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Laxenburger Straße 92

Fakten

Laxenburger Straße 92

Laxenburger Straße 92, 1100 Wien

Baujahr: 1931-1932

Wohnungen: 67

Architekt: Josef Hahn

Weitere Adressen

Dieselgasse 12, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Favoriten wurde 1874 von Wieden getrennt und zu einem eigenen Bezirk erhoben sowie später im Zuge der Eingemeindung der Vororte durch Teile von Inzersdorf, Ober- und Unterlaa erweitert. Um den vielen Arbeitern, die in den Lehmgruben am Wienerberg Arbeit fanden, Wohnmöglichkeiten zu bieten, musste eine Reihe von Wohnhäusern aus den Boden gestampft werden. Am Höhenrücken des Wienerbergs entstanden in Fortsetzung des gründerzeitlichen Rasterblocks des alten Arbeiterviertels einige Wohnhausanlagen aus der Zeit des "Roten Wien". Begrenzt wird das neue Wohnviertel von der Troststraße im Norden und von der Raxstraße im Süden, im Westen verläuft die Neilreichgasse und im Osten die Laxenburger Straße. Architektonisch sehr unterschiedlich und von den Zinskasernen aus der Zeit der Jahrhundertwende durch ihre reiche Fassadengestaltung nicht immer zu unterscheiden, waren sie jedoch in Bezug auf die sanitären Einrichtungen und Hygienestandards bereits weit fortschrittlicher als die alten "Bassenawohnungen". Die Gemeindebauten in der Laxenburger Straße 92 bis 98, die heute unter Denkmalschutz stehen, wurden in dieser Zeit gebaut, aber auch in der Leebgasse finden sich einige kommunale Wohnbauten.

Die Architektur

Nach Plänen von Josef Hahn entstand Anfang der 1930er-Jahre die vier Stiegen umfassende Wohnhausanlage mit 67 Wohneinheiten, die von zwei Straßenzügen (Laxenburger Straße und Dieselgasse) begrenzt wird und einen großzügigen Hofraum umschließt. Die Fassade ist einheitlich konzipiert und besticht durch ihre gleichmäßige Achsenreihung. Auffällig sind der turmartig aufgebaute Mittelteil sowie die Gebäudeecke, die durch Gitterbalkone zusätzlich an Gewicht erlangt. Für eine starke horizontale Gliederung sorgen die die Fenster umrahmenden, färbigen Bänder an den vorgelagerten Gebäudetrakten und an der Seitenfront, die Fassade wird hier durch Dachgaupen abgeschlossen. Der Haupteingang befindet sich zentriert in der Laxenburger Straße, flankiert von Fahnenmasten gelangt man zu den hofseitigen Stiegenhauskernen, ein zusätzlicher Nebeneingang in der Dieselgasse führt zu Stiege vier.

Der Name

Die Laxenburger Straße, eine über zwei Bezirke angelegte Verbindung (10. und 23. Bezirk), wurde erstmals urkundlich 1377 erwähnt und 1686 umgelegt. Als nachträgliche Verlängerung der inneren Favoritenstraße verbindet die Straße die beiden ehemaligen Schlösser Favorita (heute Theresianum, 4. Bezirk) und Laxenburg. Ihren heutigen Namen erhielt die Straße bereits 1892, kurzzeitig (von 1946 bis 1956) hieß sie Tolbuchinstraße.

Sanierung

von 2000 bis 2002

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2000 bis 2002 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 725.700 Euro, davon konnten 130.626 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Josef Hahn - Der aus Mähren stammende Josef Hahn (1884-1943) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er den Südtiroler Hof in Wien 4 (mit Karl Ernst, 1927/28) und die Wohnhäuser Engerthstraße 230 in Wien 2 (1930/31) und Laxenburgerstraße 92 in Wien 10 (1931/32). Außerdem wurden in Budweis (Tschechien) kurz vor 1930 mehrere Villen nach seinen Plänen ausgeführt. 1941 musste er aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach Shanghai emigrieren, wo er kurze Zeit später verstarb.

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