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Wohnsiedlung Am Wienerfeld West

Fakten

Wohnsiedlung Am Wienerfeld West

Adolf-Kirchl-Gasse 1, 1100 Wien

Baujahr: 1939-1942

Wohnungen: 145

Architekt: Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft GESIBA

Weitere Adressen

Franz-Schreker-Gasse 1-19, 1100 Wien

Adolf-Kirchl-Gasse 2, 1100 Wien

Berthold-Viertel-Gasse 2-16, 1100 Wien

Franz-Schreker-Gasse 2-22, 1100 Wien

Soesergasse 1-5, 1100 Wien

Soesergasse 2-10, 1100 Wien

Berthold-Viertel-Gasse 1-13, 1100 Wien

Wohnen in Wien

1938 wurde der Nationalsozialist Hermann Neubacher aus dem Bauressort Wiener Bürgermeister. Die nationalsozialistischen Stadtplaner wälzten pompöse Ideen und Pläne - in erster Linie Propagandamaßnahmen. Die systematische Zerstörung jüdischen Eigentums und Enteignungen - auch von Gemeindewohnungen - waren Teil dieser Stadtplanung. Während einige Architekten ihre Lizenz verloren, wurden andere mit der Errichtung von Volkswohnhäusern, Kasernen und Rüstungsbauten beauftragt. Entgegen den anfänglichen Plänen wurde mehr in Kriegsbauten als in den Wohnbau investiert - die heute noch existierenden Flaktürme wurden errichtet. Ab 1941 wurde die Bautätigkeit kriegsbedingt größtenteils eingestellt und die Strukturen der Stadtplanung wurden aufgelöst. Die Zerstörung großer Teile Wiens war Folge des Krieges.

Geschichte

Im Herbst 1938 feierte man die Fertigstellung der "Ersten nationalsozialistischen Siedlung der Ostmark", der "SA-Dankopfersiedlung Leopoldau", die bereits vor dem "Anschluss" nahezu vollendet war. 1939 schließlich stellte die Regierung ein umfangreiches Wohnbauprogramm vor. Auf dem Sektor des sozialen Wohnbaus erreichten die Nationalsozialisten ihre hochgesteckten Ziele jedoch nicht - allein für Wien war die Errichtung von knapp 80.000 neuen Wohnungen vorgesehen, bis Februar 1941 wurden aber kaum 2.000 realisiert.

Die größten neu entstandenen Siedlungen in dieser Zeit waren die Siedlungen Wienerfeld-West und -Ost im Süden Groß-Wiens mit etwa 500 Wohnungen. Die Siedlung wurde von der Baugenossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf übernommen und zwischen 1954 und 1959 durch weitere Wohnblöcke erweitert.

Darüber hinaus wurden von der I.V.H. ("Interessengemeinschaft Volksdeutscher Heimatvertriebener") weitere rund 350 Wohnungen an der Laxenburger Straße errichtet. Die I.V.H. wurde im Zweiten Weltkrieg gegründet mit dem Ziel, sich der Heimatvertriebenen anzunehmen. Viele wohnten damals in Notunterkünften und Barackenlagern, das bekannteste davon befand sich in Simmering. Ende der 1940er-Jahre wurde als Gegenmaßnahme die I.V.H.-Baugenossenschaft gegründet, welcher der donauschwäbische Obmann Peter Hack, der spätere Generaldirektor der "Sozialbau", vorstand. Von den später entstandenen öffentlichen Bauten ist die Volksschule von Hannes Lintl am Carl-Prohaska-Platz (1962-1964) besonders erwähnenswert.

Die Architektur

Auf dem Grundstück, das ursprünglich eine Kleingartensiedlung beherbergte, entstand eine aus Wohnstraßen, Wirtschaftswegen und Querverbindungen bestehende Siedlung im Stil der frühen 1920-Jahre. Mit wenigen Fenstertypen und gleichen Dachneigungen versehen, reihten die Architekten die Siedlungshäuser zumeist in paralleler Ausrichtung entlang der Erschließungswege aneinander. Die Gärten wurden in dem so gebildeten, geschützten Bereich zwischen den einzelnen Zeilen angelegt. Die Gebäude sind zweigeschoßig und in ihrer Fassadengestaltung äußerst sparsam. Die nachträglich hinzugefügten Bauwerke sind zumeist dreigeschoßig und verfügen an der Süd- und Ostseite (Stirnseite) über einzelne Balkonreihen sowie in der Dachzone über lose aneinandergereihte Gaupen. Die Häuser selbst zeugen durch den kontrollierten Umgang mit Form und Material von den tatsächlichen Verhältnissen im Dritten Reich und sind, obwohl in dieser Zeit entstanden, kaum von ideologischen Spuren geprägt.

... und die Kunst

Für die Wienerfeld-Siedlung West schuf der in Slowenien geborene Bildhauer Josef Seebacher (1918-1981) ein aus einem Mosaik bestehendes Wasserbecken in der Hofanlage. Der Künstler konzentrierte sich in seinem Schaffen auf die Gestaltung von Kreativ-Kinderspielplätzen (u.a. die Kinderrutschbahn im Hugo-Breitner-Hof, 1954) sowie von Brunnen in Parkanlagen.

Der Name

Namensgeber der Siedlungen Wienerfeld-Ost und Wienerfeld-West ist das gleichnamige Wiener Feld (Wienerfeld), auf dessen weitläufigem Areal sich die beiden Siedlungen westlich und östlich der Laxenburger Straße erstrecken. Im Süden und Osten werden sie von der A23, im Westen vom Wienerberg begrenzt. 1959 wurden die damals noch namenlosen Verkehrsflächen in der Siedlung West nach Wiener Persönlichkeiten aus dem Musikgenre benannt: So gibt es neben einer Kiurinagasse (Berta Kiurina, 1882-1933, Opernsängerin) und einer Keldorfergasse (Viktor Keldorfer, 1873-1959, Hofrat, Professor, Chordirigent) unter anderem auch die Adolf-Kirchl-Gasse, benannt nach dem Chorleiter, Musikerzieher und Komponisten Adolf Kirchl (1858-1936).

Architekten

Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft GESIBA - Die GESIBA wurde im August 1921 als "Gemeinwirtschaftliche Siedlungs- und Baustoffanstalt" gegründet. An der Spitze standen der sozialdemokratische Politiker Dr. Julius Deutsch (1884-1968) als Präsident und Dr. Hermann Neubacher (1893-1960) als Generaldirektor. Ursprünglich waren die Republik Österreich, die Gemeinde Wien und der Österreichische Verband für Siedlungs- und Kleingartenwesen mit je einem Drittel an der Unternehmung beteiligt. Die GESIBA entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Einrichtungen der Wiener Gemeinwirtschaft. Die Gartenstadtbewegung war mit ihrem Wirken eng verbunden.

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