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Migazziplatz 6

Fakten

Migazziplatz 6

Migazziplatz 6, 1120 Wien

Baujahr: 1980-1982

Wohnungen: 16

Architekt: Bruno Echerer

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Von Kaiser Karl VI. war schon 1732 am Migazziplatz eine Kapelle gestiftet worden, die dem Heiligen Nepomuk geweiht wurde. Später zur Pfarre von Meidling erhoben, wurde sie aber schon bald zu klein für die rasch wachsende Bevölkerung. Im 19. Jhdt. wurde daher nach Plänen von Karl Rösner auf dem Platz eine schöne frühromantische Kirche errichtet. Der Gemeindebau liegt gegenüber der Hauptfassade dieser Kirche.

Die Architektur

Der fünfgeschoßige Bau schließt im Norden auf ein anderes Gebäude auf und steht mit der südlichen Eingangsseite als Schauseite zum Platz. Das Erdgeschoß ist von der Baulinie weit zurückgesetzt und der auf allen drei Seiten vorkragende Baukörper wird mit mehreren Pfeilern abgestützt. Die Verkleidung des ganzen Erdgeschoßes samt Stützpfeilern mit glänzendem Aluminium setzt einen auffälligen Akzent. Auch die beiden unter dem Vorbau eng beieinander stehenden hohen Aluminiumzylinder der Belüftungsstutzen der Tiefgarage wirken dadurch wie technoide Stelen mit fast künstlerischem Anspruch. Die Garageneinfahrt ist unmittelbar nach der Anschlussnaht des Nachbargebäudes eingesetzt. Die lange, fortlaufend diagonal genutete Metallfläche des Sockelgeschoßes schließt die Gebäudeseiten mit dem Eingangsbereich der Hauptseite zusammen. Der Torbereich wird durch einen Pfeiler geteilt. Die Fassade des Vorbaus darüber wird von drei kubischen Erkern gegliedert. Die beiden äußeren sind dreigeschoßige Eckerker, während der breite Mittelerker mit zwei an den Rand versetzten Fensterachsen viergeschoßig zum Flachdach reicht. Im Rücksprung dieses Mittelerkers werden die Fenster beiderseits durch eine angeschlossene Achse, nur um einen Sprossenteil verschmälert, weitergeführt. Auch das Flachdach ist nach einem einachsigen Rücksprung beiderseits abgetreppt etwas erniedrigt und gegen den Gebäuderand zu an den Seiten mansardmäßig abgeschrägt und blechverkleidet. Vier liegende Fenster darin können aufgeklappt werden. Vor der schrägen Mansardverdachung ist ein kurzer gerader Dachgeschoßteil bis zum Eckerker hin mit einem Blumenbalkonfenster ausgespart, auch in der zurückgesetzten Schmalseite des Mansarddachs sitzt ein Fenster. Selbst das vorspringende Dach der Eckerker wird noch für die vergitterten Blumenbalkone genutzt. Die dreiflügeligen Eckerkerfenster darunter führen mit einem Flügel um die Ecke. Die Seitenfassaden werden zusätzlich durch zwei zweiflügelige und eine dreiflügelige Fensterachse strukturiert.

Der Name

Der Migazziplatz ist nach Christoph Anton Migazzi (1714-1803) benannt. Migazzi war eine vielseitig begabte Persönlichkeit am Hofe Maria Theresias. Er war sowohl Diplomat als auch ein kirchlicher Würdenträger, als Kardinal und Fürsterzbischof war er hoch angesehen. Außerdem war er der Leiter von Maria Theresias erfolgreicher Schulreform. Die Benennung des Platzes geht vielleicht auf dieses Verdienst zurück, vielleicht aber auch auf die Erhebung der Kapelle St. Nepomuk zur Pfarre, als er noch Erzbischof von Wien war.

Sanierung

von 2004 bis 2004

In der Wohnhausanlage wurde 2004 das Dach instand gesetzt. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut.

Architekten

Bruno Echerer - Bruno Echerer (geb. 1928 in Wels, OÖ) studierte von 1951 bis 1956 Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Er arbeitete zunächst in verschiedenen Ateliers in Nordrhein-Westfalen (D) und in Wien, bevor er 1964 sein eigenes Büro in Wien eröffnete. Bruno Echerer gestaltete vor allem Kaffeehäuser, Diskotheken und zahlreiche Geschäftslokale in ganz Österreich. In den 1980er-Jahren erfolgten mehrere Dachausbauten in Wien 1 und in Wien 6 nach seinen Entwürfen. Sein wohl größter Auftrag war der Ausbau und die Inneneinrichtung des Hotel de France mit angeschlossenem Kino in Wien 1, Schottenring 3 (1987/88). Für die Gemeinde Wien plante Bruno Echerer die Wohnhausanlage Migazziplatz 6 in Wien 12 (1981/82) und Gallgasse 71 in Wien 13, samt Kindergarten und Altenwohnungen (1995/96).

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