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Oskar-Werner-Hof

Fakten

Oskar-Werner-Hof

Lenaugasse 19, 1080 Wien

Baujahr: 1847-1848

Wohnungen: 45

Architekt: Johann Pauli, August Engelbrecht

Wohnen in Wien

Nach dem endgültigen Zurückdrängen des Osmanischen Reiches konnte in Wien mit dem Wiederaufbau begonnen werden; Wien wurde weitgehend barockisiert, vor allem in den Vorstädten setzte rege Bautätigkeit ein. Die Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt sind eng mit dieser Entwicklung verbunden. 1704 wurde zum Schutz der Vorstädte der Linienwall angelegt. Auch die Einführung der ersten Hausnummern (Konskriptionsnummern) sowie die Entwicklung der Kanalisation und Straßenreinigung fallen in diese Zeit.
1835 wurde das Stadtbauamt gegründet. Zu dessen wichtigsten Aufgaben gehörte die Vereinheitlichung von Auslegung und Praxis der Bauordnung. Neugebiete sollten nach einheitlichen Regeln bebaut werden. Die einstige Vorstadt Breitenfeld um den Albertplatz und den Bennoplatz im 8. Bezirk demonstriert dies anschaulich.
Die französische Februarrevolution wirkte sich auch in Wien aus: 1848 wurde die Grundherrschaft abgeschafft, die Position der nunmehr privaten Grundbesitzer verstärkt. Bei ihren Vorhaben hatten diese nur mehr mit den Baubehörden zu tun. Daraus ergaben sich neue Möglichkeiten für die Architekten, erstmals wurden Wettbewerbe ausgeschrieben. Den Auftakt zu dieser Entwicklung gab die Altlerchenfelder Kirche im 7. Wiener Gemeindebezirk.

Geschichte

Die Seite der Gasse, in der sich das Haus Nr. 19 befindet, bildete in Verlängerung der Auerspergstraße bis zum Ende der 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts die Grenze der Vorstadt gegen das mit Bauverbot belegte Glacis.
Der heutige Hoftrakt, das seinerzeitige "Michaelerhaus", wurde 1756 von Johann Pauli im Auftrag des Barnabitenkollegiums anstelle eines Ziegelofens erbaut. 1776 wurde hier das ehemalige Kollegium St. Michael errichtet, mit einer Statue des Erzengels Michael vor dem Hoftrakt, die jedoch im Zweiten Weltkrieg verstümmelt wurde.
Der 1847 erbaute Straßentrakt, der heute unter Denkmalschutz steht, wurde von August Engelbrecht geplant und ausgeführt. Dort befand sich damals die sehr berühmte Wallishausersche Buchdruckerei, benannt nach Johann Baptist Wallishauser II. Nach dessen Tod übernahm der Sohn Johann Baptist Wallishauser III von seiner Mutter Josefine den Betrieb, und führte das Familienunternehmen zu Ruhm und Erfolg. Erst in den 1950er Jahren ging die Firma als "Ferdinand Reppers Nachfolger Cermak & Co. KG" in Konkurs und wurde aufgelöst. Im Straßentrakt war das Wohnhaus Franz Grillparzers, der hier den Druck seiner Dramen in Auftrag gab. Auch der 1868 zum Bürgermeister gewählte Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker Dr. Cajetan Felder bewohnte diesen Trakt in den Jahren 1848 bis 1858.
Im hofseitig angelegten Garten befindet sich eine Esche, die unter Naturschutz steht. Bei Stiege Nr. 4 findet man die Gedenktafel an Oskar Werner - nach ihm wurde der Name des Hauses 1994 in "Oskar-Werner-Hof" umbenannt.
Heute beherbergt das ehemalige Wallishausersche Wohnhaus das "Institut für Reise- und Tropenmedizin" sowie das "Honorarkonsulat der Republik Mali".

Die Architektur

Der Wohnhauskomplex besitzt aufgrund der unterschiedlichen Bauperioden keine einheitliche Stilform, stattdessen existiert ein vielfältiges Nebeneinander: Der heutige Hoftrakt, bemerkenswert in seiner Architektur, besitzt zwei Stockwerke und eine über 19 Achsen reichende Fassade mit flachen Seitenrisaliten. Der leicht vorgezogene, dreiteilige Mittelrisalit wird durch eine reich verzierte Pilastergliederung und Attika betont, darauf befindet sich die Statue des Hl. Michael. Auffallend sind sowohl das breite Korbbogenportal, auf dessen vorspringendem Gesims originelle Vasen zu sehen sind, als auch die mit Pawlatschen versehene rückseitige Front. Haustüre und Schneckenstiege im Inneren des Hoftraktes sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Eine Stützmauer an der Hinterfront gleicht den niveaubedingten Unterschied zwischen Lenaugasse und Buchfeldgasse im Erdgeschoßbereich aus.
Bei dem um 1847 erbauten, durch die Lenaugasse und Tulpengasse begrenzten Straßentrakt handelt es sich um ein viergeschoßiges Biedermeierhaus mit schlichter, durch Rosettenfries und Rankenfelder dekorierter Fassade mit geraden Fensterverdachungen. Die Einfahrt ist platzlgewölbt.
Das Wohnhaus besitzt vier Stiegenhäuser und insgesamt 32 Wohnungen; der heutige Straßentrakt ist über das Hauptportal und das schmale Foyer zugänglich. Die restlichen Stiegenhäuser sind zentral über den großräumigen Innenhof zu erschließen. Die Gartenanlage, bemerkenswert in ihrer Erhaltung, weist eine Vielfalt an historischem Grünbestand auf: berankte Mauern, Wiesen und Sträucher sowie die unter Naturschutz stehenden Esche machen die Hofbegrünung zu etwas Besonderem.

... und die Kunst

Am straßenseitigen gelegenen Trakt des Wohnhauses findet man die Gedenktafel für den Dramatiker und Lyriker Anton Wildgans (1881-1931), der von 1893 bis 1905 "einen Teil seiner Jugend" dort verlebte. An der Hausecke Lenaugasse/Tulpengasse weist eine Gedenktafel auf den Schauspieler Oskar Werner hin - nach ihm wurde der Name des Hauses 1994 in "Oskar-Werner-Hof" umbenannt.

Der Name

Oskar Werner wurde am 13. November 1922 als Oskar Josef Bschließmayer in der Marchettigasse 1A in Wien geboren. Er debütierte 1941 am Burgtheater und wurde am Theater in der Josefstadt, Raimundtheater und Volkstheater engagiert. Internationale Berühmtheit erlangte er als Filmschauspieler ("Jules et Jim", "Das Narrenschiff"). Oskar Werner starb am 23. Oktober 1984 in Wien.

Prominente Bewohner

Die Lenaugasse 19 war der Wohnsitz von Anton Wildgans, der seine Jugend (1893-1905) dort verbrachte, ebenso von Franz Grillparzer und Bürgermeister Cajetan Felder (1848-58). Weitere berühmte Mitbewohner sind der Journalist Eduard Hügel (geb. 1816, gest. 1887), Begründer und Chefredakteur der "Konstitutionellen Vorstadtzeitung", später "Österreichische Volkszeitung", der Blumenmaler Sebastian Wegmayer (geb. 1776), ab 1812 Professor an der k.k. Akademie der bildenden Künste, der am 20.11.1857 in diesem Haus verstarb, sowie Kasimir Henop (geb. 1820), evangelischer Theologe und Begründer der "Wiener Geschäftszeitung". Auch Josef Ritter Kutschera von Aich, k.k. Hofrath, wohnte in der Lenaugasse 19.

Sanierung

von 1989 bis 1990

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1989 bis 1990 eine Sockelsanierung durchgeführt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2.709.316 Euro, davon konnten 3.251.179 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Johann Pauli - Der bürgerliche Stadtbaumeister Johann Pauli (1694-1761) führte Mitte des 18. Jahrhunderts mehrere prestigeträchtige Aufträge in Wien aus. So errichtete er etwa 1755 das prunkvolle Stiegenhaus und die beiden Portale des Barnabitenkollegiums in der Habsburggasse 12 in Wien 1. Von ihm stammt auch das 1756 erbaute "Michaelerhaus" im Hof der heutigen Lenaugasse 19 in Wien 8. Weitere Werke sind die heute nicht mehr existierende Getreidemarktkaserne in Wien 6 (zwischen Rahlgasse und Königsklostergasse) sowie das alte Amtshaus in der Gentzgasse in Wien 18.

August Engelbrecht - Der Stadtbaumeister August Engelbrecht (1807-1887) baute 1848 das Haus Neustiftgasse 16 (Wien 7), in dem er auch lebte, in ein Durchgangshaus zur Lerchenfelder Straße 13 um, das ebenfalls in seinem Besitz war. Unter anderem errichtete er auch die in Wien 8 gelegenen Häuser Lenaugasse 19, Schmidgasse 18 und Josefstädter Straße 41.

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