 1917) benannt. Anton Waldvogel war Ingenieur der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) und schrieb Beiträge zu technischen Themen. Als Verkehrsplaner verfasste er u. a. Entwürfe für die Wiener Stadtbahn.

Architekten

Alois Tischer - Alois Tischer (1901-1976) studierte von 1926 bis 1929 bei Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem das Wohnhaus Waldvogelstraße 10-14 in Wien 13 (1953/54) und gemeinsam mit Fritz Judtmann und Anton Steflicek die Anlagen Brunnweg 4 in Wien 10 (1960-1961) und Holbeingasse 11 in Wien 10 (1960-1961).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+