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Wohnsiedlung Lockerwiese

Fakten

Wohnsiedlung Lockerwiese

Camillianergasse 1-35, 1130 Wien

Baujahr: 1928-1932

Wohnungen: 785

Architekt: Karl Schartelmüller

Weitere Adressen

Faistauergasse 1-57, 1130 Wien

Eugen-Jettel-Weg 4-10, 1130 Wien

Eugen-Jettel-Weg 3-9, 1130 Wien

Engelhartgasse 5-47, 1130 Wien

Camillianergasse 2-40, 1130 Wien

Seelosgasse 2-18, 1130 Wien

Faistauergasse 2-132, 1130 Wien

Spitzweggasse 4-10, 1130 Wien

Josef-Schuster-Gasse 2-52, 1130 Wien

Versorgungsheimplatz 2, 1130 Wien

Spitzweggasse 3-9, 1130 Wien

Faistauergasse 63-143, 1130 Wien

Franz-Petter-Gasse 3-37, 1130 Wien

Franz-Petter-Gasse 4-30, 1130 Wien

Janneckgasse 3-35, 1130 Wien

Josef-Schuster-Gasse 1-59, 1130 Wien

Ranzenhofergasse 3-35, 1130 Wien

Ranzenhofergasse 4-46, 1130 Wien

Schirnböckgasse 3-39, 1130 Wien

Schirnböckgasse 4-28, 1130 Wien

Seelosgasse 1-29, 1130 Wien

Versorgungsheimstraße 56-68, 1130 Wien

Janneckgasse 4-30, 1130 Wien

Wilhelm-Leibl-Gasse 26-56, 1130 Wien

Zillehof 2-9, 1130 Wien

Wolkersbergenstraße 54-170, 1130 Wien

Wilhelm-Leibl-Gasse 53-61, 1130 Wien

Wilhelm-Leibl-Gasse 1-43, 1130 Wien

Egon-Schiele-Gasse 3-105, 1130 Wien

Versorgungsheimstraße 6-50, 1130 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnsiedlung wurde ab 1928 auf einem Grundstück zwischen der Wolkersbergenstraße und der Versorgungsheimstraße errichtet. Karl Schartelmüller, der sich schon 1923 durch den Bau der Siedlung "Am Freihof" im 22. Bezirk qualifiziert hatte, wurde von der GESIBA mit der Bauleitung betraut. Der erste Abschnitt entstand zwischen der Camillianergasse und der Versorgungsheimstraße, 1930-32 wurde dann auch der Bereich zwischen der Camillianergasse und der Wolkersbergenstraße erschlossen. Im Jahr 1938 wurde die Siedlung um 120 Reihenhäuser und einen Block mit Wohnungen durch Karl Schartelmüller erweitert. Die letzten Wohnbauten entstanden in der Wolkersbergenstraße ab Eugen-Jettel-Weg, in der Wilhelm-Leibl-Gasse und der Janneckgasse. In den Jahren 1950/51 wurde von Otto Schönthal und Franz Mörth ein Sportplatz mit vier Wohnhauszeilen angelegt. Unter der Leitung von Adolf Wölzl wurden 1953 mehrere Dachausbauten vorgenommen.

Die Architektur

Die Wohnsiedlung erstreckt sich auf einem annähernd dreieckigen Gelände zwischen der Wolkersbergenstraße und der Versorgungsheimstraße. Die S-förmig gekrümmte Faistauergasse, die von Norden nach Süden führt, stellt die Hauptverbindung der Anlage dar. Das Herzstück der Siedlung ist der Hauptplatz, der sich am Kreuzungspunkt der Faistauergasse und der Camillianergasse befindet. Die Camillianergasse verläuft leicht ansteigend vom zentralen Platz in Richtung Versorgungsheimkirche. Die drei- bis viergeschoßige Verbauung rund um den Platz beherbergt Wohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen und Geschäfte. Die Bibliothek und der Konsummarkt sind nicht mehr erhalten, dort befindet sich mittlerweile ein Pensionistenheim. Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal der Anlage sind die gebogenen Straßenzüge, die Symmetrien vermeiden und keine weiten Blickachsen oder offenen Perspektiven zulassen. Alle Straßen und Wege führen in irgendeiner Form zum "Marktplatz", wodurch sich der Eindruck eines gewachsenen Stadtbildes ergibt. Der Großteil der Siedlungshäuser sind niedrige, zweigeschoßige Reihenhäuser, vereinzelt gibt es frei stehende Mehrfamilienhäuser und höhere Wohnblocks. Dazwischen befinden sich großzügig angelegte Nutzgärten, die den Bewohnern heute vor allem als erweiterte Wohnräume dienen, Grünstreifen und Kinderspielplätze. Die schlichten Wohnhäuser sind mit Details wie Klinkerapplikationen, Eckfenstern und Vorbauten abwechslungsreich gestaltet. Eine Besonderheit stellen die monumentalen Torbauten an der Ecke Faistauergasse/Versorgungsheimstraße dar, die einen starken Gegensatz zu den einfachen Reihenhäusern bilden. Die gestaffelten drei- bis viergeschoßigen Gebäude gipfeln in einem turmartigen Aufbau und sind mit Eckbalkonen versehen. Die Assoziationen zu Stadttoren und Mauern mittelalterlicher Städte werden durch halbkreisförmige Durchfahrten, wie in der Josef-Schuster-Gasse, noch verstärkt.

... und die Kunst

An einem Haus in der Faistauergasse wurde 1929 ein Sgraffito von Georg Samwald angebracht. Im Jahr 1949 erfolgte durch den Künstler selbst die Wiederherstellung des Wandbildes, das den Titel "Arbeitswelt" trägt.

Der Name

Der Name der Siedlung - Lockerwiese - leitet sich von der alten Flur ab, die einst auf dem Grundstück verlief. Die Bezeichnung erinnert an die teilweise mit Schilf bestandene und lockere Erde auf dem Gelände, das ursprünglich als Weideland genutzt wurde.

Sanierung

von 2008 bis 2016

In der Wohnsiedlung Lockerwiese wurde eine Sockelsanierung durchgeführt. Die umfassenden Sanierungsarbeiten umfassten unter anderem die Instandsetzung des Dachs, die Fassadendämmung, den Tausch bzw. die Erneuerung von Fenster und Türen und weitere Arbeiten am restlichen Gebäude. Durch diese Maßnahmen werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Umweltbelastung gesenkt. Die Kosten beliefen sich auf 29.691.800 Euro, wovon 20.041.965 Euro durch Förderungen gedeckt werden konnten.

Architekten

Karl Schartelmüller - Karl Schartelmüller (1884-1947) studierte zunächst Maschinenbau und im Anschluss Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1911 seinen Abschluss machte. Danach war er zwei Jahre als Assistent an der Technischen Hochschule beschäftigt und begann 1913 bei der Gemeinde Wien im Bereich Stadtplanung und Stadtregulierung zu arbeiten. Unter dem NS-Regime zwangspensioniert, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Leiter der Wiener Stadtplanung und Stadtregulierung berufen. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er vor allem für die Bestandsaufnahme der Bombenschäden in Wien verantwortlich und maßgeblich an den städtebaulichen Ausschreibungen für den Karlsplatz, den Stephansplatz und die Gestaltung der Donauufer beteiligt. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Siedlung "Lockerwiese" in Wien 13 (1928-1932) und die Siedlung "Am Freihof" in Wien 22 (1923-1930).

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