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Antonsplatz 14-15

Fakten

Antonsplatz 14-15

Antonsplatz 14-15, 1100 Wien

Baujahr: 1955-1957

Wohnungen: 109

Architekt: Paul Widmann, Walther Raschka

Weitere Adressen

Angeligasse 18b, 1100 Wien

Wirerstraße 3-5, 1100 Wien

Angeligasse 18, 1100 Wien

Angeligasse 18a, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die trapezförmige Anlage befindet sich südlich vom Reumannplatz und ist mit diesem durch die axial ansteigende Neusetzgasse verbunden. Innerhalb der Grünanlage steht etwas erhöht die Antoniuskirche, die 1896 bis 1901 von Gustav Neumann erbaut wurde. Der Antonsplatz wurde im Zweiten Weltkrieg mehrmals durch Bombentreffer beschädigt, auch die Kirche wurde zweimal voll getroffen. Von dem Verband vier- bis fünfgeschoßiger Zinshäuser, die gegen Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts hier errichtet wurden, ist heute nur mehr ein Bruchteil vorhanden. Die städtische Wohnhausanlage, von der ein Teil zum Antonsplatz (Inzersdorfer Straße) hin orientiert ist, ist einer jener Baulückenschließungen, die anstelle der im Krieg zerstörten Wohnhäuser entstand. Die Neubauten bilden gemeinsam eine große, zusammenhängende Wohnhausanlage, die im Westen an bereits früher errichtete Wohnhäuser der Stadt anschließt.

Die Architektur

Die sechsgeschoßige Wohnhausanlage besteht aus drei frei stehenden Gebäudetrakten, die an verschiedenen Straßenzügen in einem gründerzeitlichen Viertel als Baulückenschließungen konzipiert wurden. Zwei der Trakte liegen in paralleler Ausrichtung an der Inzersdorfer Straße (Antonsplatz) und der Angeligasse; der dritte, etwas kleinere Baublock umfasst die Stiegen 3 und 4 an der Wirerstraße.

Zwischen den beiden Baublöcken an der Angeligasse befindet sich der offene Durchgang in den Hof, von dem aus alle sechs Stiegen bzw. 109 Kleinwohnungen erschlossen werden. Die einfachen Fenster sowie die in die Höhe gestaffelten Baukuben mit dem zentrierten Dachgaubenverband stellen die wesentlichen Merkmale dar. Die Fassaden sind nüchtern und ohne jegliche Profilierung im Mauerwerk gestaltet. Aufgrund der fast durchgehend gleichen Achsenreihung wirken die Gebäude rasterförmig. Nur die halbstockversetzten Öffnungen der Stiegenhäuser durchbrechen die Uniformität. Hie und da sorgen französische Fenster für eine Belebung der schlichten Fassaden. Und nicht zuletzt wird die Einförmigkeit durch den Einsatz kräftiger Farbakzente an den Fassaden aufgelockert und es entsteht eine bewusste Abgrenzung der einzelnen Baublöcke untereinander.

... und die Kunst

An der Hofinnenseite des zum Antonsplatz gerichteten Gebäudetraktes befinden sich jeweils über den Eingängen zu den Stiegen 1 und 2 die beiden bunt schraffierten Wandmosaike "Fisch" und "Schmetterling" des Malers und Kunstprofessors Emmerich Schaffran (1883-1962). Ecke Wirerstraße/Angeligasse ziert das Wandbildrelief "Wandernde Jugend" der Keramikerin Hertha Bucher (1898-1960) die Stirnseite des Gebäudes.

Der Name

Der Antonsplatz erhielt seinen Namen 1897 nach der dem Hl. Antonius von Padua (1759-1813) geweihten Pfarrkirche, einem monumentalen Kuppelbau mit byzantinischen Stilelementen (errichtet von Gustav Neumann um die Jahrhundertwende nach dem Vorbild der Markuskirche in Venedig).

Prominente Bewohner

Die Schauspielerin und spätere Schachmeisterin Hélène Mira, geboren 1954 in Wien als Hélène Misera, wohnte Mitte der 1970er-Jahre auf Stiege 5. Ihre Bühnenkarriere begann am Volkstheater in Wien, später trat sie auch in Klagenfurt und Nürnberg auf und war 25 Jahre am Vorarlberger Landestheater engagiert. Zu ihren größten Erfolgen zählen die "Elisabeth" in "Maria Stuart" und "Frau John" in "Ratten". Heute lebt Mira in Bregenz und leitet dort eine Schachwerkstatt.

Sanierung

von 2005 bis 2006

Die Sanierung der Wohnhausanlage erfolgte in zwei Etappen 1988/89 und 2005/06. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen und das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 744.320 Euro, davon konnten 292.262 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Paul Widmann - Paul Widmann (1913-2006) studierte von 1931 bis 1936 an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem plante er zusammen mit Walther Widmann für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Antonsplatz 14-15 in Wien 10 (1955-1957) und in einer größeren Arbeitsgemeinschaft den Hugo-Breitner-Hof in Wien 14, Linzer Straße 299-325 (1949-1956).

Walther Raschka - Walther Raschka (1891-1971) studierte an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er plante unter anderem die Wohnhausanlagen in der Dornbacher Straße 84a (Wien 17), in der Max-Emanuel-Straße 13 (Wien 18; zusammen mit Ernst Egli) sowie in der Rupertgasse 5-7 (Wien 14).

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