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Am Schöpfwerk 31

Fakten

Am Schöpfwerk 31

Am Schöpfwerk 31, 1120 Wien

Baujahr: 1977-1980

Wohnungen: 258

Architekt: Fritz Waclawek, Michael Pribitzer, Wolfgang Windbrechtinger, Traude Windbrechtinger, Viktor Hufnagl, Joachim Peters, Leo Parenzan, Erich Bauer

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Auslöser für das Wohnprojekt "Am Schöpfwerk" war die kritische Ausstellung "Städtische Wohnformen" von Viktor Hufnagl sowie Wolfgang und Traude Windbrechtinger im Jahr 1966. Die Gemeinde Wien stellte im Jahr darauf ein achtköpfiges Architektenteam unter der Leitung von Viktor Hufnagl (1922-2007) zusammen, um das insgesamt 13 Jahre dauernde Bauvorhaben "Am Schöpfwerk" (1967-80) zu realisieren. Das Großprojekt wurde in verschiedene Bauphasen unterteilt und die heute insgesamt 1.707 Wohneinheiten umfassende Schöpfwerk-Siedlung in Ringen organisiert. Der Bauteil mit der Hauptadresse Am Schöpfwerk 31 gehört zum sogenannten Nord-Ring, mit dessen Bau ein Jahr nach den benachbarten Ost-, Süd- und West-Ringen begonnen wurde.

Die Architektur

Das gekoppelte Doppelhochhaus an der Straße Am Schöpfwerk 31 (neben der U-Bahn-Station) ist Teil des sogenannten Nordrings. Es befindet sich an der nord-westlichen Grenze der Anlage und beherbergt heute insgesamt 258 Wohneinheiten.

Charakteristisch für die Gestaltung der Hochhäuser ist der farblich akzentuierte, zentrale Stiegenhauskern, der im Schnittpunkt der nach allen vier Himmelsrichtungen wegführenden Wohntrakte angelegt und im Vergleich zu diesen etwas zurückgesetzt ist.

Das Architektenteam bestehend aus Viktor Hufnagl, Michael Pribitzer, Wolfgang und Traude Windbrechtinger, Erich Bauer, Leo Parenzan, Joachim Peters und Fritz Waclawek folgte bei der Gestaltung der Fassade den Prinzipien der 1970er-Jahre: Der mit zweifärbigen Platten verkleidete Außenbau wird durch jeweils zwei mittig eingefügte, vor die Fassade kragende vertikale Achsen und durch großzügig gestaltete, mehrteilige Fenster mit Sprossenteilung aufgelöst. Diese Gestaltungsprinzipien sollten auch für den kommunalen Wohnbau der 1980er-Jahre wegweisend werden.

In die Planung der gesamten Anlage wurde die Wiener Tradition der Höfe, vor allem jene des Roten Wiens, wieder aufgenommen und urban interpretiert. Dabei wurde besonderer Wert auf die Typenvielfalt der Wohnungen gelegt. Die Großanlage ist darüber hinaus mit einer dichten, kleinstadtähnlichen Infrastruktur ausgestattet, die Gemeinschaftseinrichtungen für Bildung und Freizeit vorsieht, darunter eine Volks- und Hauptschule, Kindergärten, Hort, Kinderspielplätze in allen Hofabschnitten, mehrere Klubs, eine abwechslungsreiche Geschäftsinfrastruktur sowie eine Kirche an der Lichtensterngasse, die nach Entwürfen Viktor Hufnagels in den Jahren 1979-81 errichtet wurde.

... und die Kunst

Die Verkleidung der Luftschächte beim Hochhaus sind mit vier Betonreliefs mit den Titeln "Abstrakte Figurenfriese" des österreichischen Künstlers Eduard Robitschko (1915-1999) aus dem Jahr 1979 ausgestattet. Der österreichische Bildhauer Franz Fischer (1920-76) schuf die 90 cm hohe Bronzeplastik mit Wasserspeier "Knabe mit Fisch" (Entwurf 1959).

Im Nordwesten der Anlage, nahe dem Viadukt der U-Bahn-Station, steht die Kapelle zur Hl. Anna, die zur Erinnerung an die von den Türken während der Zweiten Türkenbelagerung ermordeten Bewohner von Altmannsdorf errichtet worden war. Sie wurde 1925 neu aufgebaut, neu orientiert (Richtung Norden gedreht) und das bereits stark verwitterte Anna-Bild durch ein Kruzifix vom Altmannsdorfer Friedhof ersetzt.

Der Name

Der ehemalige Inzersdorfer Weg erhielt 1912 die Bezeichnung "Am Schöpfwerk" nach dem Hebewerk der 1. Wiener Hochquellenwasserleitung.

Sanierung

von 2009 bis 2011

Die Wohnhausanlage wurde zwischen 2009 und 2011 einer umfassenden Sanierung unterzogen. Neben der Neudeckung des Daches erfolgten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt. Außerdem wurden Balkone und Loggien saniert sowie Aufzüge, Wasch-, Trocken- und Abstellräume instand gesetzt. Die Anlage wurde darüber hinaus an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Fritz Waclawek - Fritz Waclawek (geb. 1942) studierte ab 1960 Architektur an der Technischen Hochschule, wo er 1966 sein Diplom erhielt. Bereits im Jahr nach seinem Abschluss war er Bauleiter am von Adolf Hoch entworfenen Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien 20 (1967-1972). Als selbständiger Architekt widmet sich Waclawek vielseitigen Aufgabenbereichen. So war er an der Entwicklung des städtebaulichen Leitplans für die Wohnbebauung am Schöpfwerk in Wien 12 beteiligt (1974-1980), entwarf aber auch Industriebauten wie etwa für die Fleischereimaschinenhalle Sankt Marx in Wien 3 (Baumgasse 68, 1977). 2000 wurde nach seinen Plänen das erste Passivhaus Wiens (Anzbachgasse 36, Wien 14) fertig gestellt.

Michael Pribitzer - Michael Pribitzer (1926-2004) studierte von 1945 bis 1952 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Karl-Honay-Hof in Wien 16, Gablenzgasse 82-86 (1965/66) und der Anlage Sagedergasse 7-11 in Wien 12 (1969-1971).

Wolfgang Windbrechtinger - Wolfgang Windbrechtinger (geb. 1922 in Ramingstein/Slzbg.) studierte Architektur von 1945 bis 1950 an der Technischen Universität Graz. Er war zunächst in Düsseldorf tätig, bevor er sich in Wien als freischaffender Architekt niederließ, wo er bis zu seiner Pensionierung 1995 ein gemeinsames Büro mit seiner Ehefrau Waltraude Windbrechtinger führte. In Wien und Niederösterreich schuf das Ehepaar vor allem in den 1960er-Jahren zahlreiche Kindergärten. Wolfgang Windbrechtingers wichtigstes Projekt war die Erstellung des Masterplans zur Wohnverbauung "Am Schöpfwerk" (ab 1967) für die Gemeinde Wien. Er baute mit seiner Ehefrau aber auch das Wiener Schauspielhaus in Wien 9 um (1977/78) und konzipierte und gestaltete mit Wilhelm Holzbauer die Fußgängerzone Kärntner Straße in Wien 1 (ab 1969).

Traude Windbrechtinger - Traude Windbrechtinger (geb. Ketterer, 1922 in Graz) studierte von 1945 bis 1948 bei Friedrich Zotter an der Technischen Hochschule Graz. Nach mehreren Jahren als freie Mitarbeiterin im Büro Heintrich-Petschnigg-Moser in Düsseldorf (D) gründete sie 1956 mit ihrem Ehemann Wolfgang Windbrechtinger ein bis 1995 bestehendes Architekturbüro in Wien. Ihr größtes und wichtigstes Bauvorhaben war der Masterplan zur Wohnverbauung "Am Schöpfwerk" in Wien 12 (mit Viktor Hufnagl u. a., 1974-1981).

Viktor Hufnagl - Viktor Hufnagl (1922-2007) studierte in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei Clemens Holzmeister. Ab 1956 als freischaffender Architekt tätig, spezialisierte er sich auf Schul- und Wohnungsbauten. Als revolutionäre Neuerung galt die von Hufnagl 1973 in Wörgl (Tirol) erbaute Hallenschule. Zu den bekanntesten Werken des vielfach ausgezeichneten Architekten zählen die Kirche und die Wohnhausanlage "Am Schöpfwerk" (Wien 12) sowie die Roßauer Brücke (Wien 9 und 2).

Joachim Peters - Der Architekt und Keramiker Joachim Peters wurde 1912 in Osterode am Harz (D) geboren. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaft an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Marcusgasse 4-12 in Wien 14 (1961-1963) und Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980). Joachim Peters ist 1987 in Wien verstorben.

Leo Parenzan - Leo Parenzan (geb. 1928) studierte von 1950 bis 1954 Architektur bei Otto Niedermoser an der Hochschule für angewandte Kunst Wien. Unter anderem war er für die Gemeinde Wien an den Entwürfen zu den Wohnhausanlagen Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980) beteiligt.

Erich Bauer - Erich Bauer (1925-1995) studierte von 1946 bis 1951 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhäuser beteiligt, wie etwa an den Anlagen Comeniusgasse 2 in Wien 17 (1963-1965) und Zanaschkagasse 14 und 16 in Wien 12 (1976-1980).

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