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Kirchberggasse 17

Fakten

Kirchberggasse 17

Kirchberggasse 17, 1070 Wien

Baujahr: 1837

Wohnungen: 14

Architekt: Bernhard Kledus, Johann (Hans) Petermair

Wohnen in Wien

Nach dem endgültigen Zurückdrängen des Osmanischen Reiches zu Ende des 17. Jahrhunderts konnte in Wien und seinen zerstörten Vorstädten mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Die stark einsetzende Bautätigkeit hatte eine Barockisierung des Stadtbildes zur Folge. Die weitreichenden Reformen unter Joseph II. führten 1783 auch zur Modernisierung der Stadtverwaltung. Die Einführung der ersten Hausnummern (Konskriptionsnummern) sowie die Entwicklung der Kanalisation und Straßenreinigung fallen in diese Zeit. Die Auflassung zahlreicher Klöster und Friedhöfe schuf zudem neue Bauplätze.

Geschichte

1525 erwarb das Bürgerspital die Weidelandgründe im Bereich des heutigen Spittelbergs, die in der Folge von Gastarbeitern besiedelt wurden. Die heranwachsende Dorfgemeinschaft wurde allerdings während der zweiten Türkenbelagerung 1683 vollkommen zerstört. Bei der Wiederbesiedlung um 1700 wurde das Gelände zwischen Burggasse, Stiftgasse, Siebensterngasse und Breite Gasse durch vier parallele Straßen erschlossen, in enge, seichte Parzellen aufgeteilt und dicht verbaut. Bezeichnet wurde das Gebiet als Spittelberg nach seiner Grundherrschaft - dem Bürgerspital. Der barocke Baubestand des im Laufe der Geschichte übel beleumundeten Vergnügungsviertels ist streckenweise nahezu lückenlos überliefert und wurde ab 1975 aufwändig restauriert und revitalisiert.

Die Architektur

Die Fassade des Biedermeierhauses wird im ersten und zweiten Geschoß durch Blendarkatur gegliedert, die einzelnen Geschoße sind ebenfalls durch Blendarkatur unterteilt. Der Grundriss des Hauses ist hakenförmig, wodurch sich ein kleiner Trakt auch auf die Gutenberggasse richtet. Die Geschoße werden durch eine zweiläufige, gewendelte Stiege erschlossen. In jedem Geschoß gab es ursprünglich vier Wohnungen - allerdings auf kleinerem Grundriss als heute.

Der Name

Im Gegensatz zu vielen der klassischen Gemeindebauten wurden die revitalisierten Häuser am Spittelberg nicht mit Namen bedacht. Historische Hausnamen sind für die Kirchberggasse 17 jedoch überliefert, und zwar gleich drei: "Zum goldenen Löwen", "Zum blauen Pfau", "Zum goldenen Kreuz".

Prominente Bewohner

Die Kirchberggasse 17 war Wohnhaus des Komponisten Karl Goldmark (1830-1915), dem mit der 1875 uraufgeführten "Königin von Saba" der Durchbruch gelang.

Sanierung

von 1980 bis 1982

Bei einer Begehung der Wohnhausanlage 1971 war das Gebäude in einem verwahrlosten, aber nicht baufälligen Zustand. Architekt Johann Petermair wurde im Rahmen der Sanierung des Spittelbergs mit der Revitalisierung des denkmalgeschützten Gebäudes beauftragt. Er legte die Kirchberggasse 17 mit der Gutenberggasse 16-18 zusammen, wobei der ebenerdige Bau in der Gutenberggasse durch einen Neubau ersetzt wurde.
In den Jahren 1980 bis 1982 wurde eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Bernhard Kledus - Der Wiener Baumeister Bernhard Kledus (1792/93-1862) erbaute im Zuge der Stadterweiterung ab 1850 mehrere Wohnhäuser in der Florianigasse und der Schmidgasse in Wien 8 und in der Negerlegasse in Wien 2. Außerdem war er am Bau der Alt-Lerchenfelder Pfarrkirche in Wien 7 beteiligt.

Johann (Hans) Petermair - Hans Petermaier (1904-1984) studierte von 1922 bis 1927 an der Technischen Hochschule Wien, wo er auch bis 1946 an der Lehrkanzel für Baugeschichte und Entwerfen II beschäftigt war. In einer Bürogemeinschaft mit Richard Pfob errichtete er in den 1940er-Jahren mehrere Industriebauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Petermaier am Wiederaufbau, wobei er sich vor allem der Sakralarchitektur widmete, wie etwa der Wiederherstellung der schwer beschädigten Kalvarienbergkirche in Wien 17 oder der Wallfahrtskirche in Maria Lanzendorf.

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