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Marktgasse 15-17

Fakten

Marktgasse 15-17

Marktgasse 15-17, 1090 Wien

Baujahr: 1937-1938

Wohnungen: 7

Architekt: Franz Wiesmann

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegeben Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter.

Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Anhebung eines großräumigen Areals im Alsergrund beschlossen. Diese Maßnahme sollte einer stetig drohenden Überschwemmung des Gebietes durch den Alserbach entgegenwirken. Demgemäß wurden ab diesem Zeitpunkt sämtliche Neubauten in "provisorischer Höhenlage" errichtet. Dabei musste das Erdgeschoß als zukünftiges Kellergeschoß mit hoch liegenden Kellerfenstern konzipiert werden, was den Einbau von Geschäftslokalen unmöglich machte. Erst um 1970, nach Intervention durch das Ordinariat, das eine Tieferlegung seiner Pfarrkirche nicht dulden wollte, wurde die entsprechende Verordnung wieder aufgehoben und der Alserbachkanal stattdessen mit besonders starken Vorflutern versehen.

Für die Liegenschaft in der Marktgasse 15-17 wurden im Jahr 1937 die Abtragung des Altbestandes - ein einstöckiges Haus aus dem Jahr 1853 - und die Errichtung eines viergeschoßigen Neubaus bewilligt. Das Projekt fiel somit unter die erwähnte bauliche Vorgabe.

Die Architektur

Das Gemeindewohnhaus in der Marktgasse 15-17 wurde in "provisorischer Höhenlage" errichtet und verfügt demnach über eine den besonderen Anforderungen angepasste, unübliche Erschließung: Eine ziemlich steile Treppe führt formlos, ohne großzügig gestalteten Eingangsbereich und Podest auf das Niveau des ersten Stockwerks. Nach der geplanten, jedoch niemals durchgeführten "Herstellung der endgültigen Höhenlage" und der damit verbundenen Bodennivellierung um 1,58 Meter sollten diese Treppen durch einen ebenen Eingang ersetzt werden. Erst ab dem ersten Stock verläuft die Stiege gleichmäßig doppelläufig über alle Regelgeschoße. Darüber hinaus war hofseitig eine zusätzliche Erschließung des Parterres, also des zukünftigen Kellers, vorgesehen. Interessanterweise ist das Erdgeschoß hier noch als Ladezone mit Portalen strukturiert. In den Plänen wird es jedoch bereits als "Keller" und "Magazin" bezeichnet, was den geplanten Umbau vorwegnimmt.

Die Fassade ist schlicht und glatt gehalten, mit durchwegs dreiflügeligen, über drei Achsen gleichmäßig verteilten Fenstern. Die vertikale Strukturierung in Erdgeschoß und Regelwohngeschoße wird über die zarte Andeutung eines Gesimses und einen Wechsel in der Putzstruktur gelöst.

Der Name

Ursprünglich - ab 1843 - trug die Gasse an der Pfarrkirche "Zu den Hl. Vierzehn Nothelfern" die Bezeichnung "Kleine Kirchengasse". Im Jahr 1862 wurde sie in Marktgasse umbenannt, um dem hier angesiedelten Lichtentaler Markt Rechnung zu tragen. Der Umschlagplatz selbst wurde jedoch 1880 in die neu erbaute Markthalle in der Nußdorfer Straße verlegt.

Architekten

Franz Wiesmann - Franz Wiesmann (1888-1959) studierte von 1907 bis 1913 an der Technischen Universität Wien. Nachdem er eine kurze Zeitspanne als freier Architekt in Baden tätig gewesen war, erhielt er 1914 eine Anstellung am Wiener Stadtbauamt und gehörte diesem bis zu seiner Pensionierung an. Zahlreiche Wohnhausanlagen der Zwischenkriegszeit entstanden nach seinen Plänen.

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