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Loquaiplatz 9

Fakten

Loquaiplatz 9

Loquaiplatz 9, 1060 Wien

Baujahr: 1903-1904

Wohnungen: 31

Architekt: Wilhelm Stiassny

Weitere Adressen

Otto-Bauer-Gasse 7-9, 1060 Wien

Königseggasse 10, 1060 Wien

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Das imposante Gründerzeit-Mehrhofhaus am Loquaiplatz wurde zu einem Teil auf dem Areal der aufgelassenen Gumpendorfer Kaserne in den Jahren 1903-05 erbaut. Die so genannte "Schmalzhofkaserne", die bis zu ihrem Abriss 1902 bestand, wurde von Maria Theresia 1754 erworben und diente als Militärakademie, später als Militärspital, bevor Joseph II ihre Umwandlung in eine Kaserne anordnete. Für den "Verband der Genossenschaftskrankenkassen Wiens" und der "Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Unterstützungskassa in Wien" errichtete Wilhelm Stiassny ein Vereins- und Versammlungszentrum. Nach der Besitzübernahme ließ die Gemeinde Wien das Haus in den Jahren 1963-64 zum ersten "Haus der Begegnung" umbauen, mit der Zielsetzung, es möge "der Humanität und Toleranz dienen und allen Menschen, denen an geistiger Auseinandersetzung gelegen ist, eine Stätte der Aussprache, der Erbauung und Unterhaltung bieten." Heute haben dort mehrere Institutionen und Vereinigungen ihren Sitz. Das "Haus der Begegnung" als Verbandsheim setzt die Tradition als Tagungs- und Konferenzzentrum fort. 1985 erhielt die Parkanlage am Loquaiplatz durch den Künstler Dimitri Manikas ein verändertes Gesicht: Brunnen, Salettl und Pergola beleben seither den Platz neu.

Die Architektur

Das imposante Gründerzeit-Gebäude wurde entlang dreier Straßenseiten mit Souterrain, Tief- und Hochparterre sowie vier weiteren Stockwerken errichtet und bildet, vom Loquaiplatz bzw. von der Otto-Bauer-Gasse begrenzt, einen platzwirksamen Abschluss der Blockrandbebauung. Die drei Straßenfronten (Königseggasse, Otto-Bauer-Gasse, Loquaiplatz) verfügen über einen klassisch gegliederten Aufbau von Sockel, Mittelfeld und Abschlussgeschoß. Oberhalb des hohen genuteten Sockelgeschoßes, das Erdgeschoß und Mezzanin umfasst, sowie zwischen erster und zweiter Etage trennen markante Gesimse die einzelnen Zonen und gliedern die Fassade in der Horizontale. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Gassenfront Richtung Loquaiplatz konnte nach Ende des Krieges von der ersten Etage bis zum Dachboden weitgehend wiederhergestellt werden. Das Gebäude wendet sich mit seiner im Mittelteil insbesondere durch Riesenpilaster und Balkone gegliederten Hauptfassade der Königseggasse zu. Lisenen und die durch Fries und spitzwinkelige Fensterverdachungen reich geschmückten Fenster setzen darüber hinaus dekorative Akzente. Ein halbrunder Giebel bildet den Dachabschluss, Eckgaupen runden die Dachlandschaft abwechslungsreich ab. Neben dem mit einem auskragenden Vordach versehenen Hauptportal in der Königseggasse verfügt das Haus über zwei weitere Nebeneingänge sowie einen Garagenabstellplatz. Der 188 m² große, zentrale Versammlungssaal ist von allen drei Eingängen gleich gut erreichbar. Der monumentale Häuderblock fällt insbesondere durch seinen reichen Dekor ins Auge, wie die originellen secessionistischen Ornamentformen und die zum Teil mit Klinkern bestückte Fassade anschaulich darlegen. Hervorstechend ist jedoch vor allem der strahlenbekränzte Kopf Apollos an der Dachkrönung im großen Mittelgiebel.

Der Name

Der Loquaiplatz wurde nach dem Gemeinderat Ferdinand Loquai (1838-1899) benannt, der von 1878 bis 1889 Landtagsabgeordneter und in den Jahren 1886 bis 1891 Bezirksvorsteher des Bezirkes Mariahilf war.

Sanierung

von 1998 bis 1999

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1998 und 1999 saniert. Die Arbeiten umfassten die Instandsetzung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Wilhelm Stiassny - Der aus Pressburg stammende kk Baurath Wilhelm Stiassny (1842-1910), Mitbegründer und langjähriger Präsident der "Wiener Bauhütte", rühmte sich als einer der meistbeschäftigten Baukünstler Wiens. Als aktives Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde war er vielfach für jüdische Auftraggeber (u. a. Anselm Salomon von Rothschild) tätig. Stiassny errichtete zahlreiche repräsentative Wohnbauten (z. B. Weihburggasse 30, Wien 1; 1872), Spitäler, Schulen, Fabriken, Grabmäler und Synagogen. Auch die israelitische Zeremonienhalle des Wiener Zentralfriedhofs (1877-79) wurde nach seinem Entwurf errichtet.

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