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Mundygasse 1

Fakten

Mundygasse 1

Mundygasse 1, 1100 Wien

Baujahr: 1932-1933

Wohnungen: 130

Architekt: Paul Gütl

Weitere Adressen

Quellenstraße 26-28, 1100 Wien

Steudelgasse 12-18, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Favoriten noch weitgehend unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung begann hier erst mit der Errichtung des Arsenals (1849 - 1856), des Südbahnhofes (1867 - 1870) und der Bautätigkeit an der Ringstraße, wodurch die in Favoriten ansässigen Ziegelfabriken großen Aufschwung erhielten. Die günstige Verkehrsanbindung durch den neuen Südbahnhof hatte zudem die Ansiedlung zahlreicher Betriebe zur Folge. Um Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter zu schaffen, wurde das Gebiet bis zur Quellenstraße nach einem Rasterplan mit meist viergeschoßigen Zinshausblöcken verbaut. Nach dem Börsenkrach 1873 stagnierte allerdings die Bautätigkeit. Ab 1890 kam es durch die Ansiedlung von mittelgroßen Fabriken entlang der Quellenstraße, wie etwa der nahe liegenden Ankerbrot-Fabrik (1892), zu einem neuerlichen Wachstum. Die noch bestehenden Baulücken wurden in der Zwischenkriegszeit und nach 1945 mit Gemeindewohnhäusern geschlossen.

Die Architektur

Die fünf Geschoße umfassende Wohnhausanlage besteht aus einer Blockrandverbauung an der Ecke Mundygasse/Steudelgasse und einer Lückenverbauung an der Quellenstraße. Ihre Gestaltung zeichnet sich vor allem durch eine starke Reduzierung der Formen aus, die sich durch die Angleichung an die internationalen Architekturströmungen in den 1930er-Jahren auch im Wiener Wohnbau durchsetzte. An die expressionistische Phase der 1920er-Jahre erinnert noch der hier in der niedrigen Sockelzone verwendete Klinker. Die glatte Putzfassade ist ohne Zäsur vom Sockel bis zum abschließenden Dachgesims hochgezogen. Die unterschiedlichen Größen der Fenster sind der jeweiligen Funktion des dahinter liegenden Raumes angepasst, ohne Rücksicht auf eine gliedernde Fassadenstruktur. Die kleinen, paarweise angeordneten Lüftungsöffnungen erhalten beinahe dekorativen Charakter an den äußerst schlichten Fronten. An der Mundygasse wurden vor den hier liegenden Stiegenhäusern nachträglich Aufzugstürme errichtet. Bemerkenswert sind die mehrmaligen Abstufungen infolge des Gefälles entlang der Steudelgasse. Der Bauteil Ecke Steudelgasse/Quellenstraße wurde erst nach 1950 errichtet und ist ein eigenständiges Gemeindewohnhaus. Er unterscheidet sich nur durch das Fehlen der Lüftungsöffnungen und der Achse französischer Fenster von der Wohnhausanlage, in die er eingegliedert ist. An den ebenso schlicht gehaltenen Hoffronten wurden die Aufzugstürme der restlichen Stiegenhäuser errichtet. Die etwas zurückliegenden Stiegenhäuser an der Hofseite der Gebäude in der Steudelgasse lassen hier die Architektur und die Parkanlage des Innenhofes vorsichtig ineinander übergreifen.

... und die Kunst

An der Ecke Mundygasse/Steudelgasse befindet sich ein von Franz Windhager geschaffenes Sgraffitowandbild mit Malerei (1951). Es zeigt "Häuserbauer und Häuserinstandhalter".

Der Name

Seit 1932 ist der Straßenzug nach Dr. Jaromir Freiherr von Mundy (1822 - 1894) benannt. Zunächst Offizier in der k. u. k. Armee, wurde er später Arzt. 1881 gründete er nach dem Brand des Wiener Ringtheaters zusammen mit Hans Graf Wilczek und Eduard Graf von Lamezan-Salins die Wiener freiwillige Rettungsgesellschaft.

Sanierung

von 1988 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen wurden die Stiegenhäuser bereits 1988/89 mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten dafür betrugen 105.521 Euro, davon konnten 63.313 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Paul Gütl - Paul Gütl (1875-1944) studierte bis 1902 an der Akademie der bildenden Künste unter anderem bei Otto Wagner. Eines seiner ersten Werke ist das Rathaus in Spital am Semmering (1906/07). Ab 1925 errichtete er, zunächst zusammen mit Camillo Discher, mehrere Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Diese gemeinsamen Arbeiten zeigen noch romantisierende, expressionistische Formen, während Gütl später einen zunehmend sachlichen Stil entwickelte.

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