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Fendigasse 19-21

Fakten

Fendigasse 19-21

Fendigasse 19-21, 1050 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 74

Architekt: Hermann Stiegholzer, Herbert Ferdinand Kastinger

Weitere Adressen

Embelgasse 10-12, 1050 Wien

Obere Amtshausgasse 9-13, 1050 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Fendigasse der Architekten Stiegholzer und Kastinger umschließt mit dem zeitgleich errichteten Arbeitsamt für die Holzindustrie und einem bestehenden Jugendstilwohnbau einen Hof zwischen Fendigasse, Embelgasse und Oberer Amtshausgasse. Von denselben Architekten stammt auch der Entwurf für das Arbeitsamt der Metallindustrie, das die Gebäudegruppe zur Siebenbrunnenfeldgasse abschließt. Laut Verordnung des Bundesdenkmalamtes vom 27. Juli 2001 steht der Gemeindebau gem. §2a Abs. 1 des Bundesdenkmalschutzgesetzes unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Während das direkt an den Gemeindebau angrenzende Arbeitsamt für die Holzindustrie mit seinen über die Gebäudeecken geführten Fensterbändern an die Moderne der 1920er-Jahre anschließt, spricht die vertikal ausgeprägte Monumentalität des Arbeitsamtes für die Metallindustrie schon deutlich die Sprache der Architektur der 1930er-Jahre. Der Gemeindebau zeigt stilistisch kaum Bezüge zu diesen beiden markanten Gebäuden.
Die Wohnhausanlage besteht im Verband der Hofbebauung aus zwei getrennten Gebäudeteilen. Das von der Fendigasse Richtung Siebenbrunnenfeldgasse aufsteigende Gelände wird teilweise von den Sockelgeschoßen aufgenommen, wobei der Gebäudetrakt an der Fendigasse mit sechs gegenüber sonst fünf Geschoßen der höchste ist. Die blockartige Eckverbauung Fendigasse / Obere Amtshausgasse bildet die Hauptfassaden, die mittels durchlaufender Fensterbankgesimse horizontal betont werden. In der Oberen Amtshausgasse ist die Fassade ab dem Erdgeschoß an jeder dritten Fensterachse zurückversetzt, die Fensterbankgesimse in Fassadenmitte unterbrochen. Diese zusätzliche vertikale Gliederung entfällt in der Fendigasse. Hier tritt der Gegensatz zwischen der abgerundeten, fensterlosen Gebäudeecke und der um eine Fensterachse vorspringenden Gebäudekante durch die reduzierte Formensprache besonders markant in Erscheinung: Ab der zweiten Fensterachse ist die Fassadenfront ohne Gesimse glatt ausgeführt, eine Wiederholung der abgerundeten Ecke findet sich in der massiven dreiteiligen Steinlaibung mit Schlussstein des Durchgangstors. Durch den nachträglich angebrachten Außenlift bietet sich heute ein verändertes Erscheinungsbild.
Die vier Stiegenhäuser werden vom Hof aus betreten, dessen Fassaden glatt und durch nachträgliche Liftanbauten und Dachgeschoßausbauten in der Höhe gestaffelt sind. Einziges plastisches Gestaltungselement sind die beiden fünfgeschoßigen Erker am Trakt Fendigasse.
Die Straßenfassade Embelgasse ist durch fünf Fensterbankgesimse horizontal gegliedert, ein kurzes Gesims unter den kleinen Küchenfenstern im Erdgeschoß, das in den übrigen Geschoßen fehlt. Die mittlere Fensterachse wird durch einen Fassadenrücksprung akzentuiert, das Dachgesims schließt an das des benachbarten Jugendstilhauses an.

Der Name

Der Hauseingang der Wohnhausanlage befindet sich in der Fendigasse, seit 1875 nach Peter Fendi (1796-1842), dem Maler, Graphiker und Lithographen, einem Hauptrepräsentanten der Biedermeiermalerei, benannt.

Sanierung

von 2006 bis 2011

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 bis 2011 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Hermann Stiegholzer - Hermann Stiegholzer (1894-1982) studierte ab 1915 an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er nach kriegsbedingten Unterbrechungen 1924 bis 1926 die Meisterschule von Peter Behrens besuchte. Bereits Ende der 1920er-Jahre entstanden erste Wohnbauten nach seinen Entwürfen, wie etwa das Gemeindewohnhaus Gebauergasse 10 in Wien 21. In dieser Zeit ging Stiegholzer eine Arbeitsgemeinschaft mit Herbert Kastinger ein, in der vor allem Wohnhäuser entstanden. Wegweisend für ähnliche Bauaufgaben wurde das von ihnen geplante Arbeitsamt für Bauarbeiter (Herbststraße 6-10, Wien 16; nicht erhalten). In den 1950er-Jahren beteiligte sich Stiegholzer am Wiederaufbau und realisierte mehrere Wohnhäuser für die Gemeinde Wien.

Herbert Ferdinand Kastinger - Herbert Ferdinand Kastinger (1900-1937) studierte bis 1923 Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Franz von Krauß und Peter Behrens. Ab 1925 war er Mitglied in der Wiener Bauhütte, später auch der Ingenieurkammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Ab 1928 arbeitete er in einer Bürogemeinschaft mit Architekt Hermann Stiegholzer in der Weyringergasse 21 in Wien 4. Zu ihren gemeinsamen Bauten zählen u. a. die Wohnhausanlage Fendigasse in Wien 5 (1930-31), ein Wohn- u. Geschäftshaus in Wien 9, Alserbachstraße 15 / Thurygasse 4 (1930-32), die Stadtrandsiedlung Breitenlee II in Wien 22 (1934), Wohn- und Geschäftshäuser in Wien 7, Lerchenfelder Straße 81 und 85-89 / Badhausgasse 4 und 8-12 (1936-37), das Arbeitsamt für das Baugewerbe in Wien 16 (1925-26) und die Arbeitsämter für Metall- und Holzindustrie in Wien 5 (1929-31). Beim Wettbewerb für die Berliner Olympiabauten 1936 erlangten sie den 3. Platz. Herbert Kastinger starb im 37. Lebensjahr an einer Gehirnblutung.

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