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Troststraße 8-16

Fakten

Troststraße 8-16

Troststraße 8-16, 1100 Wien

Baujahr: 1955-1957

Wohnungen: 203

Architekt: Martin Sauer, Ernst Berg, Alexander Kratky, Leopold Tinhof

Weitere Adressen

Wirerstraße 7-13, 1100 Wien

Angeligasse 15-17, 1100 Wien

Angeligasse 17a, 1100 Wien

Angeligasse 17b, 1100 Wien

Angeligasse 17c, 1100 Wien

Rechberggasse 8-12, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Obwohl die gerade verlaufende Troststraße eine wichtige West-Ost-Achse im Bezirk Favoriten bildete, blieb der Teil östlich der Laxenburger Straße bis in die 1950er-Jahre nur locker verbaut. Bedingt durch die massiven Kriegsschäden und die daraus entstandene Wohnungsnot wurden die Gärten und Kleingartenanlagen in diesem Bereich ab 1955 mit Wohnhäusern verbaut.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage entstand auf einem Grundstück begrenzt von Troststraße, Wirerstraße, Angeligasse und Rechberggasse. Die auf leicht ansteigendem Terrain errichtete Anlage besteht aus vier Gebäuden mit insgesamt 12 Stiegen in Blockrandverbauung um einen rechteckigen Innenhof. Ein älteres gründerzeitliches Wohnhaus an der Ecke Troststraße/Rechberggasse wurde in den Zeilenverband integriert. Zwischen den Blöcken öffnen breite Durchlässe den Weg zum gartenartig angelegten Innenhof, im Durchlass zur Troststraße hin befinden sich zwei freistehende, eingeschoßige Garagengebäude.

Die Wohnhäuser sind fünfgeschoßig mit flachen Walmdächern und zum Teil ausgebauten Dachgeschoßen. Sämtliche Fassaden wurden mit Platten verkleidet; diese Verkleidung ergibt zusammen mit den vertikalen, regelmäßigen Fensterbändern eine rasterartige Gliederung. Die turmartigen Trakte für die Personenaufzüge an den einzelnen Stiegen wurden hof- bzw. straßenseitig 1979 im Nachhinein angebaut.

Der parkartig gestaltete Innenhof bietet Spielplätze und Ruhezonen. Hier steht auch eine Tierskulptur aus Stein. Zusammen mit den an den Stirnseiten der Wohntrakte angebrachten Wandbildern wird die erholsame Atmosphäre der Natur vermittelt.

... und die Kunst

Hinter einem Busch im Innenhof steht eine lebensgroße Natursteinplastik. Das Känguru mit einem Jungtier im Beutel ist ein Werk von Alfons Loner.
An den Schmalseiten der Stiegen 1, 4 und 8 schmücken große Wandbilder die Gebäude. Das Mosaik von Sepp Mayrhuber zeigt eine Wiese (1955), die beiden Arbeiten in Sgraffito-Technik von Ernst Müller die Tier- und Pflanzenwelt des Laaer Berges (1955/56).

Der Name

Die Troststraße wurde 1894 (vorher: Marxergasse und Schaumburgerstraße) nach dem Fleischhauer und Hausbesitzer Martin Trost (1831 - 1893) benannt. Der gebürtige Bayer gehörte der Liberalen Partei an, war einer der ersten Wiener Gemeinderäte aus Favoriten (1875 - 1893) und Vorsitzender des Favoritner Ortsschulrates.

Sanierung

von 1996 bis 1998

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1986 bis 1988 und 1996 bis 1988 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 813.863 Euro, davon konnten 539.741 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Martin Sauer - Martin Sauer (geb. 1916) studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Während des Zweiten Weltkriegs kam er nach Wien und legte hier die Zivilingenieursprüfung ab. Martin Sauer war vor allem im Bereich Wohnbau tätig. Für die Gemeinde Wien entwarf er zusammen mit Robert Zeidner unter anderem die 1964 bis 1966 errichteten Wohnhausanlagen Ketzergasse 26 und Ketzergasse 56 in Wien 23.

Ernst Berg - Ernst Berg (1921-2008) studierte ab 1939 zunächst Maschinenbau an der Technischen Hochschule Wien, bevor er zum Architekturstudium wechselte, das er 1949 mit der 2. Staatsprüfung abschloss. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Erdbergstraße 126-130 in Wien 3 (1962/63) und Krottenbachstraße 104 in Wien 16 (1966/67).

Alexander Kratky - Alexander Kratky (1900-1961) studierte zunächst von 1920 bis 1926 an der Technischen Hochschule Wien und wechselte im Anschluss an die Technische Hochschule Graz. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa an den Anlagen Spittelbreitengasse 23 in Wien 12 (1954/55) und Troststraße 8-16 in Wien 10 (1955-1957). Das Wohnhaus Marinelligasse 10 in Wien 2 (1952-1957) entwarf Kratky als eigenständige Arbeit.

Leopold Tinhof - Leopold Tinhof (1919-2000) studierte ab 1947 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sein Atelier hatte Leopold Tinhof in Eisenstadt, wo er vorwiegend tätig war. Für die Gemeinde Wien plante er in Arbeitsgemeinschaften unter anderem den Brunngraberhof in Wien 10, Arthaberplatz 12-15 (1957-1959), und den Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966). Zusammen mit Eduard Berger und Bruno Tinhofer entwarf Leopold Tinhof auch die Volkshochschule Favoriten, Arthaberplatz 18 (1960/61).

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