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Julius-Popp-Hof

Fakten

Julius-Popp-Hof

Margaretengürtel 76-80, 1050 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 375

Architekt: Heinrich Schmid, Hermann Aichinger

Weitere Adressen

Siebenbrunnenfeldgasse 5, 1050 Wien

Einsiedlergasse 1, 1050 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Julius-Popp-Hof wurde in den Jahren 1925/26 nach den Plänen von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger errichtet. Mit dem Herwegh-Hof und dem Matteottihof bildet er eine Einheit, die dem Betrachter auf den ersten Blick als monumentale Hofanlage erscheint. Damit wurde auch dem übergeordneten Baukonzept der Stadt Wien Rechnung getragen.

Die Architektur

Mit den Merkmalen des Eckpylonen und des arkadendurchzogenen Mittelrisaliten ist die Gestaltung des Hofes dem "Zwillingsbau" Herwegh-Hof noch sehr ähnlich. Mit der Entfernung zur geordneten Mittelachse zwischen den beiden Höfen ändert sich dies jedoch. Der Südtrakt erstreckt sich entlang des Gürtels Richtung Osten in die Breite, der der Einsiedlergasse zugewandte Osttrakt des Hofes fällt durch seine interessant gestaffelte Anordnung auf. Im Inneren des abgetreppten Hofes befindet sich ein zungenförmiger Bautrakt, der eine vielfältige Gliederung, Eckloggien sowie dreieckige Erker aufweist.

... und die Kunst

Im Eingangsbereich des Hofes befindet sich eine Gedenktafel des Namensgebers Julius Popp. Zwischen dem Julius-Popp-Hof und dem Herwegh-Hof liegt ein Brunnen, auf dessen Schale Sternzeichen dargestellt sind und in dessen Mitte eine Bärin mit ihrem Jungen auf einer Säule steht. Der Brunnen wurde im Jahr 1928 von Hanna Gärtner geschaffen.

Der Name

Julius Popp (1849-1902) war ein enger Freund und Mitarbeiter Viktor Adlers. Der gelernte Schuhmacher war als Kassier der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und als Administrator der Arbeiterzeitung tätig. Seine Gattin Adelheid (geb. Dworak) zählt zu den bedeutendsten Frauen in der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung.

Sanierung

von 1995 bis 1998

Im Julius-Popp-Hof wurde in den Jahren 1995 bis 1998 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Im Dachgeschoß entstanden 17 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 14.338.800 Euro, davon konnten 11.267.954 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Heinrich Schmid - Heinrich Schmid (1885-1949) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. 1912 eröffnete er mit seinem Studienkollegen Hermann Aichinger ein gemeinsames Atelier in Wien, das bald zu einem der führenden Architekturbüros der Zwischenkriegszeit wurde. Neben zahlreichen Wohnhausanlagen wie etwa dem Rabenhof (Wien 3) und dem Julius-Popp-Hof (Wien 5) wurden auch das Hanusch-Krankenhaus (Wien 14, Heinrich-Collin-Straße 30) und das Österreichische Verkehrsbüro (Wien 1, Friedrichstraße 7) nach ihren Entwürfen errichtet.

Hermann Aichinger - Hermann Aichinger (1885-1962) studierte - ebenso wie sein späterer Arbeitskollege Heinrich Schmid - an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Das 1912 gegründete Architekturbüro Schmid & Aichinger war das meistbeschäftigte des Wohnbauprogramms des "Roten Wien". Auch in den späten 1930er- und in den 1940er-Jahren erhielt das Büro noch prestigeträchtige Aufträge. In dieser Zeit entstanden unter anderem das Wohn- und Geschäftshaus "Bärenmühle" (Wien 4, Operngasse 18-20) und das RAVAG-Gebäude (Wien 4, Argentinierstraße 30a; gemeinsam mit Clemens Holzmeister).

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