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D'Orsaygasse 6

Fakten

D'Orsaygasse 6

D'Orsaygasse 6, 1090 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 12

Architekt: Wilhelm Peterle

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Haus wurde 1930 vom Wiener Stadtbauamt durch den dort angestellten Architekten Wilhelm Peterle errichtet. Er hatte ursprünglich zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe geplant, alle mit Vorraum, WC und Küche ausgestattet: Fünf Einheiten mit je einem Zimmer waren für alleinstehende Personen geplant, drei Wohnungen für kinderlose Paare; diese hatten ein Zimmer und eine "Kammer" (Schlafraum). Eine Wohnung sah zwei Zimmer vor und die drei größten umfassten ein Zimmer und zwei "Kammern". Diese größeren Einheiten sollten von Familien mit mehreren Kindern bewohnt werden. Trotz Zusammenlegungen ist die Anzahl der Wohnungen gleich geblieben, da im Dach- und Erdgeschoß ehemals anders genutzte Bereiche in Wohnraum umgewandelt wurden.

Die Architektur

Der Architekt Wilhelm Peterle war ein Vertreter der Gartenstadtbewegung nach englischem Vorbild und errichtete vor allem parkähnliche Anlagen mit Siedlungshäusern. Wenn auch bei dieser Lückenverbauung in der Rossau eine derartige Planung nicht möglich war, so gelingt es Peterle doch, das Haus mit einem Vorgarten auszustatten. Dieser vermittelt geschickt zwischen den unterschiedlichen Baulinien der benachbarten Musikschule einerseits und des gründerzeitlichen Hauses andererseits. Der Stiegeneingang und die ums Eck gezogene Klinkerverkleidung betonen die verbindende Funktion des Hauses. Auffällig ist der "romantische" Eingangsbereich, der über einige Stufen in das Haus führt und dessen Überdachung auf einem Pfeiler ruht.

Der Name

Die D'Orsay-Gasse wurde 1847 nach Dominika Gräfin d'Orsay von Grimaus (1789-1847) benannt. Sie war die Bauherrin der ersten Häuser in der Gasse.

Sanierung

von 2014 bis 2015

In der Wohnhausanlage wird derzeit eine Sockelsanierung durchgeführt. Es werden unter anderem die Fassade gedämmt, die Fenster getauscht und das Dach erneuert.

Architekten

Wilhelm Peterle - Der in Ried im Innkreis geborene Wilhelm Peterle (1893-1959) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Graz, wechselte 1913 an die Technische Hochschule Wien, wo er 1921, nach geleistetem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, sein Studium abschloss. Peterle arbeitete zunächst im Atelier Simony, bis er eine Stelle im Wiener Stadtbauamt erhielt, wo er vor allem mit der Errichtung von Wohnhausanlagen befasst war. Als Anhänger der Gartenstadtbewegung plante er neben zahlreichen anderen Projekten für das Rote Wien die Großsiedlung "Am Tivoli" (Hohenbergstraße 3-21, Wien 12).

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