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Neudeggergasse 12

Fakten

Neudeggergasse 12

Neudeggergasse 12, 1080 Wien

Baujahr: 1955-1956

Wohnungen: 21

Architekt: Franz Otto Böhm

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem Grundstück in der Neudeggergasse 12 wurde 1903 vom Architekten Max Fleischer eine Synagoge errichtet. Dieses vom Tempelverein Josefstadt unterhaltene Bethaus fiel in der so genannten "Reichskristallnacht" den randalierenden Nationalsozialisten zum Opfer. Die Beschädigungen waren derart verheerend, dass 1940 der Abbruch des Gebäudes veranlasst werden musste. 1948 erfolgte die Rückerstattung des Grundstücks an die Israelitische Kultusgemeinde, die es 1953 an die Gemeinde Wien verkauft hat. 1955 wurde das heutige Gebäude auf den Fundamenten der Synagoge errichtet. Die Benutzungsbewilligung datiert aus dem Jahr 1956. Zwei Gedenktafeln erinnern an die Ereignisse von 1938 und an das 1998 von der Stadt Wien subventionierte Gedenkprojekt "Verlorene Nachbarschaft", bei dem die Fassade der Synagoge in Originalgröße temporär aufgestellt wurde.

Die Architektur

Die Fassade des in den Jahren 1955 - 1956 errichteten und nahezu symmetrisch angelegten fünfgeschoßigen Wohnhauses in der Neudeggergasse wird von einem mittig liegenden, über vier Etagen reichenden, flachen Erker dominiert. Das Erdgeschoß ist sowohl farblich als auch durch ein profiliertes Zwischengesims von den Hauptgeschoßen abgesetzt. Scharf eingeschnittene zwei- und dreiflügelige Fenster rhythmisieren die schlichte Fassade, den einzigen Dekor stellt die künstlerisch gestaltete Supraporte über dem in der linken äußersten Achse liegenden Durchgang dar. Ein um den Erker verkröpftes Kranzgesims bildet den oberen Abschluss des hinter die Baulinie gerückten Gebäudes.

... und die Kunst

Über der Hofeinfahrt des Hauses befindet sich die 1955/56 von Josef Tschofenig gestaltete Marmoreinlegearbeit "Schmetterlinge".

Der Name

Die Neudeggergasse ist seit 1778 nach dem gleichnamigen Hof benannt, mit dem seit 1694 das Schottenstift belehnt war. Nach 1770 entstanden die ersten Häuser dieses Straßenzuges.

Sanierung

von 1987 bis 1987

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen im Jahr 1987 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 91.204 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Otto Böhm - Franz Otto Böhm (1918-2001) war in den Jahren 1946 und 1947 Assistent für Architektur, Wohnungsbau und Raumgestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst Wien. Als Architekt war er unter anderem an den Entwürfen zur Erweiterung des Adelheid-Popp-Hofes in Wien 16, Possingergasse 39-51 (1950/51), beteiligt.

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