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Münchenstraße 24

Fakten

Münchenstraße 24

Münchenstraße 24, 1120 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 29

Architekt: Otto Kollisch

Weitere Adressen

Kernstraße 11, 1120 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Münchenstraße war im 3. Viertel des 19. Jahrhunderts die südliche Grenze des Vororts Hetzendorf, das wie Meidling wahrscheinlich eine Schenkung des Markgrafen Leopold III. des Heiligen an das Stift Klosterneuburg war. Schon 1190 gelangte das Straßendorf als landesfürstliches Lehen in den Besitz des Deutschen Ordens. Hetzendorf wurde während der Türkenkriege schwer in Mitleidenschaft gezogen, es war im 16. Jahrhundert nur noch eine kleine Ansiedlung, die sich über das Areal des später gebauten Hetzendorfer Schlosses erstreckte. Erst unter Maria Theresia entwickelte es sich wieder zum Straßendorf. Diesen dörflichen Charakter behielt es noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bei. Von 1456 an war der Deutsche Ritterorden auch Grundherr in Hetzendorf. Nach ihm war die Münchenstraße bis 1955 "Deutschmeisterstraße" benannt. Dem Orden verdankt der Vorort Hetzendorf das Schwarze Kreuz im Wappen. Das Oberhaupt führte den Titel "Hoch- und Deutschmeister".

Die Architektur

Es handelt sich beim Volkswohnhaus Münchenstraße um eine L-förmige Eckverbauung, die zu beiden Seiten an Altbauten anschließt. Der längere Flügel an der Kernstraße beginnt viergeschoßig, es folgt ein dreigeschoßiger Bauteil, der um das Eck führt. Letzterer ist an der Kernstraße und an der Münchenstraße beinahe gleich lang. Langgezogene Rauchfänge betonten die Firstkante der abgewalmten Dachlandschaft. Mit Rauchfangabschrägungen hebt der Architekt das Ende des viergeschoßigen Bauteiles und die Ecke hervor. Der höhere Gebäudeabschnitt hat sieben Fensterachsen. Auffällig ist ein kubischer Dachaufbau über dem Kranzgesims. Dieser wird als flachgedecktes, einachsiges Dachhäuschen in das Dach zurückgeführt. Die Achse darunter wird aus kleinen, verdoppelten, quadratischen Nasszellenöffnungen gebildet. Der dreigeschoßige Flügel an der Kernstraße ist fünfachsig, die mittlere Achse zeigt wieder die verdoppelten Nasszellenöffnungen. An der Ecke ist auf dem breiten, geschlossenen Wandabschnitt die Gemeindebaubeschriftung appliziert. Kurz nach der Ecke springt in der Münchenstraße der Baukörper als seichter Risalit vor, der durch das stärker vorkragende Kranzgesims betont wird. An den äußeren Risalitachsen sind Balkone angebracht. Die mittlere der drei dazwischen liegenden Fensterachsen wiederholt das Motiv der verdoppelten Nasszellenöffnungen. Zum nördlwestichen Fassadenende hin wird der Risalit nur im Erdgeschoß weitergezogen. Eine Gesimsleiste trennt hier das Erdgeschoß von den darüberliegenden Geschoßen im Mauerrücksprung. Als Endakkord ist ein schön gestaltetes Portal eingelassen. Es ist mit Klinkerziegeln gerahmt, wie auch der gesamte Gebäudesockel mit solchen verblendet ist. Über einem gemauerten Flugdach, das auf die kräftigen kubischen Sohlbänke aller Fenster der Straßenfassaden abgestimmt wurde, ist eine große Oberlichte eingeschnitten. Die dreiflügelige Tür darunter ist mit Horizontalsprossen in den Seitenteilen und Diagonalsprossen im Mittelfeld der Verglasung aufwändig gestaltet. Früher hatte auch die Oberlichte diese Diagonalsprossen. Durch das Portal gelangt man in einen hellen, foyerartigen Durchgang, der über ein gleich wie vorne gestaltetes Tor in den schmalen, länglichen Hof führt. Hier befinden sich die Stiegenhäuser. Das erste liegt in einem Mauerrücksprung in der Ecke und ist um ein Geschoß über die Dachlinie des dreigeschoßigen Flügels hinausgezogen. Die zweite Stiege liegt im viergeschoßigen Flügel, in der Mitte eines seichten Risalits. Über dem Eingang befindet sich eine durchfensterte Mauervertiefung, die die Dachlinie durchbricht und in einem niedrigen Aufsatzgeschoß endet. An den Außenkanten des Risalits sind Balkone eingehängt, die rechts beim Anschluss an das Nebengebäude wie Loggien wirken, da eine vorkragende Seitenwand zum Nebengebäude hin dieses abschirmt und das Kranzgesims besonders weit vorragt.

Der Name

Die Münchenstraße heißt seit 1955 nach der bayrischen Hauptstadt, vorher hieß sie Deutschmeisterstraße.

Sanierung

von 2006 bis 2009

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 bis 2009 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Gesamtkosten betrugen 803.600 Euro, davon konnten 542.430 Euro durch Förderungen abgedeckt werden.

Architekten

Otto Kollisch - Otto Kollisch (1881-1951) studierte an der Technischen Hochschule Wien, wo er unter anderem die Bauschule bei Karl Mayreder und Karl König besuchte und 1907 die 2. Staatsprüfung ablegte. Ab 1912 besaß er die Baumeisterkonzession. Zu den wenigen von ihm vor dem Ersten Weltkrieg errichteten Bauwerken gehören die Wohnhäuser Einwanggasse 27 in Wien 14 (1912) und Semperstraße 58 in Wien 18 (1912). Das Wohnhaus Münchenstraße 24 in Wien 12 (1930) ist sein einziges bekanntes Werk für die Gemeinde Wien. Ende der 1930er-Jahre wanderte Otto Kollisch, der jüdischer Herkunft war, mit seiner Ehefrau in die USA aus. Die letzten drei Jahre vor seinem Tod war er als Architekt für die die New Yorker U-Bahn-Linien tätig.

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