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Am Schöpfwerk 29

Fakten

Am Schöpfwerk 29

Am Schöpfwerk 29, 1120 Wien

Baujahr: 1977-1980

Wohnungen: 609

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Auslöser für das Wohnprojekt "Am Schöpfwerk" war die kritische Ausstellung "Städtische Wohnformen" von Viktor Hufnagl sowie Wolfgang und Traude Windbrechtinger im Jahr 1966. Die Gemeinde Wien stellte im Jahr darauf ein achtköpfiges Architektenteam unter der Leitung von Viktor Hufnagl (1922-2007) zusammen, um das insgesamt 13 Jahre dauernde Bauvorhaben "Am Schöpfwerk" (1967-80) zu realisieren. Das Großprojekt wurde in verschiedene Bauphasen unterteilt und die heute insgesamt 1.707 Wohneinheiten umfassende Schöpfwerk-Siedlung in Ringen organisiert. Die Anlage mit der Hauptadresse Am Schöpfwerk 29 bildet den sogenannten Nord-Ring, mit dessen Bau ein Jahr nach den benachbarten Ost-, Süd- und West-Ringen begonnen wurde.

Die Architektur

Die einzelnen Baublöcke des nördlichen Teils sind geometrisch angeordnet und um Höfe gruppiert. Die Bebauung folgt der im Geviert angeordneten Hofstruktur, wobei jeder Hof mit jenen der anderen Ringe in den Erschließungsachsen durch Lauben- bzw. Durchgänge und Wege verbunden ist. Die an ihrem höchsten Punkt neungeschoßigen Gebäudeblöcke (inkl. EG) sind an den Schmalseiten abgetreppt, wodurch nord- und südseitige Terrassen entstehen. Die Wohnungen an den in Ost-West-Richtung ausgerichteten Längsseiten verfügen hingegen über mit Blumentrögen ausgestattete Loggien.

Das Architektenteam bestehend aus Viktor Hufnagl, Michael Pribitzer, Wolfgang und Traude Windbrechtinger, Erich Bauer, Leo Parenzan, Joachim Peters und Fritz Waclawek folgte bei der Gestaltung der Fassade den Prinzipien der 1970er-Jahre: Der Außenbau besitzt fast keine geschlossene, aufragende Wand, sondern ist abwechselnd in Loggien und großzügig gestaltete, mehrteilige Fenster mit Sprossenteilung aufgelöst. Diese Gestaltungsprinzipien sollten auch wegweisend werden für den kommunalen Wohnbau der 1980er-Jahre.

In die Planung wurde die Wiener Tradition der Höfe, vor allem jene des Roten Wiens, wieder aufgenommen und urban interpretiert. Dabei wurde besonderer Wert auf die Typenvielfalt der Wohnungen gelegt. Die Großanlage ist darüber hinaus mit einer dichten, kleinstadtähnlichen Infrastruktur ausgestattet, die Gemeinschaftseinrichtungen für Bildung und Freizeit vorsieht, darunter eine Volks- und Hauptschule, Kindergärten, Hort, Kinderspielplätze in allen Hofabschnitten, mehrere Klubs, eine abwechslungsreiche Geschäftsinfrastruktur sowie eine Kirche an der Lichtensterngasse, die nach Entwürfen Viktor Hufnagels in den Jahren 1979-81 errichtet wurde.

... und die Kunst

Die Fassade des straßenseitigen Laubengangs, der gleichzeitig den Zugang zu den Stiegen darstellt, wurde von der österreichischen Künstlerin Brigitta Malche (geb. 1938) gestaltet. Die Arbeit trägt den Titel "Rhythmische Farbgestaltung".

Der Name

Der ehemalige Inzersdorfer Weg erhielt 1912 die Bezeichnung "Am Schöpfwerk" nach dem Hebewerk der 1. Wiener Hochquellenwasserleitung.
Die quer dazu verlaufende Lichtensterngasse erhielt ihren Namen im Jahr 1969 nach dem Gründer der österreichischen Keramikindustrie Richard Lichtenstern (1870-1937).

Sanierung

von 2009 bis 2012

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2009 bis 2012 saniert. Neben der Dämmung der obersten Geschoßdecke erfolgte u.a. auch die Erneuerung der Fenster und Türen und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt.

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