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Lobmeyrhof

Fakten

Lobmeyrhof

Lorenz-Mandl-Gasse 10-16, 1160 Wien

Baujahr: 1900-1901

Wohnungen: 165

Architekt: Leopold Simony, Theodor Karl Bach

Weitere Adressen

Wernhardtstraße 11-19, 1160 Wien

Roseggergasse 1-7, 1160 Wien

Maderspergerstraße 10-14, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Mit der aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs I. schon 1896 gegründeten "Jubiläums-Stiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrts-Einrichtungen" entstand erstmals ein Bewusstsein für Wohnbau als öffentliche Aufgabe. Nach Plänen von Theodor Bach und Leopold Simony wurden zwischen 1898 und 1901 ein Frauen- und Männerwohnheim - der "Stiftungshof" - und Familienwohnhäuser mit zwei Ledigenheimen - der "Lobmeyrhof" - errichtet. Der dritte projektierte "Wohlfahrtshof" wurde nicht realisiert. Statt der erlaubten 85 % wurden nur 45 % der Grundfläche bebaut und ein großzügiger Innenhof geschaffen. Den Bewohnern standen Gemeinschaftseinrichtungen wie Bibliothek, Bäder, Wäscherei, Apotheke und kostenlose medizinische Betreuung zur Verfügung. Bei kleinen Wohnungen bis 42 m² bestand ein Verbot von Untermietern und Bettgehern. Der "Stiftungshof" (Zöchbauergasse 2 10, Gutraterplatz 2, Wernhardtstraße 1-9) wurde 1978 durch einen Neubau der "Jungen Generation" ersetzt, der "Lobmeyrhof" hingegen in den Jahren 1980 bis 1982 generalrenoviert. Aufgrund der Finanzierung durch die "Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsstiftung" werden die Bauten des "Lobmeyrhofs" im Volksmund auch "Jubiläumshäuser" genannt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage des "Lobmeyrhofs" ist als Vierspänner-Anlage in geschlossener Blockrandbebauung errichtet und entspricht in ihrer äußeren Gestaltung der klassizistischen Gestaltungsweise. Die Architekten Bach und Simony wandten hier wie bei vielen ihrer Wohnbauten das Prinzip einer vertikalen und horizontalen Verschränkung an, bei dem die Horizontale durch markante Gesimsbänder betont wird, während die Vertikale durch Erker und Risalite mit ausgeprägten Giebeln und Dächern akzentuiert wird. Die Straßenfassaden weisen ein horizontal genutetes Sockelgeschoß auf; die zwischen 26 und 32 Fensterachsen langen Fronten werden durch unterschiedliche Fensterformate, Fensterverdachungen und Loggien sowie durch verschieden weit vorgelagerte Risalite mit variantenreich gestalteten Giebeln aufgelockert. Die Stiegenhauseingänge befinden sich hofseitig in schmalen Risaliten, die langen Hoffassaden werden zusätzlich von Erkern unterbrochen. Obwohl damals eher unüblich, bestehen die Hoffassaden überwiegend aus Sichtziegeln, die durch hell verputzte Gesimsbänder in horizontale Streifen gegliedert werden. Zwei Tordurchfahrten führen in den großzügigen, begrünten Innenhof.

Der Name

Der "Lobmeyrhof" ist nach dem Glaswarenfabrikanten Ludwig Lobmeyr (1829-1917) benannt, der sich um die künstlerische Entwicklung der Branche verdient gemacht hat. Er wurde im 19. Jahrhundert zum Reformator der österreichisch-böhmischen Glasindustrie und prägte in den Jahren nach 1910 die von Josef Hoffmann initiierte Bewegung der Wiener Werkstätten mit. In Ottakring ist 1927 auch eine Gasse nach ihm benannt worden.

Architekten

Leopold Simony - Leopold Simony (1859-1929) studierte 1877 bis 1883 an der Technischen Hochschule Wien bei Karl König und Heinrich Ferstel. Ab 1889 arbeitete Simony als selbständiger Architekt, wobei er bis etwa 1904 vor allem in Arbeitsgemeinschaft mit Theodor Bach tätig war. Simony war auf Industriebauten spezialisiert, die er in Galizien und am Balkan errichtete. Dabei entstanden oft auch gleichzeitig Arbeitersiedlungen. Er wurde immer mehr zum Fachmann für sozialen Wohnbau und setzte sich zunehmend für einen genossenschaftlichen Wohnungsbau ein. Ab 1900 war er Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser und leitete als solcher den Bau tausender sozialer Arbeiterwohnungen. Die von ihm entworfenen Wohnanlagen, wie etwa der Lobmeyrhof in Wien 16 (Wernhardtstraße 13-19, 1900/01), wurden in ihren riesigen Dimensionen mit Blockrandverbauung um Höfe und Gemeinschaftseinrichtungen für den späteren sozialen Wohnbau der Zwischenkriegszeit prägend.

Theodor Karl Bach - Theodor Karl Bach (1858-1938) studierte zwischen 1877 und 1883 an der Technischen Hochschule in Wien, wo er auch als Assistent für Hochbau tätig war. Er war 14 Jahre lang als Chefarchitekt der Wiener Baugesellschaft für viele Projekte verantwortlich. Er errichtete aber auch als selbstständiger Architekt, vor allem in Gemeinschaft mit seinem Studienkollegen Leopold Simony, zahlreiche Wohnbauten. Bach war unter anderem am Bau des Studentenheims der Universität für Bodenkultur in Wien 18 (Peter-Jordan-Straße 65, 1904) und des Wohn- und Geschäftshauses "Casa Piccola" in Wien 6 (Mariahilfer Straße 1b-d, 1896; mit Carl Schumann) beteiligt. Besonders hervorzuheben sind die von ihm gemeinsam mit Simony geplanten Volkswohnungen und Arbeiterwohnhäuser, wie etwa der Lobmeyrhof in Wien 16 (Wernhardtstraße 13-19, 1900/01).

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