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Triester Straße 85

Fakten

Triester Straße 85

Triester Straße 85, 1100 Wien

Baujahr: 1929-1932

Wohnungen: 153

Architekt: Silvio Mohr, Robert Hartinger

Weitere Adressen

Raxstraße 113, 1100 Wien

Altdorferstraße 2-8, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

An der wichtigen Ausfallstraße nach Süden, in Verlängerung der Kärntner Straße, befand sich auf der Höhe des Wienerberges bis 1868 auch die Richtstätte der Stadt Wien. Erst Ende des 19. Jhs. wurden die bis dahin landwirtschaftlich oder als Ziegelgruben genutzten Gründe verplant. Das Grundstück an der Raxstraße südlich des Wasserturmes befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Besitz der Wiener Ziegelfabriks-GesmbH, und war an die Zimmerei Havlicek verpachtet. Hier, dem George-Washington-Hof gegenüber und in unmittelbarer Nachbarschaft der so genannten "Gartenstadt am Wienerberg", die etwa zur gleichen Zeit von Silvio Mohr entworfen wurde, entstand auf einem Eckgrundstück eine Anlage mit Kleinwohnungen, die in zwei Bauabschnitten von 1929-1930 und 1932-33 ausgeführt wurde.

Die Architektur

Silvio Mohr und Robert Hartinger planten eine an der Altdorferstraße geöffnete Blockrandverbauung um einen rechteckigen Innenhof. Die Gebäude sind stufenartig gestaffelt drei- bis fünfgeschoßig der Hanglage folgend und haben Walmdächer mit zum Teil ausgebauten Mansarden.

Während die vierflügelige Anlage an den Seiten Triester Straße, Raxstraße und Altdorferstraße geschlossene Baufluchten zeigt, ist die Front zur südlichen Altdorferstraße durch zwei pavillonartig erscheinende Gebäudeteile geöffnet. Über Vorgärten mit gerundeten Abschlusskanten wird der Zugang zum parkartigen Innenhof mit altem Baumbestand gelenkt.

An den Fassaden der beiden symmetrischen dreigeschoßigen Bauteile verweisen verandenartige Ecklösungen mit expressionistischen Gestaltungdetails, wie gefelderten Ziegeldekorationen und Majolikatafeln, an das ehemals am Wienerberg hergestellte Produkt. Auch an den gekuppelten dreiteiligen Mittelfenstern dieser Fassade ist der Bezug zur Ziegelherstellung durch einen verbindenden Ziegelbalken sichtbar gemacht.

Die Fassaden an der Triester Straße und der Raxstraße gehören zum 2. Bauabschnitt zwischen 1932 und 1933 und sind sachlicher gestaltet. Hier gliedern regelmäßig verteilte, geschoßweise getrennt übereinander gestapelte, leicht vortretende Vertikalachsen die Gebäudefront. Sie sind farblich von der übrigen Wandfläche abgesetzt und markieren die Treppenhäuser der vom Innenhof aus begehbaren Wohneinheiten.

Die Gebäudekante an der Ecke Raxstraße/Wienerbergstraße wurde abgeschrägt, was die platzartige Erweiterung der großen Kreuzung bewirken sollte. An dieser markanten Seite befand sich der Zugang zum Versammlungslokal der Sozialistischen Partei.

... und die Kunst

An der Ecke Altdorferstraße/Wienerbergstraße befindet sich ein großes Mosaikbild aus gebrannten Keramiktafeln. Es zeigt einen Ritter und die Sagengestalt der Spinnerin am Kreuz. Die Arbeit ist signiert und trägt das Datum 1938.

Der Name

Die Triester Straße, bereits in der Römerzeit nachweisbar, wurde unter Karl VI. (1711-1740) als Reichsstraße neu angelegt und hieß ursprünglich Neustädter Poststraße. Seit 1883 trägt sie den Namen des ehemaligen k.u.k. Marinehafens Triest.

Sanierung

von 1988 bis 2010

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen wurde die Wohnhausanlage bereits 1988/89 an die Fernwärme Wien angeschlossen. In den Jahren 2006 bis 2010 wurde eine weitere Sanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 3.025.329 Euro, 745.277 Euro konnten durch einen Landeszuschuss gedeckt werden.

Architekten

Silvio Mohr - Silvio Mohr (1882-1965) studierte von 1901 bis 1909 an der Technischen Hochschule Wien, wo er später auch lange Zeit Assistent an der Lehrkanzel für Hochbau war und bis 1944 an verschiedenen Instituten lehrte. Zudem war Mohr, dessen besonderes Interesse der Gartenstadt galt, seit 1911 auch als freiberuflicher Architekt tätig und führte eine Bürogemeinschaft mit Robert Hartinger, mit dem er an zahlreichen Siedlungsprojekten beteiligt war, wie etwa an den Siedlungen "Stachant" in Wien 16 (Gallitzinstraße 15-73, ab 1922) und "Dorrek-Ring" der Österreichischen Tabakregie in Schwaz in Tirol (ab 1936). Sein bemerkenswertestes Werk ist aber die mit Ferdinand Fuchsik geplante Kristall-Eisfabrik in Wien 20 (Pasettistraße 71-75, 1925/26). 1944 zog er nach Osttirol, wo er weiter als Architekt tätig war.

Robert Hartinger - Robert Hartinger (1875-1939) studierte von 1894 bis 1899 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Bereits 1900 trat er in den Dienst der k.k. Staatsbahndirektion, wo er bis 1924, zuletzt als Vorstand der Hochbauabteilung, tätig war. 1924 machte sich Robert Hartinger als Architekt selbständig, wobei er zehn Jahre lang mit Silvio Mohr zusammenarbeitete. Gemeinsam realisierten sie neben mehreren großen Wohnsiedlungen unter anderem auch das Kurheim St. Sebastian in Bad Schallerbach, Welser Straße 12 (OÖ, 1924) und die Pfarrkirche Starchant zur Hl. Theresia in Wien 16, Pönningerweg (1928/29).

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