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Rainergasse 26-28

Fakten

Rainergasse 26-28

Rainergasse 26-28, 1040 Wien

Baujahr: 1950-1951

Wohnungen: 54

Architekt: Jaro K. Merinsky, Carl Rössler

Weitere Adressen

Trappelgasse 1, 1040 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Für die heute bestehende Wohnhausanlage kann ein Vorgängerbau aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen werden, der auch im Generalstadtplan aus dem Jahr 1912 verzeichnet ist. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser Rainergasse 20 - 30 durch Bombentreffer vollständig zerstört. Die Benützungsbewilligung für den neu errichteten Wohnbau datiert aus dem Jahr 1951, in einem Bestandsplan desselben Jahres ist im Keller ein Versammlungsraum eingezeichnet.

Die Architektur

Bei der Wohnhausanlage Rainergasse 26 - 28 handelt es sich um einen typischen Vertreter der Wiener Nachkriegsarchitektur. Der ursprünglich mit 56 Wohnungen, 5 Waschküchen und 1 Versammlungsraum ausgestattete Wohnbau hat drei Stiegen, die Aufzüge an der Hoffassade datieren erst aus Ende der 1970er-Jahre. Der Baukörper des Eckhauses wird horizontal in eine schmale Sockelzone mit Kellerfenstern, ein Erdgeschoß mit abschließendem Kordongesims sowie fünf Hauptgeschoße gegliedert, den oberen Abschluss der völlig glatten Fassade bildet ein auskragendes Kranzgesims. Während die lange zwölfachsige Front gegen die Rainergasse ohne jeglichen Bauschmuck bleibt, ist an der fensterlosen, zurückspringenden Ecke gegen die Trappelgasse ein großformatiges Sgraffitowandbild angebracht. Der Trakt gegen diese Seitengasse ist um ein Stockwerk niedriger ausgebildet, das auch in diesem Bauteil weitergeführte Gesimsband zwischen Erdgeschoß und erstem Stock wird nur im Bereich des Treppenhauses unterbrochen. Die Wohnhausanlage verfügt über einen großen begrünten Innenhof, der auch von der Straße aus über einen Durchgang in der Rainergasse erreicht werden kann.

... und die Kunst

An der fensterlosen Seitenfassade des Traktes gegen die Trappelgasse befindet sich ein über drei Stockwerke reichendes Sgraffitowandbild aus den Jahren 1951/52. Die Arbeit mit dem Titel "Ziegelerzeugung" wurde vom Bildhauer Arthur Hecke entworfen.

Der Name

Die Rainergasse trägt ihre Bezeichnung seit dem Jahr 1862, als die Mittelgasse und die Blecherne Turmgasse vereinigt wurden. Als Namensgeber kann Erzherzog Ferdinand Maria Rainer (1827 - 1913) genannt werden, der in den Jahren 1872 - 1906 Oberkommandant der k. u. k. Landwehr und 1861 - 1865 Ministerpräsident war.

Architekten

Jaro K. Merinsky - Jaroslav Karl Merinsky (geb. 1895 in Sarajevo, verst. 1978 in Linz) erhielt seine Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie an der Technischen Hochschule Wien. An der TH Wien stand er auch von 1956 bis 1957 der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur als Dekan vor und bekleidete von 1962 bis 1963 das Amt des Rektors. Anschließend war Merinsky von 1964 bis 1967 Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlagen Rainergasse 26-28 in Wien 4 (1950-1951, mit Carl Rössler) und Heiligenstädter Straße 167-171 in Wien 19 (1960).

Carl Rössler - Carl Rössler (1890-1984) studierte mit mehreren Unterbrechungen von 1910 bis 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, unter anderem bei Max Fabiani und Siegfried Theiß. Für die Gemeinde Wien entwarf Rössler unter anderem zusammen mit Oskar Payer die Wohnhausanlage Geiselbergstraße 16-24 in Wien 11 (1954-1956) und gemeinsam mit Carl Auböck und Adolf Hoch die viel beachtete Anlage Vorgartenstraße 159-164 in Wien 2 (1959-1962). Rössler war auch am Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Secessionsgebäudes in Wien 1 beteiligt.

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