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Brandmayergasse 24

Fakten

Brandmayergasse 24

Brandmayergasse 24, 1050 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 68

Architekt: Egon Riss, Fritz Judtmann

Weitere Adressen

Diehlgasse 20-26, 1050 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Büro der TH-Absolventen Fritz Judtmann und Egon Riss lieferte während der Dauer seines Bestehens von 1925 bis 1934 moderne Architektur auf überdurchschnittlichem Niveau, frei von jeglichem pathetischen Monumentalismus. Bereits 1923 hatte Judtmann mit August Hauser für einen der wenigen im Wettbewerbsverfahren ausgeschriebenen Gemeindebauten (Wien 2, Lassallestraße/Vorgartenstraße/Radingerstraße) einen bemerkenswerten Entwurf mit halbstöckig gegeneinander versetzten Wohneinheiten konzipiert, der die unmittelbare Vorstufe zu Anton Brenners wenig später entstandenem Gemeindewohnhaus Rauchfangkehrergasse bildete. Die 1929 fertig gestellte Wohnhausanlage Wien 5, Brandmayergasse 24/Diehlgasse 20-26 ist mit ihren teils offenen, teils verglasten Loggien, die die Fassaden vertikal gliedern, im Rahmen der durch strenge Vorgaben geprägten Wiener Gemeindebautätigkeit als einzigartig anzusehen.

Die Architektur

Die 1928/29 nach Plänen von Fritz Judtmann und Egon Riss entstandene Wohnhausanlage der Stadt Wien, für ursprünglich 76 Wohneinheiten konzipiert, wurde als U-förmige Eckverbauung an den Straßenfronten Brandmayergasse und Diehlgasse samt Hoftrakt errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Die insgesamt vier Stiegen sind hofseitig erschlossen, der Innenhof wird durch ein Gitterportal von der Brandmayergasse aus betreten. Ein Blickfang sind die beiden halbrunden Stiegenhauskerne an der hofseitigen Front des Traktes Diehlgasse, die durch die seitlich angeordneten Balkonreihen zusätzlich akzentuiert werden. Markantestes Gestaltungsmerkmal der Wohnhausanlage sind jedoch die massiven, über Eck geführten Balkonbrüstungen an den Hauptfronten, die die straßenseitigen Aufrisse gliedern. Den einfachen, mehrfach von Balkonplatten angeschnittenen Gebäudekuben werden in den offenen, durchgehenden Loggien transparente Veranden eingefügt. Die auffallenden Balkonbrüstungen verleihen der Fassade nicht zuletzt Plastizität. Mit dieser Wohnhausanlage mit ihren abwechselnd offenen und verglasten Loggien, die der Fassade einen nüchtern-abstrakten Rhythmus sowie Transparenz geben, ist ein sehr eleganter und ausgesprochen modern anmutender Bau entstanden.

Der Name

Benannt wurde die Brandmayergasse, die unter diesem Namen seit 1875 existiert, nach dem ehemaligen Apotheker und Gemeinderat von Margareten, Eduard Brandmayer (1810 - 1874), der am 17. Mai 1862 zum ersten Bezirksvorsteher des (durch die Trennung von Wieden) neu geschaffenen Bezirkes Margareten gewählt wurde. Die Bezirksvertretung befand sich im damaligen provisorischen Gemeindehaus, dem 1857 eröffneten Schulgebäude in Nikolsdorf Nr. 9 (heute Nikolsdorfer Gasse 18). Erst 1867 konnte das neue Amtshaus in der Schönbrunner Straße 54 bezogen werden, das 100 Jahre später - nach einer gründlichen Restaurierung unter der Leitung der Architektin Herta Pella - 1968 von Bürgermeister Bruno Marek neu eröffnet wurde.

Sanierung

von 1999 bis 2000

Bereits 1989/90 wurden die Stiegenhäuser der Wohnhausanlage mit Aufzügen ausgestattet. Die Kosten dafür betrugen 198.688 Euro, davon konnten 119.213 Euro durch Förderungen gedeckt werten. Im Zuge der Sanierung in den Jahren 1999/2000 erfolgten die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Egon Riss - Egon Riss (1901-1964) studierte von 1919-1924 an der Technischen Hochschule Wien. In häufiger Zusammenarbeit mit Fritz Judtmann errichtete er Fabriken, Ambulatorien, Sanatorien, Bürohäuser und Villen im Stil der Neuen Sachlichkeit. 1932 verfasste er einen Plan zum Umbau des Wiener Stadtkerns, der später Grundlage der Nachkriegs-Stadtplanung werden sollte. Wegen seiner jüdischen Abstammung ging er 1938 nach Großbritannien ins Exil, wo er von 1949 bis zu seinem Tod leitender Architekt des Scottish Coal Board war.

Fritz Judtmann - Fritz Judtmann (1899-1968) studierte von 1918 bis 1922 an der TH Wien, wo er 1928 promovierte. Zusammen mit Egon Riss errichtete er für das Rote Wien unter anderem die Wohnhausanlage Diehlgasse 20-26 in Wien 5 (1928) und den TBC-Pavillon im Lainzer Krankenhaus (1929-1931). Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand unter anderem die Wohnhausanlage Lindengasse 57 in Wien 7 (1966-1968) nach seinen Plänen.

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