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Hohenbergstraße 40

Fakten

Hohenbergstraße 40

Hohenbergstraße 40, 1120 Wien

Baujahr: 1927-1930

Wohnungen: 24

Architekt: Camillo Fritz Discher, Karl Dirnhuber

Weitere Adressen

Theergasse 1, 1120 Wien

Spittelbreitengasse 35, 1120 Wien

Schwenkgasse 33, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Gleich neben der so genannten Kirche am Gatterhölzl auf dem früheren Waldgebiet und späteren Sanatorium errichtete die Stadt Wien in den Jahren 1927 bis 1930 nach Entwürfen von Camillo Fritz Discher und Karl Dirnhuber eine eigenwillige Wohnhausanlage, bestehend aus mehreren offenen und geschlossenen Höfen sowie einer gartenähnlichen Siedlung an der Hohenbergstraße, die insgesamt 23 Häuser umfasst und sich über einen Verbund von vier Straßen erstreckt.

Die Architektur

Die am Grundriss als Los 1 (38 Wohnungen), Los 2 (40 Wohnungen) und Los 3 (24 Wohnungen) gemäß einer Gartenstadt konzipierten Häuser an der Hohenbergstraße 34, 36-38 und 40 gehen auf den Entwurf des Otto-Wagner-Schülers Camillo Fritz Discher zurück.
Anders als sein Kollege Karl Dirnhuber gestaltete der Architekt im Südwesten der als Indianerhof bekannten Anlage keine geschlossenen Hofbauten, sondern errichtete hier in Anlehnung an die nur wenige Meter entfernte Gartenstadt "Am Tivoli" locker verplante, freistehende Mehrfamilien- und Doppelhäuser mit Reihenhauscharakter.
Die zweigeschoßigen Bauten sind villenartig gestaltet und verfügen über Grünflächen, die sich terrassenartig zum Indianerhof hin absenken. Eine romantisch anmutende, rustikale Gartenmauer zur Hohenbergstraße begrenzt das Areal und verstärkt den Charakter einer Gartensiedlung. Der für seine heimatstilverbundenen Formen bekannte Architekt bleibt seinem Stil auch bei der Außengestaltung dieser "Villen" treu. Er durchbricht die strenge Würfelform der einzelnen Häuser mit rosa verputzten Erkeranbauten und zartgrün gestalteten, polygonalen Fenstererkern mit Klinkerverkleidungen. Die für ihn typischen Walmdächer erinnern an Häuser im österreichischen Heimatstil und verbinden romantisierende Aspekte mit expressiven Elementen wie beispielsweise den übers Eck geführten, farbig akzentuierten Balkonen aus Mauerwerk. Diese sind südseitig orientiert und liegen idyllisch nahe dem Schönbrunner Schlosspark.
Zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen sowie Grünflächen, geschützt angelegte Spielplätze im Inneren der Anlage und eine hervorragende Infrastruktur runden das Konzept einer Gartensiedlung ab.

... und die Kunst

Mit den verschiedenen Materialien wie einem Rustika-Mauerwerk in der Sockelzone der Häuser und dem zartgrünen, weißen und rosa Verputz setzt der Architekt sowohl strukturelle als auch dekorative Akzente (in Ahnlehnung an den Indianerhof, zu dessen Gebiet die Gartensiedlung zählt).

Der Name

Die Wohnhausanlage selbst wird nach der über dem Eingangstor in der Rotenmühlgasse 64 angebrachten bunten Skulptur eines Indianers inoffiziell "Indianerhof" genannt. Der gartenstadtähnliche Teil der Anlage, der im Südwesten des eigentlichen Indianerhofes liegt, öffnet sich zur Hohenbergstraße; diese ist nach dem Erbauer der Gloriette, Johann Ferdinand Hetzendorf (oder Hötzendorf) von Hohenberg, benannt. Die Hohenbergstraße führt über die Maria-Theresien-Brücke direkt in den Schönbrunner Schlossgarten und zur Gloriette.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1995 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 574.479 Euro, davon konnten 284.620 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Camillo Fritz Discher - Camillo Fritz Discher (1884-1976) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule die Meisterklasse bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Ab 1925 errichtete er - zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Wagner-Schülern - Wohnhausanlagen für die Stadt Wien, unter anderem die Wohnhausanlage "Indianerhof" in der Aichholzgasse 52-54 in Wien 12 und jene in der Wienerbergstraße 16-20 in Wien 10.

Karl Dirnhuber - Karl Dirnhuber (geb. 1889, vermutlich 1944 in London gestorben) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Karl König und Max Fabiani. Von 1924 bis 1930 war er am Bau von fünf Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt. Sein wichtigstes Projekt in dieser Zeit war die Umgestaltung des Währinger Friedhofs zu einer Parkanlage. 1939 emigrierte Dirnhuber mit seiner Frau nach London.

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