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Spittelbreitengasse 23

Fakten

Spittelbreitengasse 23

Spittelbreitengasse 23, 1120 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 578

Architekt: Karl Molnar, Hans Bichler, Herbert Prehsler, Alexander Kratky, Bruno Buzek, Karl Hauschka, Robert Gerlach, Anton Ceplecha, Oskar Trubel

Weitere Adressen

Aichholzgasse 57, 1120 Wien

Ruckergasse 54-58, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts befand sich auf dem abschüssigen Areal ein großer städtischer Schlachthof, vornehmlich für Pferde. Es war eine zweireihige Anlage östlich der Ruckergasse. Jede Reihe bestand aus je fünf Schlachthäusern mit Ost-Westausrichtung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schlachtungen nach St. Marx verlegt. Wegen der zunehmenden Motorisierung war wohl kein Bedarf mehr nach einem großen Pferdeschlachthof. Außerdem war der St. Marxer Schlachthof nach Kriegsschäden neu aufgebaut worden und entsprach den modernen Anforderungen. Schließlich wurden 1953 die Pferdeschlachthöfe abgerissen.

Die Architektur

Die zehn Gemeindebauten umfassende Anlage wurde in zwei Bauabschnitten in einfacher Zeilenbauweise errichtet. Die vier auf die Ruckergasse ausgerichteten Bauten gehören zum Bauteil 1, die sechs Gebäude an der Aichholzstraße zum Bauteil 2. In zwei Reihen und vier Zeilen folgten sie fast der ursprünglichen Anordnung der Schlachthausgebäude. Nur von der Spittelbreitengasse weg auf dem ansteigenden Gelände wurde die Baulinie etwas zurückversetzt, um nicht auf "Blutgrund" zu bauen. In die schmucklosen Fassaden sind die Fenster rahmenlos eingeschnitten. An den Süd- oder Ostseiten befinden sich Balkonachsen, an den Nord- oder Westseiten Stiegenaufgänge. Die vor die alten Stiegenaufgänge erst in den 1980er-Jahren eingebauten Aufzugstürme sind an der Nordseite der sechsgeschoßigen Gebäude risalitartig, stark kubisch, fast bis zum Dachfirst hochgezogen. Bei zwei Gebäuden sind als postmoderner Zusatz der 1980er-Jahre einzelne Aufzugstürme zuerst gerundet und dann sektorartig abgeschnitten. Die Baukörper werden durch Walmdächer abgeschlossen, in die abschnittweise Dachgeschoße integriert sind.

... und die Kunst

An den westlichen Schmalseiten der ersten drei Blöcke von der Spittelbreitengasse weg nach Süden, entlang der Aichholzstraße sind jeweils über dem Geschäftsbereich Mosaikbilder angebracht: "Spielende Kinder" von Hans Melcher, "Hochzeit" von Heribert Potuznik und "Lernende Kinder" von Johannes Wanke. An den ostseitigen Fassaden zur Ruckergasse hin befinden sich 4 große Mosaike der "Jahreszeiten" von Hilde Prinz, Ilse Pompe, Mutz Stanek und Susanne Peschke-Schmutzer.

Vor Stiege 15 ist eine Steinplastik "Schlächter mit Kalb" von Gabriele Waldert aufgestellt, um an die abgerissenen Schlachthöfe zu erinnern.

Der Name

Die Spittelbreitengasse hat ihren Namen wahrscheinlich deshalb bekommen, da es in der Gegend einmal einen ausgedehnten Spitalsbesitz gab.

Sanierung

von 1990 bis 1991

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1990 und 1991 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 484.728 Euro, davon konnten 290.837 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Molnar - Karl Molnár (1901-1963) besuchte von 1919 bis 1925 die Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann, Josef Hoffmann, Josef Frank und Oskar Strnad. Er beschäftigte sich schon früh mit dem Wohnbau und der Möglichkeit des wachsenden Hauses (Erweiterung durch vorgefertigte Bauteile), wozu er in den 1930er-Jahren mehrere Artikel in Bauzeitschriften publizierte. Molnár war unter anderem an den Entwürfen zu der Wohnhausanlage Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954-1955) beteiligt.

Hans Bichler - Hans Bichler (1904-1980) studierte Architektur bei Oskar Strnad und Franz Schuster an der Wiener Kunstgewerbeschule und war im Anschluss daran von 1935-1938 ebendort Assistent von Oswald Haerdtl. 1932 richtete Hans Bichler eines der Häuser von Ernst A. Plischke in der Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13 ein. 1937 war er Bauleiter des österreichischen Pavillons auf der Weltausstellung in Paris, wo er den "Raum des Fliegers" gestaltete. Unter dem NS-Regime wurde Bichler Leiter der Wiener Kunstgewerbeschule. Zusammen mit Carl Witzmann baute er 1938 die Innenräume des Volkstheaters in Wien um. Dabei entstand auch das viel diskutierte "Führerzimmer". Als NSDAP-Mitglied wurde er 1945 aus allen öffentlichen Ämtern entlassen. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an den Entwürfen zur Wohnhausanlage Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954-1955) beteiligt.

Herbert Prehsler - Herbert Prehsler (geb. 1926) studierte bis 1951 an der Technischen Hochschule Wien. Zunächst arbeitete er in Partnerschaft mit Eduard F. Sekler. Als selbständiger Architekt plante er vor allem Industriebauten, wie etwa mehrere ORF-Sendeanlagen. Seine bedeutendsten Leistungen liegen aber im Bereich von Renovierungsarbeiten. Von 1977 bis 1989 war er mit der Renovierung des Palmenhauses im Schlossgarten von Schönbrunn beschäftigt. Im Anschluss daran erfolgte die Renovierung des Palmenhauses im Burggarten.

Alexander Kratky - Alexander Kratky (1900-1961) studierte zunächst von 1920 bis 1926 an der Technischen Hochschule Wien und wechselte im Anschluss an die Technische Hochschule Graz. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa an den Anlagen Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954/55) und Troststraße 8-16 in Wien 10 (1955-1957). Das Wohnhaus Marinelligasse 10 in Wien 2 (1952-1957) entwarf Kratky als eigenständige Arbeit.

Bruno Buzek - Bruno Buzek (1911-1983) besuchte zunächst die Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann, bevor er von 1932 bis 1935 an der Akademie der bildenden Künste bei Clemens Holzmeister studierte, dessen Assistent er später auch wurde. In der Zwischenkriegszeit war er in verschiedenen deutschen Städten tätig, wie etwa Berlin und Freiburg im Breisgau, wo er vorwiegend Villen und Wohnhausanlagen realisierte. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Österreich zurück und arbeitete hier in Arbeitsgemeinschaften für den NS-Rüstungsbetrieb (Ausbau der Böhler-Werke in Waidhofen a. d. Ybbs; Kapsch-Werk in Wien 10). Nach 1945 war Buzek vor allem in Wohnbau tätig und richtete mehrere Café-Häuser im Zeitstil der 1950er-Jahre ein (z. B. Café Europa am Graben, Wien 1).

Karl Hauschka - Karl Hauschka (1896-1981) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Küste Wien bei Peter Behrens. Bei diversen Architekturwettbewerben gewann er mehrere Preise, jedoch sind kaum realisierte Werke bekannt. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwarf er in Arbeitsgemeinschaft mit Viktor Mittag eine Reihe von Wohnhausanlagen des Roten Wien, darunter auch den Wildganshof in Wien 3, sowie in den 1960er-Jahren den Harry-S.-Truman-Hof in Wien 23 in Zusammenarbeit mit den Architekten Wenko Bossew, Otmar Brunner, Maria Albrecht, August Kastner, Karl Molnar und Rudolf Sorgo.

Robert Gerlach - Robert Gerlach (1887-1960) studierte an der Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann. Nach seinem Studium war er zunächst als Innenarchitekt tätig und arbeitete in den Werkstätten Hagenauer und Bramberger. Erst später entstanden nach seinen Plänen auch Privathäuser sowie kommunale Wohnbauten. In Ottakring war Gerlach am Bau mehrerer NS-Volkswohnhäuser beteiligt.

Anton Ceplecha - Über den Architekten Anton Ceplecha (1894-1975) sind kaum Daten bekannt. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlagen Anton-Freunschlag-Gasse 80 in Wien 23 (1962-1964) und Leo-Mathauser-Gasse 73 in Wien 23 (1964).

Oskar Trubel - Oskar Trubel (1915-1977) studierte ab 1948 Architektur bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war er am Wiederaufbau und der Errichtung zahlreicher Wohnhäuser beteiligt. Für die Gemeinde Wien entwarf Trubel unter anderem die Wohnhäuser Bernardgasse 10 in Wien 7 (1949/50), Molitorgasse 5-9 in Wien 11 (1948-1950) und die Anlage Gassergasse 48-50 in Wien 5 (1961-1962).

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