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Rechberggasse 16-20

Fakten

Rechberggasse 16-20

Rechberggasse 16-20, 1100 Wien

Baujahr: 1953-1955

Wohnungen: 204

Architekt: Bruno Tinhofer, Karl Zepke, Otto Pesek, Rudolf Bazalka

Weitere Adressen

Klausenburger Straße 32-36, 1100 Wien

Rissaweggasse 1-13, 1100 Wien

Troststraße 5-9, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das trapezförmige Grundstück zwischen Troststraße, Rechberggasse, Klausenburger Straße und Rissaweggasse befand sich ursprünglich im Besitz des Roten Kreuzes/Landesverband NÖ. Vor der Errichtung der Wohnhausanlage wurde das von der Stadt Wien 1953 angekaufte Areal als Kleingartensiedlung "Hubertus" genutzt.

Die Architektur

Die große Wohnhausanlage wurde auf der Parzelle Rissaweggasse/Rechberggasse auf leicht ansteigendem Terrain errichtet. Von den insgesamt sechs Blöcken sind vier Häuser an der Rissaweggasse und der Troststraße in Randverbauung, die beiden Gebäude an der Rechberggasse in Riegelverbauung gruppiert. Durch diese aufgelockerte Anordnung entstehen Durchgänge an der Rechberggasse sowie eine breite Öffnung zur Klausenburger Straße mit Einblicken in den parkartig begrünten Innenhof.

Entlang der Rissaweggasse ist die Bauflucht durch mehrere Rücksprünge der Bauten rhythmisiert. Der Bauteil an der Troststraße bildet mit dem Nachbarbau einen kleinen Vorplatz. Hier befinden sich Geschäftslokale sowie Ecke Troststraße/Rechberggasse ein Gasthaus. Alle Gebäude sind fünfgeschoßig und mit einem Satteldach und einer glatten Fassade ausgestattet. Kubisch an die Außenfront gesetzte, kastenartige Bauteile fassen die Balkone zu einer optischen Einheit zusammen. Dekorative Wandbilder an den Stirnseiten der Häuser in der Rechberggasse zeigen Motive aus der Favoritner Arbeitswelt und dem Themenkreis Familie. Oberhalb der Geschäftszone an der Ecke Rissaweggasse/Troststraße befindet sich ein monumentales Mosaik.

... und die Kunst

In dem kleinen Vorgarten an der Klausenburger Straße steht die Terrakotta-Plastik "Junges Mädchen" (1955) von Hilde Uray. An zwei Gebäuden in der Rechberggasse findet sich jeweils ein Wandbild in Sgraffitotechnik: Die Arbeit von Angela Varga-Weiss zeigt ruhende Arbeiter, jene von Susanne Peschke-Schmutzer einen stilisierten Lebensbaum (1956). Marianne Fieglhuber-Gutscher schuf ein überlebensgroßes, mehrfarbiges Mosaik (1956), das eine Familie darstellt.

Der Name

Die Rechberggasse ist nach dem österreichischen Diplomaten Johann Bernhard Graf von Rechberg (1806-1899) benannt, der von 1859 bis 1964 österreichischer Außenminister und bis 1861 Ministerpräsident war.

Sanierung

von 1996 bis 1996

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1986 bis 1988 wurde die Wohnhausanlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten dafür beliefen sich auf 248.032 Euro, davon konnten 198.426 Euro durch Förderungen gedeckt werden. 1996 folgte eine weitere Sanierung. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Bruno Tinhofer - Bruno Tinhofer (1924-2005) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Lois Welzenbacher, wo er später auch als Hochschulassistent tätig war. Neben dem Wohnbau gehörte vor allem auch der Schulbau zu seinem Schaffensschwerpunkt. Zu seinen Bauten zählen unter anderem die Volkshochschule am Arthaberplatz 18 in Wien 10 (mit Eduard Berger, Leopold Tinhof, 1960/61) und das Wohnhaus Rainergasse 6-8 in Wien 4 (1975-81).

Karl Zepke - Karl Zepke (1919) war nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien als selbständiger Architekt tätig. Zepke nahm an größeren städtebaulichen Wettbewerben - wie etwa für die Per-Albin-Hanson-Siedlung (1947) in Wien - teil. Er plante zahlreiche Industrie- und Gewerbebauten sowie Wohnhausbauten. Für die Gemeinde Wien war er beim Bau der Wohnhausanlage Troststraße/Rechberggasse im 10. Bezirk beteiligt.

Otto Pesek - Otto Pesek (1923-2005) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an der Planung der Wohnhausanlage Rechberggasse 16-20 in Wien 10 (1953-1955) beteiligt.

Rudolf Bazalka - Rudolf Bazalka (1916-2004) studierte von 1936 bis 1942 Architektur bei Franz Schuster und Carl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Als selbständiger Architekt entwarf Bazalka unter anderem die Gemeindebauten Kahlgasse 9-11 in Wien 21 (1952/53) und Bessemerstraße 10-16 in Wien 21 (zusammen mit Othmar Augustin, 1957-1959). Außerdem war er in einer größeren Architektengemeinschaft an der Errichtung der kommunalen Wohnhausanlage Goldschlagstraße 148-158 in Wien 14 beteiligt (ab 1951).

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