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Rufgasse 4

Fakten

Rufgasse 4

Rufgasse 4, 1090 Wien

Baujahr: 1937-1939

Wohnungen: 42

Architekt: Erich Franz Leischner

Weitere Adressen

Nußgasse 3, 1090 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Der Gemeindewohnbau in der Rufgasse 4 birgt vier Luftschutzräume, welche für insgesamt 86 Personen bemessen waren. In den 1930er-Jahren, als man erkennen musste, dass durch den Einsatz moderner Bomber nunmehr auch Orte hinter der Frontlinie von Kriegszerstörungen betroffen waren, suchte man Wege, die Bevölkerung zu schützen. Dazu verstärkte man zunächst Keller und U-Bahnschächte. Um einen flächendeckenden Schutz bieten zu können, wurden bei kommunalen Neubauten massiv gemauerte, unterirdische Keller realisiert, welche je nach technischer Ausstattung für eine kurzfristige Unterbringung von etwa zehn Stunden oder für einen Verbleib von vierzehn Tagen und länger geeignet waren.

Heute noch lassen sich in den letzten nicht renovierten Fassaden der Stadt Markierungen finden, die die Nähe solcher Schutzanlagen anzeigen; zumeist sind dies die Buchstaben LSK, welche mit Richtungspfeilen ergänzt wurden.

Die Architektur

Die Kleinwohnungsanlage in der Rufgasse 4 umfasst vier Hauptgeschoße, ein Keller- und ein Dachgeschoß. Im Kellergeschoß befinden sich neben den einzelnen Parteienkellern auch vier Luftschutzräume, welche für insgesamt 86 Personen bemessen sind. Außerdem birgt das Untergeschoß, das wegen der starken Hanglage des Gebäudes zum Teil ebenerdig begehbar ist, auch ein Geschäftslokal. Die insgesamt 42 Wohnungen (anfänglich waren es 47) werden über drei hofseitig gelegene und eine straßenseitige Stiegenanlagen erschlossen. Die Eckbebauung schließt die im Bebauungsplan ursprünglich vorgesehene Blockrandbebauung nicht L-förmig auf, sondern weicht im eigentlichen Eck um einige Meter von der Baulinie zurück, um die an dieser Stelle sehr dichte Bebauung aufzulockern.

Die Fassade ist schmucklos gestaltet; einzig die Sockelzone wird mittels grauem, grobkörnigem Verputz hervorgehoben. Die Fensterachsen sind regelmäßig gerastert, die durchwegs drei-flügeligen Fenster glatt in den Putz eingeschnitten. Das Gebäude ist plastisch über die Verschachtelung bzw. Verschiebung der beiden Baukörper gegeneinander strukturiert.

Der Name

Die Gasse trägt den Namen des Zimmermeisters Anton Ruf (1764-1842), welcher hier um 1840 das erste Haus erbaut hatte. Zuvor, in den Jahren von 1779 bis 1874, nannte man sie schlicht Friedhofgasse.

Architekten

Erich Franz Leischner - Erich Franz Leischner (1887-1970) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, u. a. bei Carl König. Bereits ab 1911 bis zu seiner Pensionierung 1949 war er für das Wiener Stadtbauamt tätig. Für das Rote Wien erbaute er neben zahlreichen Wohnhausanlagen unter anderem auch das Kongressbad (1928). In den 1930er-Jahren wurde nach seinem Konzept (gemeinsam mit Alfred Fetzmann) die Höhenstraße angelegt. Ab 1949 war er als selbständiger Architekt tätig. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Rotundenbrücke (1953-1955) und die Salztorbrücke (1960-1961) nach seinen Entwürfen.

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