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Franz-Mair-Hof

Fakten

Franz-Mair-Hof

Schüttelstraße 5, 1020 Wien
Schüttelstraße 9, 1020 Wien
Schüttelstraße 7, 1020 Wien

Baujahr: 1930-1939

Wohnungen: 278

Architekt: Franz Schacherl

Weitere Adressen

Laufbergergasse 1, 1020 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Die Gegend, in der das Wohnhaus steht, war lange Zeit öde und verwildert, da sie aus einer Aulandschaft bestand, die alljährlich von Hochwassern geplagt wurde. Sein heutiges Aussehen bekam das Gebiet erst mit der Donauregulierung, 1870-1875. Zu dieser Zeit entstanden neben Bädern Hotels, Cafés und andere wichtige Einrichtungen. Das Areal wurde zur beliebten Wohngegend. Das Grundstück, auf dem das Wohnhaus errichtet ist, wurde 1953 von der Stadt Wien erworben.

Die Architektur

Der Franz-Mair-Hof ist eine blockhafte Eckverbauung, deren lange Fassade an der Schüttelstraße eine leichte Krümmung aufweist. Aus den 1950er-Jahren datiert der in der Schüttelstraße anschließende ebenerdige, ellipsenförmige Zubau, dem, wie in der Planung vorgesehen, gastronomische Funktion zukommt. Hinter der Fassade befindet sich ein parkartiger, nach Westen hin geöffneter Hof. Die Front in der Schüttelstraße fällt durch betonte Schmucklosigkeit auf. Unterschiedliche Fenstergrößen und -achsen bestimmen das Erscheinungsbild. Der Eingangsbereich ist monumentalisierend gestaltet. Ein hochrechteckiges Portal wird von zwei quadratischen Fenstern flankiert, die mit den Fenstern der darüber befindlichen Geschoße in einer Achse liegen. Unterstrichen wird die symmetrische Lösung durch ein von zwei Stützen getragenes Vordach, das den Eingang und die beiden angrenzenden Fenster zusammenfasst. Der gesamte Eingangsbereich ist von der Grundfarbe des Hauses differenziert. Lateral setzen Balkone einen Akzent. Markant sind die Stiegenhaustürme, welche die Hoffassaden charakterisieren.

... und die Kunst

An der Front über der zugebauten Bierstube befindet sich das von Lydia Rappolt geschaffene Sgraffitowandbild "Familie mit Schafen" (1955/56).
Auf der Grünfläche vor dem Gebäude befindet sich ein von Hans R. Pippal (zuerst Karl Prantl) gestalteter Pfeiler mit Glasmosaiken, die unterschiedliche Pratermotive zeigen (1961-1967).
Auf dem Spielplatz im Hof des Gemeindebaus ist die Natursteinplastik "Dachs" von Walter Leitner platziert (1955-1958).

Der Name

Ecke Laufbergergasse befindet sich eine Gedenktafel, die an den Namensgeber des Hofes, Franz Maier (1821-1893), erinnert. Der Liederkomponist war 1863 Begründer des Wiener Schubertbundes, dem er bis 1890 als auch Chormeister vorstand. Seinen Sitz hat der Chor heute im Wiener Konzerthaus.

Sanierung

von 1988 bis 1990

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 bis 1990 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 437.636 Euro, davon konnten 262.582 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Eine weitere Sanierung ist für die kommenden Jahre vorgesehen.

Architekten

Franz Schacherl - Franz Schacherl (1895 -1943) besuchte die Höhere Baufachschule in Wien und studierte danach an der TH-Wien. Nach seinem Abschluß 1918 arbeitete er für das Wiener Siedlungsamt in Arbeitsgemeinschaft mit Franz Schuster, Adolf Loos u. Margarethe Schütte-Lihotzky. Schacherl veröffentlichte den programmatischen Aufsatz "Proletarische Architektur" und war Schriftleiter des sozialist. Baujournals "Der Aufbau". Nach 1934 gelang ihm die Flucht nach Angola.

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