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Erdberger-Hof

Fakten

Erdberger-Hof

Drorygasse 19-23, 1030 Wien

Baujahr: 1921-1922

Wohnungen: 61

Architekt: Karl Schmalhofer

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Wohnbau wurde auf dem ehemaligen Gelände der "Wällischen Gärten" errichtet, die bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Versorgungsfaktor für die Wiener Bevölkerung waren. Die Gründe gehörten zum Besitz der aus Verona stammenden Oria della Scala. 1445 schenkte sie die Gartenanlagen dem Augustinerorden. Zum Gedenken an die aus dem "Welschland" stammende Stifterin wurden diese bis zur Verbauung ab Mitte des 19. Jahrhunderts als "Wällische Gärten" bezeichnet.

Die Architektur

Der lang gestreckte Bau wird von der Straße durch drei Eingänge erschlossen. Das zentrale Portal ist rechteckig in die flache Fassade eingelassen und wird nur durch kannelierte Wandvorlagen umrahmt. Die runden Seitenportale sind leicht vor die Fassade gezogen und mit schlichten Dreiecksgiebeln versehen. Sie werden von jeweils vier kannelierten Pilastern flankiert, die über drei Geschoße reichen und ein Gebälk mit aufgesetzten Kugeln tragen. Die Fensterachsen seitlich davon werden von feinen Rundbögen umgeben. Durch den Ausbau des Dachgeschoßes direkt über den Seitenportalen wird die lange, monotone Fassade zusätzlich blockartig gegliedert.

... und die Kunst

Die äußerst dünn aufgetragenen Dekorationselemente orientieren sich vor allem an der klassizistischen Formensprache. In den Kugeln und den scharf eingeschnittenen Dreiecksgiebeln verweisen sie allerdings schon auf den Expressionismus der nur wenig später entstehenden benachbarten Gemeindebauten.

Der Name

Der Erdbergerhof ist die älteste Wohnhausanlage der Gemeinde Wien im 3. Bezirk. Er ist nach der ehemaligen Vorstadt "Erdberg" benannt, welche bereits 1192 bei der Gefangennahme von Richard Löwenherz als "Ertpurch" (Erdburg) Erwähnung fand. 1850 wurde Erdberg dem 3. Bezirk eingegliedert.

Sanierung

von 1995 bis 1999

Der Erdberger-Hof wurde in den Jahren 1995 bis 1999 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.139.400 Euro, davon konnten 469.110 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Schmalhofer - Karl Schmalhofer (1871-1960) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Architekt des Wiener Stadtbauamtes errichtete er zahlreiche Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Sein bedeutendstes Werk ist das gemeinsam mit Otto Nadel erbaute Amalienbad (Wien 10, Reumannplatz).

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