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Oberleitengasse 1

Fakten

Oberleitengasse 1

Oberleitengasse 1, 1110 Wien

Baujahr: 1989-1991

Wohnungen: 91

Architekt: Diether S. Hoppe, Heinz Werderitsch

Weitere Adressen

Trinkhausstraße 2, 1110 Wien

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben geförderten Sanierungen hauptsächlich darauf, die Stadt im Nordosten und Süden zu erweitern (21.000 Wohnungen in vier Jahren). In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung wurden großflächig Siedlungsgebiete erschlossen, so zum Beispiel der Leberberg in Simmering. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den modernen Bevölkerungsstrukturen an, indem sie flexible Wohnungen auch für Alleinerziehende, ältere Menschen und Alleinstehende bieten. Zudem sparen sie durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Der älteste Siedlungskern von Simmering liegt im Bereich der heutigen Kobelgasse, westlich des Kirchberges mit der Laurenzkirche. Von dort entwickelte sich die Ansiedlung zu einem kleinen, 1028 erstmals urkundlich genannten Ort entlang der heutigen Mautner-Markhof-Gasse (ursprünglich Dorfstraße), wo sich in der Nähe des späteren Brauhauses bereits 1136 nachweislich ein Herrschaftshaus befand. Noch heute zeugt hier die geschlossene ebenerdige Verbauung vom einstigen dörflichen Charakter. Nach der Verwüstung durch die Türken 1683 begann sich das Siedlungsgebiet vom "Unteren Dorf" über die heutige Kopal- und Hauffgasse bis zum Geiselberg auszudehnen. Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Simmering durch die Ansiedlung großer Unternehmen zu einem Industrie- und Arbeiterbezirk. Die damit verbundene Errichtung zahlreicher Wohnhäuser band den Bezirk enger an das Stadtzentrum an.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus einem fünf Stiegenhäuser umfassenden, frei stehenden Baublock entlang der Oberleitengasse und einem dahinter, an der Ecke Trinkhausstraße/Leopold-Abelles-Gasse liegenden Gebäude, das hier an andere Wohnbauten anschließt. Die lange Hauptfront zur Oberleitengasse zeigt ein äußerst bewegtes Bild, was einerseits durch die leichte Schrägstellung der Gebäude zueinander verursacht wird, andererseits auch durch die spitz bzw. gerundet vorgezogenen Erker. Schlicht eingeschnittene Loggien brechen die an sich geschlossene Fassadenfront auf. Über dem markanten Dachgesims ragt leicht zurückversetzt das durchgehend ausgebaute Dachgeschoß auf. Hier sind die einzelnen Häuser auch in der Höhe leicht zueinander versetzt, wodurch - unterstützt durch die spitz verdachten und in Loggien aufgelösten Erker - eine sehr lebhaft bewegte Dachlandschaft entsteht. Die Ecke zur Leopold-Abelles-Gasse wird in einem spitzen Winkel massiv vorgezogen. Die abgerundeten Loggien, deren Form auch im geöffneten Abschluss des Dachgeschoßes übernommen wird, schwächen die Situation jedoch stark ab. Ein dezentes Farbkonzept strukturiert die deutlich ruhigere Rückfront. Die Stiegenhausachsen sind leicht hinter die Fassadenflucht zurückversetzt und turmartig überhöht. Die Gestaltung des Hintergebäudes folgt ähnlichen Prinzipien. Sind am Vordergebäude jedoch nur die Loggien an der Hauskante abgerundet, ist hier die gesamte Kante als eigener Baukörper gerundet abgesetzt.

Der Name

Die Straßenbezeichnung leitet sich von dem alten Flurnamen "Obere Leiten" ab.

Architekten

Diether S. Hoppe - Diether S. Hoppe (geb. 1938) studierte von 1959 bis 1965 Architektur an der Technischen Hochschule in Wien. In den Jahren 1966 bis 2004 war er an der Lehrkanzel für Hochbau und Entwerfen I an der Technischen Universität Wien tätig, im Jahr 1997 wurde ihm das "Goldene Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich" verliehen. Diether S. Hoppe arbeitet seit 1971 als freischaffender Architekt, jenem Jahr, in dem auch das Architekturbüro Hoppe - ein Familienbetrieb in der dritten Generation - gegründet wurde. Auswahl an Bauten: Wohnhaus Pokornygasse, Pokornygasse, 1190 Wien (1980); Wohnhaus der Gemeinde Wien, Hollergasse 21, 1150 Wien (1983-1985); Wohnhausanlage Wien XXII, Langobardenstraße, 1220 Wien (1996); Adaptierung der Reithalle Rennweg 89b, 1030 Wien (1996-1997); Wohnhaus Bennogasse 20, 1080 Wien (2005).

Heinz Werderitsch - Heinz Werderitsch (geb. 1941) studierte bis 1971 an der Technischen Universität Wien. Bereits während des Studiums arbeitete er im Atelier von Harry Glück mit. Später war er im Büro von Friedrich Euler und Herbert Thurner tätig. Während seiner Zeit im Atelier von Franz Requat und Thomas Reinthaller war er unter anderem an den Errichtungen des Sozialversicherungsgebäudes in Wien 3, Kundmanngasse 21 und des Gebäudes der Gebietskrankenkasse in Wien 10, Wienerbergstraße 15-19 beteiligt. Als selbständiger Architekt arbeitete Heinz Werderitsch vor allem im sozialen Wohnbau und im Hotel- und Gastronomiebereich. Ab den frühen 1980er-Jahren war er zudem 20 Jahre lang für die MA 21 (Stadtteilplanung und Flächennutzung) tätig.

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