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Werkbundsiedlung

Fakten

Werkbundsiedlung

Jagdschloßgasse 88, 1130 Wien

Baujahr: 1929-1932

Wohnungen: 48

Architekt: Anton Brenner, Richard Bauer, Otto Niedermoser, Josef Hoffmann, Clemens Holzmeister, Jacques Groag, Hugo Häring, Josef Franz Dex, Gerrit Thomas Rietveld, Margarete Schütte-Lihotzky, Gabriel Guevrekian, Max Fellerer, Richard J. Neutra, Walter Sobotka, Josef Frank, Heinrich Kulka, Julius Jirasek, Karl Augustinus Bieber, Oswald Haerdtl, Eugen Wachberger, André Lurcat, Oskar Wlach, Arthur Grünberger, Helmut Wagner-Freynsheim, Walter Loos, Josef Wenzel, Hugo Gorge, Ernst A. Plischke, Ernst Lichtblau, Adolf Loos, Hans Adolf Vetter

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Seit 1927 entstanden auf Initiative der einzelnen europäischen Werkbünde mehrere Modellsiedlungen. Die erste Siedlung dieser Art war die 1926/27 errichtete Weißenhofsiedlung in Stuttgart, an der Architekten wie Le Corbusier, Walter Gropius und Peter Behrens beteiligt waren. Josef Frank, der für die Weißenhofsiedlung ein Doppelhaus entworfen hatte, übernahm 1929 die Leitung über den Bau der Wiener Werkbundsiedlung. Ursprünglich sollten die Musterhäuser auf einem Grundstück an der Triester Straße errichtet werden, das Projekt wurde aber nach Lainz verlegt. Josef Frank lud 31 österreichische und internationale Architekten ein, Entwürfe für Einfamilien- und Doppelhäuser vorzulegen. Die Wohnbaugenossenschaft GESIBA war für die Durchführung des Bauvorhabens zuständig. Nach Fertigstellung 1932 waren die vollständig möblierten Wohnungen acht Wochen lang für die Besucher der Werkbundausstellung geöffnet. Um einen Preis von 26.000 bis 65.000 Schilling konnten private Käufer die Häuser erwerben. Aufgrund des hohen Preises wurden nur 14 Häuser verkauft, die restlichen Modellhäuser wurden von der Gemeinde Wien übernommen. Bei einem Luftangriff 1945 wurden die Doppelhäuser von Oskar Strnad, Hugo Häring und Walter Sobotka zerstört. Der Wohnbau von Walter Sobotka wurde durch ein dreigeschoßiges Haus von Heinrich Reitstätter ersetzt, an der Stelle eines Doppelhauses von Hugo Häring stehen heute zwei Einfamilienhäuser von Roland Rainer und Rudolf Dinner. Die Baulücke am Engelbrechtweg 5/7 wurde durch zwei Einfamilienhäuser von Friedrich Pangratz geschlossen. In den 1980er-Jahren wurden die Häuser, die sich im Besitz der Gemeinde Wien befinden, sowie zwei private Wohnhäuser unter der Leitung von Prof. Adolf Krischanitz restauriert.

Die Architektur

Die Werkbundsiedlung erstreckt sich auf einem leicht abfallenden Grundstück zwischen der Veitingergasse und der Jagdschlossgasse. Die gesamte Siedlung wird von gekrümmten Straßen durchzogen, wodurch der Eindruck einer natürlich gewachsenen Siedlung erweckt wird. Bei allen Modellhäusern stand die Idee des funktionalen, naturnahen Wohnens mit gesteigertem Wohnkomfort im Vordergrund, bautechnische Innovationen spielten keine Rolle. Um die leichte Reproduzierbarkeit der Häuser zu gewährleisten, wurden den Architekten Flachdächer vorgeschrieben. Sämtliche Gebäude wurden unterkellert und somit gegen die Feuchtigkeit des Geländes abgesichert. Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt 60 bzw. 90 Quadratmeter, nur das Haus von Oswald Haerdtl in der Veitingergasse 115/117 ist mit 118 Quadratmetern um einiges größer angelegt. Der Maler Lászlo Gábor entwarf ein Farbkonzept in hellen Pastelltönen, das allerdings heute nicht mehr im Originalzustand vorhanden ist. Die ein- bis zweigeschoßigen Häuser in der Veitingergasse (Hugo Häring, Richard Bauer, Josef Hoffmann, Oskar Wlach, Julius Jirasek, Ernst A. Plischke, Josef Wenzel, Oswald Haerdtl) sind mit geschlossenen Straßenfassaden ausgestattet und öffnen sich zur Gartenseite hin. Auffallend ist der dreigeschoßige Bauteil von André Lurçat mit halbrunden Treppenhäusern in der Veitingergasse 87-93. Die Reihenhäuser sind zur Straße hin völlig geschlossen und öffnen sich zum Garten mit durchlaufenden Fenstern. Die ebenerdigen Doppelhäuser von Josef Hoffmann schließen direkt an den Teil von André Lurçat an. Die straßenseitige Fassade ist symmetrisch angeordnet und wird mit einem verglasten, überhöhten Portalhäuschen betont. Das Erdgeschoß ist so angeordnet, dass es von der Veitingergasse über einige Stufen zu erreichen ist, der Wohnbereich aber auf Gartenniveau liegt. In der Woinowichgasse 32 liegt das zweigeschoßige Haus von Josef Frank, das im ersten Stockwerk mit einer Terrasse ausgestattet ist. Daneben befindet sich ein kleines Museum, wo Dokumente und Informationen zur Werkbundsiedlung ausgestellt sind. Ebenfalls in der Woinowichgasse (Nr. 14-20) liegen die dreigeschoßigen Häuser von Gerrit Rietveld, die mit den großen Fenstern an der straßen- und gartenseitigen Fassade einen offenen Eindruck erwecken. Auf die harmonische Verbindung von Haus und Garten, von Innen und Außen wurde bei allen Häusern besonders Wert gelegt.

Der Name

Die Siedlung entstand in Zusammenarbeit mehrerer Künstler des österreichischen Werkbundes und trägt daher auch den Namen Werkbundsiedlung. Der Werkbund wurde 1912 als Interessensgemeinschaft von Künstlern, Handwerkern und Industriellen gegründet und setzte sich für eine Verbindung von Kunst und Industrie ein. An den Ausstellungen des Werkbundes waren zahlreiche Mitglieder der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte, wie Josef Hoffmann und Oskar Strnad, beteiligt. Die Mustersiedlung in Wien Hietzing wurde im Rahmen der Werkbundausstellung 1932 mehrere Wochen für Besucher geöffnet.

Sanierung

von 2011 bis 2016

In der Werkbundsiedlung wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt eine etappenweise Sockelsanierung durchgeführt.

Architekten

Anton Brenner - Anton Brenner (1896-1957) erhielt seine Ausbildung bei einer Reihe bedeutendster Architekten. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Wien bei Oskar Strnad und Josef Frank und studierte von 1922 bis 1926 an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens und Clemens Holzmeister. Bereits 1924 entwarf er für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Rauchfangkehrergasse 26, Wien 15, deren funktional durchgeplante Wohnungsgrundrisse und Innenraumgestaltungen große Beachtung erfuhren. 1929 wurde Brenner Leiter der Architekturabteilung am Bauhaus in Dessau. Aufgrund seiner nicht einfachen Art und seines fortschrittlichen Denkens, blieben jedoch weitere große Aufträge aus. 1949/50 realisierte er mit seinen Sohn Anton Brenner jun. die Wohnhausanlage Strohgasse 14 in Wien 3.

Richard Bauer - Richard Bauer (1897-?) studierte 1919/20 bei Franz Krauss und 1932/33 bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Danach arbeitete er als technischer Leiter bei der GESIBA, wo er auch für den Bau der Werkbundsiedlung in Wien 13 (1929-1932) verantwortlich war, für die er auch selbst ein Doppelwohnhaus (Veitingergasse 75-77) entwarf. 1932 konnte Richard Bauer die Stadtrandsiedlung Leopoldau in Wien 21 (heute ersetzt durch die Großfeldsiedlung) und 1934 gemeinsam mit Johann Würzl die Stadtrandsiedlung Aspern in Wien 22 realisieren. 1938 emigrierte er in die USA, wo sich seine Spuren verlieren.

Otto Niedermoser - Otto Niedermoser (1903-1976) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule Bühnenbild bei Alfred Roller und Architektur bei Josef Hoffmann. 1925 wechselte er an die Akademie der bildenden Künste, wo er sein Studium bei Peter Behrens abschloss. Niedermoser war vor allem als Innen- und Filmausstatter tätig, wie etwa bei den Filmen "Der Engel mit der Posaune" (1948) und "1. April 2000" (1952). Sein bedeutendstes architektonisches Werk ist der mit Hans Petermaier geplante Wiederaufbau der Fischerstiege und der angrenzenden Wohnhäuser in Wien 1 (1952-1954).

Josef Hoffmann - Josef Hoffmann (1870 - 1956) besuchte zunächst die Staatsgewerbeschule in Brünn (gemeinsam mit Adolf Loos, Leopold Bauer und Hubert Gessner) und studierte anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Karl Hasenauer und Otto Wagner. Der Mitbegründer der Wiener Secession wurde 1899 Professor an der Kunstgewerbeschule. Bekannt wurde er durch die Leitung der Wiener Werkstätten, die Gründung des Österreichischen Werkbundes 1912 und die Mitwirkung an der Werkbundsiedlung. Internationale Berühmtheit erlangte Hoffmann durch Bauten wie das Sanatorium Unter-Purkersdorf oder das Palais Stoclet in Brüssel. Er schuf eine große Anzahl von Wohnhäusern, darunter auch mehrere Gemeindebauten, sowohl im "Roten Wien" als auch in der Nachkriegszeit.

Clemens Holzmeister - Der in Tirol geborene Clemens Holzmeister (1886-1983) studierte ab 1906 an der Technischen Hochschule Wien. Als selbständiger Architekt war er zunächst in Tirol tätig, wo er auch an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck unterrichtete. 1924 gelang Holzmeister mit der Errichtung des Krematoriums am Zentralfriedhof in Wien 11 der Durchbruch als Architekt. Er wurde in der Folge Leiter der Meisterschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien und erhielt zahlreiche Aufträge, vorwiegend für Kirchenbauten, aber auch für die Festspielhäuser in Salzburg. In der türkischen Hauptstadt Ankara, wohin er 1938 emigrierte, plante er ab 1927 eine Reihe von Regierungsbauten, wie auch das Stadtpalais von Kemal Atatürk. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Wien zurück und übernahm wieder die Leitung der Meisterschule für Architektur an der Akademie, der er ab 1955 auch als Rektor vorstand. Clemens Holzmeister zählt zu den bedeutendsten Architekten Österreichs des 20. Jahrhunderts.

Jacques Groag - Der in Mähren geborene Jacques Groag (1892-1962) absolvierte in Wien die Ausbildung zum Bautechniker an der Technischen Hochschule und besuchte die Bauschule von Adolf Loos. Als selbstständiger Architekt plante er mehrere Einfamilienhäuser und Inneneinrichtungen. Unter anderem war er auch an der Realisierung des Hauses Wittgenstein in Wien 3, Kundmanngasse 19 (1926-1929), und der von Adolf Loos konzipierten Villa Moller in Wien 18, Starkfriedgasse 19 (1927), beteiligt.1932 wurde er von Josef Frank eingeladen, ein Doppelhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinowichgasse 5-7) zu planen. Nach 1938 ging er zunächst nach Prag und von dort nach England, wo er bis zu seinem Tod als Möbeldesigner und Innenarchitekt arbeitete.

Hugo Häring - Der deutsche Architekt Hugo Häring (1882-1958) studierte bis 1903 an den Technischen Hochschulen in Stuttgart und Dresden. 1921 ging er nach Berlin, wo er Ideen vom "Organhaften Bauen" verwirklichte, und plante das Gut Garkau bei Lübeck (1924/25). 1932 wurde er von Josef Frank eingeladen, Wohnhäuser für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Veitingergasse 71-73 und Engelbrechtweg 4, 1945 zerstört, Nachbau von Roland Rainer) zu entwerfen. 1935 übernahm Hugo Häring die Leitung der "Reimann-Schule" in Berlin (Private Schule für Gestaltung "Kunst und Werk"). Nach deren Zerstörung 1943 zog er sich in Biberach zurück, wo er noch zwei Einfamilienhäuser verwirklichen konnte.

Josef Franz Dex - Josef Franz Dex (1899-1945) besuchte bis 1922 die Kunstgewerbeschule in Linz und studierte bis 1926 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Peter Behrens. Er arbeitete fast ausschließlich als Innenarchitekt und Möbeldesigner. Das Doppelwohnhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Jagdschlossgasse 76/78, 1929-32) blieb sein einziges architektonisches Projekt. 1941 ging er nach New York, wo er sich mit seinem eigenen Einrichtungsgeschäft als Innenarchitekt etablieren konnte.

Gerrit Thomas Rietveld - Der Niederländer Gerrit Thomas Rietveld (1888-1964) absolvierte eine Tischlerlehre und besuchte Abendkurse für Bauzeichnen. 1917 gründete er seine eigene Möbeltischlerwerkstatt und knüpfte Kontakte zur Künstlergruppe De Stijl. 1923 wurde sein berühmter "Rot-Blau"-Stuhl präsentiert und er plante das Haus Schröder in Utrecht. Auf Einladung von Josef Frank entwarf er 1929 Reihenhäuser für die Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinovichgasse 14-20). Nach 1945 widmete sich Gerrit Thomas Rietveld hauptsächlich architektonischen Projekten.

Margarete Schütte-Lihotzky - Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) war die erste Frau in Österreich, die ein Architekturstudium abschließen konnte. Sie studierte von 1915 bis 1919 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow. Anfang der 1920er-Jahre arbeitete sie mit Adolf Loos an der Realisierung mehrerer Wohnhaussiedlungen in Wien, wie etwa der Heuberg-Siedlung (Röntgengasse, Wien 17) oder der Hirschstetten-Siedlung (Hermesstraße, Wien 13). 1926 wurde Schütte-Lihotzky ans Stadtbauamt in Frankfurt/Main berufen, wo sie ihre Frankfurter-Küche entwickelte, den Prototyp der modernen Einbauküche. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den sie in Gefangenschaft verbrachte, war sie als Architektin und Publizistin in Wien ansässig, konnte allerdings nur noch wenige Projekte realisieren.

Gabriel Guevrekian - Gabriel Guevrekian (1892-1970) stammte aus Istanbul und besuchte bis 1919 die Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad. 1922 ging er nach Paris, wo er mit Henri Sauvage und Robert Mallet-Stevens zusammenarbeitete. 1932 lud ihn Josef Frank ein, Doppelwohnhäuser für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinovichgasse 10-12) zu entwerfen. Im Anschluss war er als Stadtplaner und Architekt in Teheran/Persien tätig, bevor er 1940 nach Paris zurückkehrte. Ab 1949 unterrichtete Gabriel Guevrekian 20 Jahre lang an der University of Illinois in Urbana-Campaign, USA.

Max Fellerer - Max Fellerer (1889-1957) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien und im Anschluss an der Akademie der bildenden Künste bei Otto Wagner. Bereits während des Studiums arbeitete er im Atelier von Josef Hofmann und in der Wiener Werkstätte mit. 1927 wurde Fellerer Assistent von Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste und etwas später Chefarchitekt in dessen Atelier. In dieser Zeit entstand das Gemeindewohnhaus Geyschlägergasse 2-12 in Wien 15 und das Doppelwohnhaus in der Werkbundsiedlung (Woinovichgasse 6-8, Wien 13). Unter dem NS-Regime mit einem Berufsverbot belegt, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg Präsident der Akademie für angewandte Kunst. In Zusammenarbeit mit Eugen Wörle entstanden zahlreiche private Wohnhäuser und Geschäftseinrichtungen. Unter anderem war er auch an der Wiederinstandsetzung des Parlamentsgebäudes und am Plan zur Anlage der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien 10 beteiligt.

Richard J. Neutra - Richard J. Neutra (1892-1970) studierte bis 1918 Architektur an der Technischen Hochschule Wien und besuchte zudem die Bauschule von Adolf Loos. Um eine kriegsbedingte Krankheit ausheilen zu können, ging er nach dem Ersten Weltkrieg in die Schweiz, wo er im Büro des Landschaftsgärtners und Architekten Gustav Amman arbeitete. Ab 1920 war er im Berliner Stadtbauamt und bei Erich Mendelsohn tätig. 1923 wanderte Richard Neutra schließlich in die USA aus, wo er zunächst für Frank Lloyd Frank tätig war. Er konnte jedoch bald selbst als Architekt von Wohnhäusern im Raum Los Angeles sehr erfolgreich Fuß fassen. Sein einziges Bauwerk in Österreich ist das Haus für die Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinovichgasse 9).

Walter Sobotka - Walter Sobotka (1888-1972) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Karl König und Max Fabiani. Er war Mitglied des Österreichischen Werkbundes und stand in enger Verbindung zur Architektengruppe der Wiener Moderne im Umfeld von Adolf Loos und Josef Frank. 1939 emigrierte er in die USA, wo er weiterhin als Möbeldesigner und Architekt tätig war.

Josef Frank - Josef Frank (1885-1967) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Seine Villen-Bauten der 1920er- und 1930er-Jahre gehören zu den bedeutendsten Werken der Moderne in Wien (z. B. Haus Beer, mit Oskar Wlach, 1929/30). Für die Gemeinde Wien errichtete er alleine und gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Oskar Wlach und Oskar Strnad mehrere Wohnhausanlagen. Die berühmte Werkbundsiedlung im 13. Bezirk wurde als Bauausstellung für ein neues, soziales Wohnen von ihm konzipiert (ab 1930). Frank emigrierte 1934 nach Schweden, wo er zum wichtigsten Wegbereiter des modernen Designs wurde.

Heinrich Kulka - Der in Litovel/Tschechien geborene Heinrich Kulka (1900-1971) studierte bis 1923 an der Technischen Hochschule Wien und besuchte zudem die Bauschule von Adolf Loos. Im Anschluss arbeitete er als Zeichner für Adolf Loos und war an dessen Buch "Ins Leere gesprochen" beteiligt. In seiner Tätigkeit als Büro- und Bauleiter von Adolf Loos (ab 1928) war er auch für die Ausführung der von Loos entworfenen Doppelwohnhäuser in der Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinovichgasse 13/15/17/19) verantwortlich. 1938 ging Heinrich Kulka zuerst nach England und von dort nach Neuseeland, wo er für eine Baufirma und als selbstständiger Architekt arbeitete.

Julius Jirasek - Julius Jirasek (1896-1965) studierte bis 1926 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Frank und Oskar Strnad. Er war vor allem als Innenausstatter von Wohnungen und Geschäftslokalen tätig und wurde 1930 Mitarbeiter der "Werkstätten Hagenauer". Julius Jirasek etablierte sich als angesehener Designer von Möbeln und Gebrauchsgegenständen, seine Arbeiten wurden in Paris, Mailand und Chicago gezeigt. 1932 lud ihn sein ehemaliger Lehrer Josef Frank ein, ein Doppelwohnhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Veitingergasse 103-105) zu entwerfen. Dieser Wohnbau blieb sein einziges architektonisches Projekt.

Karl Augustinus Bieber - Karl Augustinus Bieber (1903-1996) studierte bis 1927 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad, als dessen Assistent er auch tätig war. 1932 entwarf er für die Werkbundsiedlung in Wien 13 zwei Reihenhäuser (Woinovichgasse 28-30), das einzige Bauwerk in Wien des vor allem als Lehrer und Designer anerkannten Architekten. Zu dieser Zeit arbeitete er bereits für die Firma Philips in Eindhoven/Niederlande als Künstlerischer Berater. Ab 1949 unterrichtete K. A. Bieber an der Werkkunstschule in Braunschweig und wurde danach zum Direktor der Staatlichen Kunstschule in Bremen ernannt. 1961 kam er als Vorstand des Instituts für Raumkunst und Entwerfen an die Technische Hochschule nach Graz.

Oswald Haerdtl - Oswald Haerdtl (1899-1959) absolvierte zuerst eine Tischlerlehre und studierte anschließend bis 1921 Architektur bei Oskar Strnad an der Wiener Kunstgewerbeschule. Er wurde Mitarbeiter im Atelier von Josef Hoffmann und von 1932 bis1939 auch dessen Partner. Sein erster realisierter Bau war ein Doppelhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Ecke Veitingergasse/Jagdschlossgasse). Als Oskar Strnad 1935 starb, wurde Oswald Haerdtl Professor für Architektur an der Kunstgewerbeschule. Nach 1945 plante er mehrere Wohnhäuser und öffentliche Bauten, wie etwa das Historische Museum der Stadt Wien am Karlsplatz in Wien 4 (1954-1959).

Eugen Wachberger - Eugen Wachberger (1904-1971) besuchte die Wiener Kunstgewerbeschule und studierte bis 1934 Architektur bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste. Als Assistent von C. Holzmeister konnte er bereits früh auch eigene Projekte verwirklichen, 1931 entwarf er ein Doppelwohnhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Woinovichgasse 22). Im Zuge seiner Zusammenarbeit mit Erich Boltenstern war er am Bau des Kahlenbergrestaurants beteiligt und realisierte mehrere Projekte für die Österreichische Nationalbank. Auch nach 1945 war Eugen Wachberger als Assistent von Clemens Holzmeister tätig.

André Lurcat - Der Franzose André Lurcat (1894-1970) studierte bis 1923 Architektur an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris. Im Anschluss arbeitete er im Büro von Robert Mallet-Stevens und Henri Pacon. Als Gründungsmitglied des "CIAM - Internationalen Kongresses für Neues Bauen" wurde André Lurcat 1929 von Josef Frank eingeladen Reihenhäuser (Veitingergasse 87/89/91/93) für die Werkbundsiedlung in Wien 13 zu entwerfen. Von 1934 bis 1937 war er Chefarchitekt für Bauten medizinischer Erziehung und Professor für Architektur und Konstruktion in Moskau. Als Stadtplaner war André Lurcat nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich am Wiederaufbau in Frankreich beteiligt.

Oskar Wlach - Oskar Wlach (1881-1963) studierte zunächst an der Technischen Hochschule Wien, an der er 1906 promovierte. Von 1906 bis 1907 war er an der Akademie der bildenden Künste Wien inskribiert, wo er die Meisterschule von Friedrich Ohmann besuchte. Als selbständiger Architekt ab 1907 arbeitete Wlach überwiegend mit Oskar Strnad und ab 1913 auch mit Josef Frank zusammen. Die Häuser Wildbrandgasse 3 und 11 in Wien 19 (beide mit Josef Frank und Oskar Strnad, um 1914) gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der modernen Architektur in Wien vor dem Ersten Weltkrieg. In der Zwischenkriegszeit war er an der Realisierung mehrerer Wohnbauten für die Gemeinde Wien beteiligt, bevor er 1939 in die USA emigrierte.

Arthur Grünberger - Arthur Grünberger (1882-1935) wurde in Fulnek/Tschechien geboren und studierte zunächst bis 1905 bei Karl König und Karl Mayreder an der Technischen Hochschule Wien und im Anschluss bis 1907 bei Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste. 1913/14 konnte er in Wien die Villa Auhofstraße 7a in Wien 13, eine Villa in der Felix-Dahn-Straße in Wien 18 sowie das Wohnhaus Peter-Jordan-Straße 94 in Wien 18 realisieren. 1923 wanderte er nach Amerika aus, wo er als Zeichner und Ausstatter der Filmindustrie tätig war. Die ebenfalls von ihm geplante Synagoge Eitelbergerstraße 22 in Wien 13 wurde 1938 zerstört. Auf Einladung von Josef Frank entwarf Arthur Grünberger 1932 ein Doppelwohnhaus für die Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13 (Jagdschlossgasse 80-82).

Helmut Wagner-Freynsheim - Helmut Wagner-Freynsheim (1889-1968) studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Darmstadt und in Wien (Diplom 1912). Bevor er als selbständiger Architekt arbeitete, besuchte er auch noch die Bauschule von Adolf Loos. Zunächst in Wien tätig, übersiedelte Helmut Wagner-Freynsheim 1930 nach Kitzbühel, wo ein Großteil der von ihm entworfenen Wohnhäuser und Villen errichtet wurde. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören das Doppelhaus Jagdschlossgasse 70-68 in der ab 1930 angelegten Werkbundsiedlung in Wien 13 und die Villa Auspitz auf der Hohen Warte in Wien 19 (Wallmodengasse 10, 1929).

Walter Loos - Walter Loos (1905-1974) studierte bis 1927 Architektur bei Josef Hoffmann und Josef Frank an der Wiener Kunstgewerbeschule. Im Anschluss ging er nach Deutschland, um dort als freier Architekt zu arbeiten. 1932 wurde er von Josef Frank eingeladen, für die Werkbundsiedlung in Wien 13 zwei Häuser (Woinovichgasse 24/26) zu entwerfen. Es folgten zahlreiche weitere Einfamilienhäuser in Wien. 1938 emigrierte Walter Loos zunächst nach London und von dort nach New York, wo er für die Firma Rena Rosenthal Inneneinrichtungen tätig war. Ab 1940 bis zu seinem Tod lebte er als Innenraumdesigner und Architekt von Sommerhäusern in Buenos Aires/Argentinien.

Josef Wenzel - Josef Wenzel (1902-1964) studierte ab 1922 Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der Meisterklasse von Peter Behrens und Clemens Holzmeister. Nach seinem Diplom arbeitete er im Büro von Clemens Holzmeister. Von 1931 bis 1932 wurde nach den Entwürfen Josef Wenzels ein Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Josef Wenzel vorrangig in Deutschland, wo er an mehreren Siedlungsprojekten beteiligt war. Für die Gemeinde Wien projektierte er gemeinsam mit Rudolf Scherer die Wohnhausanlage Gemeindeberggasse 10-12 im 13. Bezirk und als Mitglied einer größeren Architektengemeinschaft die Anlage Jedleseer Straße 77 im 21. Bezirk.

Hugo Gorge - Hugo Gorge (1883-1934) studierte an der Technischen Hochschule sowie der Akademie der bildenden Künste in Wien. Der auch als Designer tätige Architekt war für die Gemeinde Wien beim Bau von mehreren Wohnanlagen beteiligt. Sein wohl bekanntestes Gebäude ist das 1930/32 errichtete Doppelhaus in der Werkbundsiedlung in Lainz.

Ernst A. Plischke - Ernst A. Plischke (1903-1992) absolvierte zunächst eine Tischlerlehre und besuchte die Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad, bevor er von 1923 bis 1926 bei Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste studierte. Ab 1927 war er im Büro von Josef Frank tätig, durch ihn erhielt er auch den Auftrag ein Doppelwohnhaus für die Werkbundsiedlung in Wien 13 (Veitingergasse 107-109) zu entwerfen. Sein zeitgleich realisiertes Arbeitsamt in Wien Liesing gilt als eines der Hauptwerke der modernen Architektur in Österreich. 1939 emigrierte er nach Neuseeland, wo er vor allem als Entwerfer von Einfamilienhäusern, aber auch als Stadtplaner sehr erfolgreich war. 1963 kehrte Ernst A. Plischke nach Wien zurück und wurde Professor für Architektur an der Akademie der bildenden Künste, der er vorübergehend auch als Rektor vorstand.

Ernst Lichtblau - Ernst Lichtblau (1883-1963) studierte von 1902 bis 1905 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. Als Mitarbeiter der Wiener Werkstätten beschäftigte er sich zunächst vor allem mit Design und Innenraumgestaltung. 1939 emigrierte er in die USA, wo er unter anderem als Design-Konsulent für das Kaufhaus Macy’s in New York tätig war und bis in die 1950er-Jahre an der Rhode Island School of Design unterrichtete. Sein prominentestes Werk ist das bereits 1914 errichtete "Schokoladenhaus" (Wien 3, Wattmanngasse 29), das seinen Namen dem ausgefallenen dunkelbraunen Majolikaschmuck zu verdanken hat.

Adolf Loos - Adolf Loos (1870-1933) besuchte die Staatsgewerbeschulen in Reichenberg und Brünn, bevor er 1892 an der Technischen Hochschule in Dresden sein Architekturstudium begann. Er brach die Ausbildung jedoch ab und ging für drei Jahre nach Amerika. Als er 1896 nach Wien kam, war er zuerst im Atelier von Karl Mayreder tätig und machte sich 1898 als Architekt selbständig. Adolf Loos wurde zunächst vor allem mit Inneneinrichtungen, wie etwa für die American Bar in Wien 1, Kärntner Straße 10 (1907/08), und für das Herrenmodengeschäft Knize in Wien 1, Graben 13 (1909), beauftragt. Dem Geschäftshaus für die Schneiderfirma Goldmann & Salatsch am Michaelerplatz in Wien 1 (1909-1911), das aufgrund seiner schmucklosen Fassade für Aufsehen sorgte, folgte eine Reihe von Villen und Einfamilienhäusern in Wien 13. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Adolf Loos als Chefarchitekt des Siedlungsamtes der Stadt Wien im gemeinnützigen Wohnungsbau. Unter seiner Mitwirkung entstanden etwa die Siedlung Hirschstetten in Wien 22 (1921, mit Georg Karau, Franz Schuster, Franz Schacherl) und der Otto-Haas-Hof in Wien 20, Winarskystraße 16-20 (1924-1926, mit Margarethe Lihotzky, Franz Schuster, Karl Dirnhuber).

Hans Adolf Vetter - Hans Adolf Vetter (1897-1963) beendete, nach mehrjähriger kriegsbedingter Unterbrechung, 1920 sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Josef Frank. Seine Bedeutung für die österreichische Architektur liegt vor allem in seinen zahlreichen Publikationen der Zwischenkriegszeit, die der Moderne und ihren Anforderungen gewidmet sind. Für die Gemeinde Wien entwarf er das Wohnhaus Wehlistraße 309 in Wien 2 (1928-1930) und beteiligte sich an den Plänen zur Anlage Prager Straße 56-58 in Wien 21 (1925). Sein wichtigstes Bauwerk ist sein Beitrag zur Werkbundsiedlung, das Haus Woinovichgasse 11 in Wien 13 (1932). 1938 emigrierte Vetter nach London und von dort weiter in die USA, wo er 1948 einen Lehrauftrag am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh erhielt, den er bis 1963 ausführte.

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