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Belvederegasse 36-38

Fakten

Belvederegasse 36-38

Belvederegasse 36-38, 1040 Wien

Baujahr: 1950-1951

Wohnungen: 56

Architekt: Kurt Reinhart

Weitere Adressen

Viktorgasse 6, 1040 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die auf der Liegenschaft Belvederegasse Nr. 36 und 38 befindlichen Althäuser blieben während des Zweiten Weltkriegs von den Bombenangriffen, die in Wieden zwischen 11. 10. 1944 und 7. 2. 1945 niedergingen, nicht verschont. Nr. 36 wurde komplett, Nr. 38 weitgehend zerstört, sodass ein Neubau unvermeidlich war. Mit dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Häuser durch die Gemeinde Wien wurde in den 1950-Jahren begonnen. Die 1951 fertig gestellte städtische Wohnhausanlage beherbergte ursprünglich 54 Wohnungen und zwei Lokale, darunter auch den Fleischhauerbetrieb des Alois Katscher, der jedoch im Laufe der Jahre durch ein Blumengeschäft ersetzt wurde.

Die Architektur

Die Anlage, bestehend aus einem 14 und einem 11 Achsen breiten Vordergebäude an der Belvederegasse und Viktorgasse, umfasst drei hofseitig orientierte Stiegenhäuser (Stiege 1 befindet sich in der Belvederegasse, Stiege 2 und 3 sind in der Viktorgasse) und enthält in fünf Hauptgeschoßen 54 Wohnungen sowie zwei Geschäftslokale im Erdgeschoß. Die in den 1950er-Jahren errichtete Anlage zeichnet sich sehr stark durch eine vertikal und horizontal gleichmäßige Achsenreihung aus. Die schlichte und sachliche Gestaltung der einfachen Putzfassade, die nach oben durch ein Satteldach abgeschlossen wird, entspricht der Nachkriegsarchitektur mit ihrer Beschränkung auf wenige Details. Lediglich die andersfarbige Absetzung des schmalen Sockels und die dezenten Fensterumrahmungen setzen zaghafte Nuancen. Der Durchgang in den quadratischen Hof befindet sich in der Belvederegasse. In dem als Gartenanlage gestalteten Grünraum findet man noch die original erhalten gebliebene Teppichklopfstange, den Colonia-Kübel-Abstellplatz und eine "Sandgrube" für die Kleinsten.

Der Name

Die Belvederegasse, die vor ihrer Umbenennung 1860 Ferdinandsgasse hieß und um 1823 angelegt wurde, verdankt ihren Namen dem Schloss Belvedere, das von Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745) für Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) im Jahr 1714 ursprünglich als Gartenpalais erbaut und in mehreren Etappen zur Schlossanlage (Oberes und Unteres Belvedere) erweitert wurde.

Sanierung

von 1994 bis 1997

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1994 bis 1997 saniert. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Die Kosten beliefen sich auf 1.015.676 Euro, davon konnten 397.193 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Kurt Reinhart - Kurt Reinhart (1906-1981) studierte von 1926 bis 1934 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Stadt Wien plante er etwa das Wohnhaus Belvederegasse 36-38 in Wien 4 (1950/51) und gemeinsam mit Walter Foral und Walter Prutscher die Anlage Boschstraße 20-22 in Wien 19 (1952/53).

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