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Vierthalergasse 11-17

Fakten

Vierthalergasse 11-17

Vierthalergasse 11-17, 1120 Wien

Baujahr: 1953-1954

Wohnungen: 174

Architekt: Hermann Stiegholzer

Weitere Adressen

Wilhelmstraße 20-24, 1120 Wien

Pinaglgasse 2, 1120 Wien

Rauchgasse 15-17, 1120 Wien

Dörfelstraße 1a, 1120 Wien

Wohnen in Wien

1945 waren rund 28 Prozent der Gebäude Wiens durch die Kriegshandlungen schwer beschädigt oder zerstört - im Hinblick auf den Wohnungsbau eine Phase, in der eine rasche Linderung der Wohnungsnot notwendig war. Infrastruktur fehlte völlig, das entsprechende Baumaterial ebenfalls. Die Stadtverwaltung beriet sich in einer "Enquete über den Wiederaufbau der Stadt Wien" und ab 1947 konnte die planmäßige Errichtung von Neubauten beginnen. Eine wichtige technische Errungenschaft, die aus Bauschutt Ziegel machte - die Vibro-Technik -, kam zum Einsatz. Mit dem Bau erster großer Wohnanlagen wie der Per-Albin-Hansson-Siedlung wurde Ende der 1940er-Jahre begonnen. Die 1948 mit dem Marshall-Plan durch die USA zugesicherte Wirtschafts- und Wiederaufbauhilfe war dringend nötig.

Geschichte

Auf dem Areal der Vierthalergasse befand sich der älteste Meidlinger Friedhof, der auf dem Platz der nunmehrigen Wohnhausanlage (vormals Volksschule) Vierthalergasse 11 errichtet worden war. Er musste 1806 geschlossen werden, da er "wegen steter Wasseransammlung unstatthaft befunden worden war". Michael Steinhaußer, "ein Tagwerger allhier", war laut dem Meidlinger Heimatbuch 1930 der "erste Erwachsene", der am 18. Jänner 1784 auf dem Friedhof bestattet worden war. Eine an diesen Friedhof erinnernde Grabtafel, deren Text in lateinischer Sprache abgefasst war, befand sich an der Innenseite der Aufbahrungshalle des heutigen Meidlinger Friedhofes. Sie dürfte im Zuge der Kriegshandlungen 1945 in Verlust geraten sein.

Die Architektur

Die Anlage ist zu einem Teil in Reihenbauweise ausgeführt und zum anderen Teil in Randverbauung. Sie besteht von der Vierthalergasse her gesehen aus vier viergeschoßigen Blöcken, die mit zweiachsigen Schmalseiten und Walmverdachung zur nach Norden abfallenden Gasse hin im gleichen Abstand zueinander eingestellt sind. In den Zwischenräumen sind Rasenflächen mit vereinzelten Bäumen.

Die drei ersten Blöcke sind nahezu identisch gestaltet mit zwei Stiegenaufgängen an der Nordseite, erweitert mit Aufzugstürmen und Paaren von Fensterachsen dazwischen und außen. Auf der Südseite gibt es zwei Balkonachsen, flankiert von jeweils zwei Fensterachsen. Alle Fenster sind mit grauen Putzrahmen umgeben. Sie heben sich von der gelben Färbung ab. Der erste Gebäudeblock unterscheidet sich von den beiden anderen insofern, als auf der Südseite anstatt der zwei Balkonachsen einachsige Erkerbänder vom ersten Obergeschoß bis zum Dach eingezogen wurden.

Der vierte Block liegt in Randverbauung mit einem kurzen Flügel parallel zu den drei anderen Blöcken an der Vierthalergasse und entlang der Rauchgasse. Sein sehr langer Flügel, der seitlich versetzt angeschlossen wurde, folgt der nach Südosten von der Rauchgasse abzweigenden Pinaglgasse und schließlich ein Stück der Wilhelmstraße. Zwischen den Flügeln wurde ein kurzer zweiachsiger Zwischenteil als Verbindung rechtwinkelig eingefügt. In diesem überdachten Zwischenteil befindet sich ein Bogendurchgang zum Hof mit einem Supraportenrelief darüber. Auf dem Vorplatz ist eine Brunnenplastik, Mutter mit Kleinkind, aufgestellt. Die lange Verbauung an der Pinaglgasse ist nach der ersten Stiegeneinheit, deren Eingang sich hofseitig befindet und ebenfalls ein Supraportenrelief hat, zweimal leicht nach Südosten abgewinkelt. Sie folgt dem ansteigenden Terrain der Pinaglgasse bis zur Wilhelmstraße und dort noch ein Stück deren Verlauf. Am Zusammenlauf der Straßen wird der Baukörper wegen der Geländestufe um ein Geschoß erhöht und bildet einen sechsachsigen Eckverbau aus, der gegenüber dem nochmals erhöht stehenden, fünfgeschoßigen Bau entlang der Wilhelmstraße zurückgesetzt eingestellt wurde. An der rechten unteren Ecke des vorspringenden zehnachsigen Fassadenteils an der Wilhelmstraße ist wiederum ein hochrechteckiger Durchgang mit einem darüberliegenden Supraportenrelief eingeschnitten. Auch durch ihn gelangt man in den begrünten Hof, der neben den Wegtrassen entlang der Hoffassade wieder zur Vierthalergasse hinunterführt. An der Hoffassade der Gebäudeteile an der Wilhelmstraße und an der Pinaglgasse sind nachträglich zwei verglaste Aufzugstürme eingestellt worden. In die Sattel- und Walmdächer sind abschnittsweise Dachgeschoßwohnungen eingebaut worden, deren Balkone mit großen viereckigen Öffnungen tief in das Dach eingeschnitten wurden. Die an die Randverbauung anschließenden Häuser an der nach Südwesten ansteigenden Wilhelmstraße ragen sehr tief in den Hof hinein.

... und die Kunst

Zwei Supraportenreliefs über den beiden Durchgängen zum Hof zeigen an der Wilhelmstraße eine "Taubengruppe" und am Platz Rauchgasse/Vierthalergasse den "Wassermann von Wilhelmsdorf" von Alfons Riedl. Ein weiteres Supraportenrelief von ihm ist über dem Eingang zur Familienberatungsstelle im Hof angebracht, genannt "Kinder mit Badeschwamm, Kamm und Zahnbürste".

Am Vorplatz, beim Zusammenlauf von Rauchgasse und Vierthalergasse, steht eine Brunnenplastik von Michael Dobril, genannt "Mutterglück".

Der Name

Die Vierthalergasse wurde nach Franz Michael Vierthaler (1758-1827) benannt. Dieser war Lehrer und Leiter des Kienmayerschen Waisenhauses in Wien ab 1806.

Prominente Bewohner

Im Haus an der Ecke Vierthalergasse/Rauchgasse wohnte von 1954 bis 1993 Lois Haeflinger, dem Zehntausende der Lagerinsassen von Mauthausen ihr Leben verdanken. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an ihn. Lois Haeflinger wurde am 30. Januar 1904 in Zürich geboren und starb am 15. Februar 1993 in Podbrezová, Slowakei. Er war ein Schweizer Bankangestellter, der im April 1945 eine Mission als Delegierter für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übernahm, um einen Lebensmitteltransport in das Konzentrationslager Mauthausen zu begleiten. Unmittelbar vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs verhinderte er die Sprengung des unterirdischen Flugzeugwerkes in St. Georgen und der Stollen bei den Konzentrationslagern von Gusen und somit die Ermordung zehntausender Häftlinge, indem er amerikanische Truppen benachrichtigte und in die Konzentrationslager Gusen und Mauthausen führte. Er wurde für diese Aktion als "Retter von Mauthausen" bekannt, vom IKRK jedoch wegen seines eigenmächtigen Handelns verurteilt und seines Amts enthoben. Er wanderte nach Österreich aus und wurde zweimal für den Nobelpreis vorgeschlagen. 1990 wurde er auch vom IKRK rehabilitiert.

Sanierung

von 2006 bis 2008

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 bis 2008 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Weiters wurden E-Steigleitungen, Waschküche und Balkone instandgesetzt, sowie Stiege 1-13 Aufzüge neu errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 23 neue Wohnungen. Die Gesamtkosten für die Sanierung betrugen 7.861.200 Euro, 6.341.105 Euro konnten durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Stiegholzer - Hermann Stiegholzer (1894-1982) studierte ab 1915 an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er nach kriegsbedingten Unterbrechungen 1924 bis 1926 die Meisterschule von Peter Behrens besuchte. Bereits Ende der 1920er-Jahre entstanden erste Wohnbauten nach seinen Entwürfen, wie etwa das Gemeindewohnhaus Gebauergasse 10 in Wien 21. In dieser Zeit ging Stiegholzer eine Arbeitsgemeinschaft mit Herbert Kastinger ein, in der vor allem Wohnhäuser entstanden. Wegweisend für ähnliche Bauaufgaben wurde das von ihnen geplante Arbeitsamt für Bauarbeiter (Herbststraße 6-10, Wien 16; nicht erhalten). In den 1950er-Jahren beteiligte sich Stiegholzer am Wiederaufbau und realisierte mehrere Wohnhäuser für die Gemeinde Wien.

Freie Lokale

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