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Randhartingergasse 17

Fakten

Randhartingergasse 17

Randhartingergasse 17, 1100 Wien

Baujahr: 1908-1908

Wohnungen: 26

Architekt: Albrecht Michler

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Der große Bau an der Quellenstraße wurde 1907 als Volks- und Bürgerschule der Stadt Wien errichtet. Der Komplex der ehemaligen Schule reicht von der Randhartingergasse bis in die Kempelengasse und verfügte im Innenhof über eine große Turnhalle. Nach schwerer Beschädigung zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schulgebäude geteilt und der Bauteil Ecke Quellenstraße/Randhartingergasse in einen Wohnbau der Gemeinde Wien umgewidmet. Durch Einzug von Trennwänden und den Einbau von sanitären Anlagen konnten Anfang der 1950er-Jahre 27 Wohnungen hergestellt werden. Die Turnhalle im Hof wurde im Zuge dieser Umbaumaßnahmen abgetragen.

Die Architektur

Die an der Ecke Randhartingergasse/Quellenstraße gelegene Wohnhausanlage wurde in dem Gebäude der 1908 errichteten Volks- und Bürgerschule eingerichtet. Die ursprüngliche, auf die Quellenstraße ausgerichtete Hauptfront der Schule war reich mit spätklassizistischem und sezessionistischem Dekor überzogen. Sich über die beiden ersten Obergeschoße erstreckende Säulen bzw. Pilaster dominierten den leicht vorgezogenen Mittelrisalit. Kannelierte Pilaster zierten das oberste Geschoß, über dem einst ein geschwungener Giebel hochragte. Auch an den weniger plastisch durchgebildeten Seitenteilen bestimmten Säulen und Pilaster die Fassadenstruktur, zwischen denen schlichte, geometrische Motive eingesetzt waren. Noch heute ist der leicht vortretende, fensterlose Eckrisalit zu erkennen, der von der Quellenstraße zur Randhartingergasse überleitet. Dieser war durch rustizierte und phantasievoll geformte Wandfelder besonders hervorgehoben und an beiden Straßenseiten von Dreiecksgiebeln bekrönt. Auch die ursprünglich betont hervorgehobene Eingangsachse an der Randhartingergasse ist heute noch etwas vor die Fassadenflucht gezogen. Sie wurde einst von einer über dem Dachgesims ansetzenden Balustrade akzentuiert. Beim Wiederaufbau in den 1950er-Jahren verzichtete man auf die Rekonstruktion des Fassadendekors. Stattdessen wurde die acht Fensterachsen umfassende Fassade zur Quellenstraße mit einem kleinteiligen Raster von Nuten durchzogen. Ein schlichtes Gesimsband setzt das Erdgeschoß ab, in dem durch seine vertikale Nutung ein Motiv der ursprünglichen Fassadenstruktur aufgenommen wird. Die Front zur Randhartingergasse ist ähnlich gestaltet. Bemerkenswert sind die kleinen Fensterpaare in der Eingangsachse, die von der früheren Gestaltung übernommen wurden.

Der Name

Die Gasse wurde 1896 nach Benedikt Randhartinger (1802 - 1893) benannt. Randhartinger war zu seiner Zeit ein angesehener Tenorsänger und Komponist in Wien. Er gehörte dem Kreis um Franz Schubert an und war von 1862 bis 1866 Hofkapellmeister.

Sanierung

von 2014 bis 2016

Bei der Sanierung der Wohnhausanlage wird unter anderem das Dach neu gedeckt, die Fenster und Türen getauscht bzw. erneuert sowie die Fassade gedämmt. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Albrecht Michler - Albrecht Michler (1877-1956) absolvierte die Staatsgewerbeschule in Wien, bevor er von 1900 bis 1903 bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte. 1905 erlangte Michler die Baumeisterkonzession und gründete mit seinem Studienkollegen Friedrich Mahler ein eigenes Unternehmen, dem 1910 auch Karl Krepp beitrat. Bis zum Ersten Weltkrieg konnten sie mehrere bedeutende Projekte realisieren, wie etwa das Post- und Telegraphenamt in Wien 4, Taubstummengasse 7-9 (1909) und die Zentralberufsschule in Wien 6, Linke Wienzeile 180 (1909-1911). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Firma mangels Aufträgen aufgelöst.

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