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Dampfgasse 18-20

Fakten

Dampfgasse 18-20

Dampfgasse 18-20, 1100 Wien

Baujahr: 1968-1970

Wohnungen: 103

Architekt: Erich Sulke, Jaro K. Merinsky

Weitere Adressen

Van-der-Nüll-Gasse 5, 1100 Wien

Leebgasse 4, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Nicht unweit der Wohnhausanlage und an den Verlauf der Dampfgasse angrenzend, liegt auf dem Gelände des früheren Katholischen Friedhofs von Matzleinsdorf der heutige Waldmüllerpark. Kaiser Joseph II. ließ aus hygienischen Gründen alle Friedhöfe innerhalb des Linienwalls zusperren. Der Friedhof wurde 1922 in einen Park umgestaltet und am 23. Oktober 1923 durch Bürgermeister Jakob Reumann eröffnet. Erhalten geblieben sind Bäume und Alleen, die wichtigsten und bedeutendsten Grabsteine wurden restauriert. Unter anderem befinden sich hier die Grabstätten von Carl Adam Kaltenbrunner, Johann Nepomuk Ender, Josef Staudigl, Johann van Beethoven und dem Namensgeber der Parkanlage, Ferdinand Georg Waldmüller. Auf dem Gelände der ehemaligen Friedhofsgärtnerei, gegenüber dem Pölzerhof in der Dampfgasse 35-37, befindet sich ein nach Plänen Hugo Mayers in den Jahren 1923 bis 1925 errichtetes Kindertagesheim der Stadt Wien, das 1987 saniert wurde und heute einen Kindergarten beherbergt.

Die Architektur

Die siebengeschoßige Wohnhausanlage erstreckt sich in Rechteckform entlang von drei Straßenzügen (Dampfgasse, Van-der-Nüll-Gasse, Leebgasse) und umfasst vier Stiegen mit 103 Wohneinheiten. Stiege 1 grenzt direkt an die Leebgasse und beherbergt im Erdgeschoß die Räume der Wiener Gebietskrankenkasse. Die drei restlichen Stiegen liegen abseits der Leebgasse mit hofseitigem Eingang in Richtung Van-der-Nüll-Gasse; davor befindet sich ein Parkplatz.

Loggien- und Erkergruppen gliedern die nach Osten und Westen ausgerichteten Fassaden an der Leeb- und der Van-der-Nüll-Gasse. Die einheitliche Achsenreihung mit abwechselnd quer- und hochrechteckigen Fenstern setzt dabei rhythmische Akzente. Die einzelnen Stiegen werden durch das Zurück- und Vorspringen der Wohntrakte betont. An der Van-der-Nüll-Gasse sind die Stiegenhäuser mit Liftüberhöhung durch zahlreiche Glasbauelemente transparent gestaltet.

Die Stirnseite in der Dampfgasse weist eine gleichmäßige, zweiachsige Fensterreihung auf. Die Fassaden sind mit Terranova-Reibputz weiß gestrichen, ein Satteldach schließt das Gebäude nach oben hin ab.

Der Name

Die Dampfgasse, eine seit 1862 bestehende Verbindung zwischen der heutigen Hasengasse und der Laxenburger Straße, verdankt ihren Namen den hier ansässigen Fabriken, die im 19. Jahrhundert mit Dampfmaschinen arbeiteten.

Sanierung

von 2001 bis 2002

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 und 2002 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen und das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 840.100 Euro, davon konnten 201.210 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Erich Sulke - Erich Sulke (geb. 1929) studierte von 1948 bis 1956 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als Architekt war er sowohl im Gewerbe- als auch im Wohnbau tätig. Zusammen mit Jaro K. Merinsky plante Erich Sulke etwa die Wohnhausanlage Dampfgasse 18-20 in Wien 10 (1968-1970). Die Ausstellungshalle des Autohauses Troststraße 109-111 in Wien 10 entwarf er eigenständig.

Jaro K. Merinsky - Jaroslav Karl Merinsky (geb. 1895 in Sarajevo, verst. 1978 in Linz) erhielt seine Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie an der Technischen Hochschule Wien. An der TH Wien stand er auch von 1956 bis 1957 der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur als Dekan vor und bekleidete von 1962 bis 1963 das Amt des Rektors. Anschließend war Merinsky von 1964 bis 1967 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlagen Rainergasse 26-28 in Wien 4 (1950-1951, mit Carl Rössler) und Heiligenstädter Straße 167-171 in Wien 19 (1960).

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