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Gratian-Marx-Straße 4

Fakten

Gratian-Marx-Straße 4

Gratian-Marx-Straße 4, 1110 Wien

Baujahr: 1929-1929

Wohnungen: 13

Architekt: Alfred Wildhack

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Noch vor dem Pestjahr 1679 war das Umfeld im Süden und Osten Wiens bis nach Simmering, damals ein kleines Bauerndorf, und weiter bis zu den Donauauen ein ertragreiches Weinbaugebiet. Nach der Verwüstung durch die Türken 1683 vollzog sich im Ort ein Strukturwandel, der die Rückbildung zu Dorffluren mit vielen kleinteiligen Feldern zur Folge hatte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Simmering ein kleines Dorf. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Simmering durch den Zuzug großer Unternehmen, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, zu einem Industrie- und Arbeitervorort. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung waren die im Bereich der Simmeringer Hauptstraße 1-3 errichteten Rinnböckhäuser. Die heute noch zum Teil erhaltenen Häuser waren damals die zweitgrößte Wohnhausanlage Wiens und rückten Simmering ein Stück näher an die Stadt. 1892 wurden Simmering und Kaiserebersdorf sowie kleine Teile von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk Wien eingemeindet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage ist stark vom späthistoristischen Formenvokabular der Jahrhundertwende geprägt, wie es die benachbarten Gebäuden zeigen. Die Formen werden hier allerdings auf das Wesentliche reduziert. Die glatte Fläche drängt in den Vordergrund, wodurch ein leicht expressionistisches Bild entsteht. Der mittig gelegene Eingang wird von zwei großen Lokalöffnungen flankiert, die zwischen breiten Pfeilern liegen, auf denen ein massives Gebälk ruht. Beidseitig davon befindet sich im Erdgeschoß je ein mit einem Rundbogen eingefasstes Fenster. Die Fenster des ersten Oberschoßes sind schlicht in die glatte Wand eingeschnitten und nur mit Blumenkästen versehen. Darüber springt die Fassadenflucht leicht nach vorne. Zwei Nuten bilden eine zusätzliche Zäsur zu den oberen Stockwerken. Die äußersten Achsen sind hier als Spitzerker vorgezogen. Während die Fenster im zweiten Obergeschoß mit schlichten Gesimsen überdacht sind, werden sie im dritten Stockwerk von Blendbögen überfangen. Die Fenster der Mittelachse sind zudem in einen Rundbogen eingefasst, der über zwei Geschoße reicht. Das vorspringende Gesims und ein dezenter Dreiecksgiebel sorgen für eine zusätzliche Akzentuierung der Mittelachse. Bemerkenswert ist auch die vom Architekten vorgesehene Anordnung der Blumenkästen, die wohl den fehlenden Dekor ersetzen sollen. Bekrönt wird die Fassade von einem gestuften Attikageschoß mit Dreiecksgiebel. Die turmartig vorgezogene und überhöhte Stiegenhausachse dominiert die Rückfront. Auf beiden Seiten sind Balkone angebracht, die die Wohnungen zum begrünten Hof hin öffnen.

Der Name

Die Gratian-Marx-Straße wurde 1905 nach dem Piaristenpriester Gratian Marx (1721-1808) benannt. Marx war Pfarrer an der Kirche Maria Treu in Wien 8 sowie Domprobst zu Leoben. Außerdem gilt er als Reformator des Mittelschullehrplans.

Sanierung

von 2011 bis 2013

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2011 bis 2013 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und der Fassade (teilweise Wärmedämmverbundsystem). Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt.

Architekten

Alfred Wildhack - Alfred Wildhack (1869-1939) studierte bis 1892 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule von Carl Hasenauer besuchte. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in Budapest wurde er 1896 leitender Architekt im Büro von Franz von Neumann in Wien, dem wichtigsten Architekten des Semmering-Gebietes. 1899 schloss sich Wildhack als freischaffender Architekt mit Robert Morpurgo zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Ihr bedeutendster Auftrag war der Um- und Ausbau des Südbahnhotels am Semmering. Zahlreiche Villen sowie weitere Hotelbauten im florierenden Sommerfrischegebiet folgten, die Wildhack nach der Trennung von Morpurgo und als Nachfolger von Neumann alleine ausführte. In Wien wurde neben mehreren Mietshäusern auch das Sanatorium Hera (Löblichgasse 14, Wien 9) nach seinen Plänen errichtet.

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